Prickelnd: Wellness und Kultur in Bad Brückenau

Staatsbad Bad Brückenau

Blick auf das architektonische Ensemble und den Schlosspark im Staatsbad Bad Brückenau.
© Foto: Meike Nordmeyer

Es prickelt so schön im Glas, da nehme ich doch gerne noch ein Schlückchen. Und das mit dem allerbesten Gewissen. Denn was ich da gerade genieße, ist eins der fünf Heilwasser im Bayerischen Staatsbad Bad Brückenau. Die Sinnberger Quelle hat eine feinperlige Kohlensäure, und deswegen wird das wohlschmeckende sprudelnde Wasser auch als Bad Brückenauer Champagner bezeichnet. Für ein Wochenende bin ich im Staatsbad Bad Brückenau im Bäderland Bayerische Rhön in Unterfranken zu Besuch und darf dort Wellness und Kultur genießen. Eine Kombination ganz nach meinem Geschmack.

Das Wetter kann sich an diesem Wochenende im Sommer nicht so recht entscheiden, ob es gut oder schlecht sein soll. Es ist warm, doch meist bedeckt. Mal reißt der Wolkenhimmel auf und zeigt stellenweise ein strahlendes Sommerblau, doch dann ziehen wieder dunkle Wolkenschwaden über die Hügel der Rhön hinweg. Doch auch bei trübem Wetter ist der Blick auf die Anlage des Staatsbades mit dem eleganten Schlosspark, den zahlreichen historischen Gebäuden, den Pavillons und dem Laubengang lohnend. Als ich am frühen Morgen das obenstehende Foto vom südlichen Ende der Anlage mache, scheint das Ensemble wie aus sich selbst heraus zu leuchten. Und so wird doch noch eine schöne Panorama-Aufnahme daraus. Der Aufstieg über die geschwungene Freitreppe hat sich gelohnt. Ich stehe am ehemaligen Hotel Bellevue, ein Gebäude von 1819, das erhöht über der Anlage thront. Heute ist in dem Gebäude ein italienisches Restaurant untergebracht. Seine Terrasse bietet einen hervorragenden Ausblick über die zentrale Flucht im Schlossgarten bis hinüber zum Fürstenhof.

Fürstenhof in Bad Brückenau

Der Fürstenhof im Staatsbad Bad Brückenau – König Ludwig I. von Bayern residierte dort während seiner 26 Aufenthalte in Bad Brückenau. © Foto: Meike Nordmeyer

Als 1818 der damalige Kronprinz und spätere König Ludwig I. von Bayern seine Gattin zu einem Aufenthalt nach Bad Brückenau begleitete, war er begeistert von dem Kurort und der Landschaft. Er wurde zum Stammgast. Insgesamt 26 mal weilte der König zur Sommerfrische in Bad Brückenau. Er quartierte sich im Fürstenhof ein und regierte in dieser Zeit sein Königreich Bayern von dort aus. Er ließ in dem Ort weitere Gebäude errichten und ergänzte damit das architektonische Ensemble.

Gegründet wurde Bad Brückenau als Kurort bereits einige Zeit zuvor, im Jahr 1747 vom Fuldaer Fürstabt Amand von Buseck. Der Fürstabt ließ den Kurgarten in barocker Gartenarchitektur gestalten. Dabei wurde zuerst die Mittelachse angelegt zur geometrischen Gliederung des Kurparks. Das war der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Schon im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich der Kurort zu einem hochgeschätzten Modebad und erlebte seine erste Glanzzeit.

Die Gartenanlage und der Fürstenhof aus der Barockzeit, die Gebäude aus der Zeit von Bayernkönig Ludwig I. und spätere Ergänzungen aus der Zeit des Jugendstils – all das fügt sich zu einem harmonischen Ensemble zusammen, das seine Gäste damals wie heute fasziniert. Die gesamte Anlage gehört dem Staat Bayern und liegt in seiner Verwaltung. Wenn auch verwaltungstechnisch gänzlich unabhängig davon ist das Staatsbad auch ein Stadtteil der Kommune Bad Brückenau, deren Zentrum etwa 3 Kilometer entfernt liegt. Neben den fünf Heilquellen im Staatsbad verfügt auch die Kommune über zwei Heilquellen und bietet einen dazugehörigen Bäderbetrieb.

Dorint Hotel in Bad Brückenau

Prächtig: Das Dorint Hotel in Bad Brückenau. Das Gebäude des Parkhotels wurde in den Jahren 1899-1901 errichtet. © Foto: Meike Nordmeyer

Abgesehen von einem Ausflug in das Städtchen Bad Brückenau verbringe ich mein Wochenende im Staatsbad und bin im Hotel Dorint, im Gebäude des Parkhotels untergebracht. Das ist ein prächtiges und ebenfalls historisches Gebäude. Dort betrifft die geschichtliche Bedeutung vor allem jüngere Zeiten. In dem Parkhotel traf Konrad Adenauer im Jahr 1949 mit den anderen Mitgliedern des Ellwanger Kreises zusammen. In dieser Runde wurde die Struktur einer neuen deutschen Verfassung diskutiert und als Staatsname „Bundesrepublik Deutschland“ vorgeschlagen. Durch die elegante Holzdrehtür im Eingangsbereich des Hotels kreiselten also schon Adenauer und die anderen Teilnehmer der Versammlung. Die Geschichte begleitet den Besucher überall im Staatsbad. Da lassen sich Wellness und Kultur besonders gut verbinden. Das wird auch unterstrichen dadurch, dass im Kursaalgebäude regelmäßig klassische Konzerte ausgerichtet werden. Auch für diesen Abend steht ein Konzert des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau auf dem Programm. Ich freue mich schon auf den klangvollen Abend.

Nostalgisch: Die Drehtür im Dorint Hotel Bad Brückenau

Nostalgisch: Die große Holzdrehtür im Dorint Hotel Bad Brückenau. © Foto: Meike Nordmeyer

In der Heilwasser-Lounge

In der Heilwasser-Lounge erfreue ich mich am Bad Brückenauer Champagner, so nennt man dort auch gerne das fein prickelnde Heilwasser aus der Sinnberger Quelle.
© Foto: Schober / Nordmeyer

Doch nun stehe ich erstmal in der Trinkhalle des Staatsbades. Die ist modern und stylisch gestaltet und nennt sich dementsprechend Heilwasser-Lounge. Der Raum ist ganz in Weiß gehalten, eine Glaswand an der Seite lässt in die Landschaft schauen, an den übrigen Wänden sind Beleuchtungsstreifen eingelassen. Fünf Steinsäulen symbolisieren die verschiedenen Quellen. Die Höhe der Säulen ist unterschiedlich, sie bezieht sich auf die Tiefe, aus der die Quelle hervorsprudelt. An jeder Säule können die Besucher sich das heilende Wasser in ihr Glas gluckern lassen.

Eine der Quellen ist nach König Ludwig I. benannt, so ein königlicher Stammgast verpflichtet natürlich. Dieses Wasser soll eine besonders vitalisierende Wirkung haben, und vielleicht bewirkt es ja auch recht gut, dass man wiederkehrt an diesen Ort. Ich nehme jedenfalls einen großen Schluck davon und probiere dann auch die anderen Quellen. Alle fünf Heilwasser schmecken angenehm. Das ist ja bei Heilquellen nicht immer der Fall. Doch hier gibt es keine penetranten Schwefeltöne. Neben verschiedenen gesundheitlichen Vorzügen im einzelnen liegt ein Schwerpunkt der Brückenauer Heilquellen auf der guten Wirkung auf die Nieren. Mit dieser Beschaffenheit der Quellen gilt das Staatsbad Bad Brückenau seit mehr als 250 Jahren als ein Nierenheilbad. Dieser Ruf wird heute durch die Schwerpunktklinik für Nephrologie, der Sinntalklinik Bad Brückenau, maßgeblich unterstützt.

Und dann gibt es da noch einen anderen Trumpf. Eine der Quellen soll auch besonders der Schönheit förderlich sein. Sie ist benannt nach Lola Montez, der Mätresse von König Ludwig I. Die Dame, die den König einst so sehr betören konnte, hat es also auch zu einem Quellennamen geschafft. Und da wir gerade bei der Schönheit sind: Auch Kaiserin Sissi hat Bad Brückenau besucht. Im Jahr 1898 weilte sie zu einem vierwöchigen Kur-Aufenthalt dort. Sie wird sicherlich auch ein Interesse an der Beauty-Quelle gehabt haben. Nun denn, zu dem gesunden Champagner lässt sich hier also auch noch das ein oder andere Becherchen für die Schönheit nehmen.

Erfrischt von den Quellen und mit guten Gefühl, schon jetzt etwas für Gesundheit und Schönheit getan zu haben, wandel ich nun ein bisschen durch den Park mit seinen zahlreichen Rosenstöcken und den gepflegten, bunt bestückten Blumenbeeten. Ich schlendere durch den Laubengang und über eine Brücke, die über einen kleinen Fluss führt, der quer zur Mittelachse des Schlossparkes durch das Tal fließt. Der Flussname lässt mich staunen. Schau an, es ist der Sinn, ach nein, die Sinn, die offenbar sehr geistreich durch dieses Tal plätschert. Die Wasser sind hier eben allesamt etwas Besonderes.

Picknick im Schlosspark von Bad Brückenau

Fürstlich: Erst Picknick im Park des Staatsbades Bad Brückenau, dann zum klassischen Konzert in das Kursaalgebäude. Der klassizistische Saalbau mit Arkadengang von 1833 ist im Hintergrund des Bildes zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

Zum Glück hält sich das Wetter auch am späten Nachmittag noch. Denn vor dem abendlichen Konzert ist ein Picknick im Schlosspark geplant. Das hat hier schon Tradition vor den klassischen Konzerten. Viele Bewohner von Bad Brückenau machen dabei mit, sie kommen mit Körben und Kühltaschen, Decken oder Klappstühlen in den Schlosspark. Auch für die auswärtigen Gäste ist gesorgt. Denn im Dorint Hotel lassen sich Picknick-Körbe vorbestellen. Diese sind gut gefüllt mit üppigen Sandwiches, Käse, Obst, süßen Teilchen und einer Flasche Weißwein. Wolldecken hat das Hotel auch parat – also ab auf die Wiese! Allmählich zieht zwar schlechtes Wetter auf, doch das braut sich nur langsam zusammen, so bleibt genügend Zeit zum Picknick. Unsere kleine Gruppe speist mit Blick auf das Kursaalgebäude, in dem später das Konzert zu hören sein wird. Rings um uns finden sich noch einige andere kleine Gemeinschaften, die auf Picknick-Decken oder Klappstühlen zusammensitzen und sich die mitgebrachten Speisen schmecken lassen. Was für eine feine Sache!

Kursaal in Bad Brückenau

Reich verzierte Decke mit Kronleuchter – das Kursaalgebäude bildet einen festlichen Rahmen für Konzerte.
© Foto: Meike Nordmeyer

Als sich im Arkadengang des Kursaals allmählich die ersten Konzertbesucher versammeln, wird es Zeit, die Reste vom Picknick zusammenzupacken. Das passt, denn jetzt fallen auch die ersten Regentropfen aus den dunklen Wolken über uns. Die Körbe und Decken sind schnell zum Hotel zurückgebracht. Dann geht es in den Kursaal, der ein festliches Ambiente für das Konzert bietet mit feinen Dekorationen an Decke und Wänden und funkelndem Kronleuchter. Das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau präsentiert ein gehaltvolles, abwechslungsreiches Programm zum Oberthema „Feuer“ mit Werken von Boccherini, Haydn, Mozart und Piazolla. Sowohl die Klassik als auch die Tangoklänge wissen die Instrumentalisten unter der Leitung von Johannes Moesus anspruchsvoll und klangfarbenreich umzusetzen. Sopranistin Ruth Ziesak überzeugt mit Arien von Mozart, die sie mit warmer Stimme sehr umsichtig gestaltet. Das Publikum dankt mit begeistertem Applaus für das intensive Konzert.

 Kammerorchester Bad Brückenau

Viel Applaus nach dem Konzert im Kursaal: Das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau mit seinem Dirigent Johannes Moesus und Sopranistin Ruth Ziesak. © Foto: Meike Nordmeyer

Nach den schönen und feurigen Klängen sollte es unbedingt noch einen Absacker geben, da ist sich unsere kleine Gruppe einig. Der kleine Spaziergang in der Nacht ist willkommen. Wir laufen zum italienischen Restaurant im ehemaligen Hotel Bellevue. Der Weg führt über die Mittelachse des Schlossparkes, dann die Freitreppe hinauf. Bei einem Schluck Rotwein kann der Abend nun gut ausklingen. Wohlig entspannt falle ich später in mein Hotelbett und freue mich schon auf das Wellness-Programm am nächsten Tag.

Pool in Bad Brückenau

Pool mit Zwiebelturm im Staatsbad Bad Brückenau. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Wellness-Einheit beginne ich erstmal mit ein paar Runden im Außenpool, dann steht für mich noch eine Massage auf dem Programm. Im Spa-Bereich des Dorint Hotels lässt es sich gut entspannen. Auch ein sogenanntes Medical Spa gehört dort zum Angebot dazu, eine Abteilung, die ein breites Spektrum an Kurbehandlungen anbietet. Später führt mein Bummel durch den Schlosspark natürlich wieder zur Heilwasser-Lounge, denn ich mag noch ein bisschen Schönheits-Quelle und Gesundheits-Champagner genießen. Auf der Terrasse vor der Trinkhalle spielt eine Band auf. Der Saxophonist sorgt für beschwingte Töne und biegt sich mit seinem Instrument launig hin und her, einige Kurgäste tanzen. Ich schlendere vorbei, bin wohlig entspannt und wünschte, es dürfte für mich hier noch ein paar Tage so weitergehen mit Wellness und Kultur. König Ludwig I. wusste schon, warum er immer wiederkehrte nach Bad Brückenau. Darauf erstmal einen prickelnden Schluck Heilwasser!

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Zum Aufenthalt in Bad Brückenau bin ich vom Staatsbad und vom Dorint Hotel eingeladen worden.

Weitere Infos zum Staatsbad Bad Brückenau

Konzerte im Kursaal von Bad Brückenau
Vier Jahreszeiten, vier Konzerte – 2016 stehen vier große Konzerte auf dem Programm des Kammerorchesters Bad Brückenau. Der erste Termin ist das Frühlingskonzert am 16. April. Unter dem Titel „Zwischenspiele“ gibt es zudem eine Reihe mit Kammermusik-Konzerten. Diese werden auch von Mitgliedern des Kammerorchesters Bad Brückenau gestaltet.
Nähere Informationen zu den Konzerten
Infos zum Kammerorchester Bad Brückenau

Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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