Beethoven in Bonn erleben

Beethovenhaus - Vorderhaus

In Stein gemeißelt steht es über der Eingangstür: Beethovens Geburtshaus. Doch dieses Gebäude an der Bonngasse ist lediglich das Vorderhaus. © Foto: Meike Nordmeyer

Ein Foto vor dem Beethovenhaus – das gehört bei einem Besuch in Bonn unbedingt dazu. Dafür strömen die Touristen in die Bonngasse. Dort bestaunen sie die Fassade des Bürgerhauses aus der Barockzeit, die sich in Altrosa mit dunkelgrünen Fensterläden präsentiert. Über der breiten grünen Holztür steht es in Stein gemeißelt: „Beethovens Geburtshaus“. Genau davor stellen sich die Besucher für ein Foto auf – uuuuuuuuund lächeln!

Was viele Touristen in diesem Moment nicht wissen: Genau genommen ist dieses Gebäude an der Bonngasse gar nicht das Geburtshaus des großen Komponisten. Die Familie van Beethoven lebte nicht in dem repräsentativen Wohnhaus direkt an der Bonngasse. Das hätte sie sich auch gar nicht leisten können. Das junge Ehepaar van Beethoven zog im Jahr 1767 in das Hinterhaus, den schmalen Anbau auf der Gartenseite. In einer kleinen Dachkammer kam ihr Sohn Ludwig im Jahr 1770 zur Welt.

Beethovens Geburtshaus im Hinterhof

Im Hinterhof gelegen: Das ist das Geburtshaus des berühmten Komponisten. Die Dachgaube ganz oben rechts gehört zu der kleinen Kammer, in der Ludwig van Beethoven zur Welt gekommen ist.
© Foto: Meike Nordmeyer

Wer nicht nur für ein schnelles Foto herbeigeeilt kommt, sondern auch zur Besichtigung bleibt, wird natürlich genauer informiert, welcher Gebäudeteil tatsächlich das Geburtshaus ist. Vorder- und Hinterhaus sind heute mit direkten Durchgängen verbunden und zu einem Museum vereint. Darin findet sich die größte Beethoven-Sammlung weltweit. Im Erdgeschoss des Vorderhauses werden die Besucher zunächst empfangen. Nach dem Ticketverkauf geht es weiter in den Innenhof, und dort gibt es endlich den ersten Blick auf das Geburtshaus, auf das gelb gestrichene Hinterhaus. Fotografieren ist im Beethovenhaus strengstens verboten. Davon konnte ich also keine Bilder mitbringen. Aber im Innenhof habe ich ein Bild vom Hinterhaus aufnehmen können. Die Dachgaube ganz rechts gehört zu dem kleinen Zimmer, in dem Ludwig van Beethoven geboren wurde.

Die einstige Wohnung der Familie Beethoven ist noch weitgehend erhalten mit ihren kleinen Räumen und dem knarzenden Holzboden. Für mich ist es ein besonderer Moment, an der Schwelle des Geburtszimmers, dieser kleinen, niedrigen Dachkammer zu stehen. Eintreten darf man nicht, und das ist wohl auch sinnvoll. Es würde zur besten Besuchszeit sicherlich ein Gedränge in dem kleinen Raum entstehen, und so bliebe nichts an Atmosphäre übrig. In der Kammer steht lediglich eine Beethoven-Büste auf einer Säule. Derzeit ist dort im Rahmen einer Ausstellung zudem eine sichtdurchlässige Abtrennung aus weißer Gaze angebracht. Sie ist 1,50 Meter vor der Wand zum Garten hin platziert und markiert die Stelle, bis zu der die Kammer ursprünglich reichte. Denn das Hinterhaus wurde Ende des 19. Jahrhundert für seine neue Funktion als Museum ein Stück nach hinten hin verlängert. Mit der temporären Markierung wird also deutlich, dass der Raum ursprünglich noch kleiner war.

Ich stehe an der Schwelle der Kammer und schaue hinein. Meine Hand lege ich auf das alte Holz des Türrahmens und spüre mich in den Raum hinein, um die Schwingungen an diesem Ort wahrzunehmen. Das Baby Ludwig – hier hat es zum ersten Mal die Luft der Welt geatmet, die vermutlich etwas stickig war. Hier hat es für seine ersten Töne auf dieser Welt gesorgt und sich bestimmt mit kräftigem Geschrei bemerkbar gemacht.

Die Remigiuskirche

Die Pfarrkirche St. Remigius an der Brüdergasse. Hier steht heute noch der Taufstein, über dem Ludwig van Beethoven im Dezember 1770 getauft wurde. © Foto: Meike Nordmeyer

Ein besonders reizendes Exponat ist mir zudem in einer Vitrine in einem anderen Raum aufgefallen: Eine Taufhaube aus bestickter beigefarbener Seide. Nunja, es ist eine von drei erhaltenen angeblichen Taufhäubchen von Ludwig von Beethoven. Es ist also nicht sicher, ob der Säugling dieses Stück wirklich auf dem Kopf gehabt hat – aber es ist doch recht charmant, sich das vorzustellen. Gesichert ist aber, dass Beethoven auf dem Orgel-Spieltisch musiziert hat, der in einem weiteren Raum ausgestellt ist. Dieser stammt aus der Minoritenkirche, der heutigen Pfarrkirche St. Remigius. Ab seinem zehnten Lebensjahr spielte Ludwig regelmäßig auf dieser Orgel. Im zweiten Weltkrieg ist das bedeutende Instrument vernichtet worden. Der Spieltisch blieb jedoch erhalten, denn dieser war bereits 1904 bei einem Umbau der Orgel abmontiert und dem Beethovenhaus als Ausstellungsstück übergeben worden. Zu sehen ist in der Ausstellung außerdem Beethovens Dienstbratsche aus seiner Bonner Zeit.

Auch wenn die Orgel dort nicht mehr vorhanden ist – bei einer Beethoven-Tour durch Bonn darf ein Besuch der Pfarrkirche St. Remigius nicht fehlen. Denn darin steht im linken Seitenschiff der Taufstein, über dem Beethoven am 17. Dezember 1770 getauft wurde. Er stammt aus der nahe gelegenen, 1806 abgebrochenen Pfarrkirche St. Remigius, von der die bisherige Klosterkirche das Patronat des Heiligen Remigius übernahm. Wer den Taufstein gesehen hat und nun noch mehr zu Beethoven erkunden will, der kann noch einige interessante Punkte in Bonn aufsuchen. Dafür hat die Stadt einen Beethoven-Rundgang zusammengestellt und Infotafeln an den verschiedenen Stationen platziert. Ein Flyer mit den gesammelten Infotexten und entsprechenden Markierungen im Stadtplan ist bei Bonn Tourismus an der Windeckstraße 1 erhältlich und steht auch auf deren Webseite zum Download bereit.

Beethoven-Skulptur

Beethon – so heißt die Skulptur mit der vielschichtigen Struktur, die der Künstler Klaus Kammerichs nach einem berühmten Beethoven-Porträt schuf. Links im Hintergrund ist der Eingang zur Beethovenhalle zu sehen, in der viele Konzerte des Beethovenfestes stattfinden.
© Foto: Meike Nordmeyer

Begibt man sich auf die Spuren eines Komponisten, überkommt einen schnell die Lust, nun auch eine große Portion Musik zu hören. Eine besonders gute Zeit für einen Besuch in Bonn ist daher während der beiden Monate, in der das Beethovenfest stattfindet. Jedes Jahr im September und Oktober bietet das Festival innerhalb von rund vier Wochen zahlreiche Konzerte. Auch Vorträge und Lesungen gehören dazu. Namhafte Orchester, Dirigenten,  Solisten und Ensemble sind vertreten, aber auch Nachwuchstalente oder weniger bekannte Künstlergruppen mit außergewöhnlichen Programmen. Die Musik von Beethoven bildet einen Schwerpunkt, doch das Festival bietet darüber hinaus ein breites Spektrum vom Barock bis zur Moderne. Neben klassischen Konzerten und moderner Kunstmusik ist beispielsweise auch Jazz oder Weltmusik dabei. Neugierig machen auch Crossover-Projekte wie dieses Jahr beispielsweise Techno und Clubmusik auf klassischen Instrumenten oder die Begegnung von Johann Sebastian Bachs Passionsmusiken mit Sequenzen frühchristlicher orientalischer Liturgie und mit wirbelnden Derwischen.

Ein sehr beliebtes Beethoven-Event bildet alljährlich das sogenannte Public-Viewing auf einem zentralen Platz in der Stadt. An einem Sonntagabend in der Festivalzeit wird eins der großen Konzerte aus der Beethovenhalle live auf Großleinwand übertragen. In diesem Jahr wird das wieder auf dem Marktplatz stattfinden, an dem das historische Rathaus steht, das mit seiner prächtigen Fassade in Hellrosa und mit goldenen Verzierungen eine elegante Kulisse dafür bildet. Schon am Nachmittag finden sich zum Vorprogramm zahlreiche Besucher ein und machen es sich in den orangefarbenen Liegestühlen bequem, die für die Veranstaltung bereit stehen. Wohlweislich rücken die Gäste mit dicken Jacken und Wolldecken an. Denn an einem Herbstabend kann es zu späterer Stunde schon sehr kühl werden. Ein besonderes Erlebnis bietet der Abend auf dem Stadtplatz auf jeden Fall. Wenn das Wetter mitspielt, dann lässt sich das Konzert sogar unter Sternenhimmel genießen.

Beethoven - Streetart in Bonn

Beethoven ist auch in Form von Streetart in Bonn präsent. Dieses Stück Streetart findet sich gegenüber vom Beethovenhaus in der Bonngasse. © Foto: Meike Nordmeyer

In diesem Jahr gibt es bereits zum dritten Mal zum Public-Viewing noch ein spezielles Begleitprogramm: Das Beethovenfest lädt wieder seine Twitter-Follower zum Tweetup ein. Diese kommentieren das Konzert live über das Netzwerk Twitter. Dafür kommen die Teilnehmer nicht nur aus Bonn, sondern auch aus den umliegenden Städten angereist. Sie schreiben von der gesamten Veranstaltung auf dem Platz, schon vom Vorprogramm, vom Konzert selbst und ebenso von der Atmosphäre, vom Publikum, von den Wolldecken und vom Sternenhimmel. Jeder twitttert über seinen eigenen Account, gemeinsam ist allen dabei der Hashtag #befespark. Wer bei Twitter zu der Zeit also den Hashtag verfolgt, kann gebündelt die Tweets zum Thema lesen. In ganz Deutschland und auch darüber hinaus verfolgen Twitterer den Livebericht von der Veranstaltung, kommentieren ebenfalls und stellen Fragen. Das Tweetup ist ein lockerer, informativer Spaß für alle, die Musik, die Stadt Bonn und Twitter lieben. Das diesjährige Tweetup zum Beethovenfest findet am 7. September statt. Wer in Bonn dabei sein möchte, kann sich auf der Webseite des Beethovenfestes darüber genauer informieren und sich dort auch anmelden. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei und freue mich schon darauf! Wen von euch werde ich dort treffen?

Weitere Informationen
Mehr zum Beethoven-Rundgang sowie der Flyer dazu als PDF finden sich auf der Webseite von Bonn Tourismus
Hier geht’s zum Beethovenfest und zum Programm
Mehr zum Tweetup zum Beethovenfest am 7.9.2014

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Ich bin von Bonn Tourismus und dem Beethovenfest zur Bloggerreise nach Bonn, zum Besuch des Beethovenfestes und zum Tweetup eingeladen worden.

Im Rahmen der Pressereise habe ich im Hotel Kameha Grand in Bonn übernachtet. In einem Blogartikel berichte ich über das Designhotel, das mit umweltfreundlicher Technik ausgestattet ist: Neobarock mit Wärmepumpe

Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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