Gold am Morgen und Ufo in der Nacht – Flusskreuzfahrt auf der Donau

Flusskreuzfahrt auf der Donau mit der A-Rosa Bella
Im Zeichen der Rose – die A-Rosa Bella liegt im Hafen von Engelhartszell. Dort geht die Flusskreuzfahrt auf der Donau los, die bis nach Budapest führt. © Foto: Meike Nordmeyer

Vorm Fenster plätschern kleine Wellen entlang. Es steht einen Spalt weit offen und die kühle Morgenluft, die über dem Fluss steht, weht zwischen den Vorhängen hindurch in die Kabine. Ruhig fährt das Flusskreuzfahrtschiff A-Rosa Bella zur frühen Stunde über die Donau. Die Sonne geht gerade auf und zeichnet am Himmel und auf dem Wasser Flächen in Rosa und Gold. Schon früh bin ich wach geworden, voller Neugier aus dem Bett gekrochen und stehe nun am offenen, bodentiefen Fenster meiner Kabine. Ich genieße den Blick auf die noch menschenleere Landschaft und die sanfte Morgenstimmung am Fluss. Einen wunderbaren Tagesbeginn bietet so eine Flusskreuzfahrt auf der Donau.

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang an der Donau – ein zauberhafter Tagesbeginn. Blick aus meiner Kabine auf der A-Rosa Bella am frühen Morgen. © Foto: Meike Nordmeyer

Zur Frühstückszeit, wenn der Kaffee serviert wird und das reichhaltige Buffet lockt, ist es längst hell. Erste Fahrradfahrer sind am Ufer zu sehen und winken zum Schiff herüber. Das Kreuzfahrtschiff fährt gerade irgendwo zwischen Linz und Wien auf der Donau. In Linz ist es zuvor am späten Abend auf dem dunklen Fluss an der hell erleuchteten Stadt vorbeigefahren und weitergezogen. In Wien wird es am Mittag anlegen und den Passagieren die Gelegenheit zum Landgang und zur Besichtigung der österreichischen Hauptstadt geben.

Als es am sonnigen Vormittag kurz nach dem Frühstück auf einmal wieder dunkel zu werden scheint, wundert sich keiner auf dem Schiff. Denn die A-Rosa Bella ist mal wieder in eine Schleuse eingefahren. Das kommt auf der Strecke häufig vor. An beiden Seiten des Schiffs sind nun die hohen, düsteren Mauern der Schleusenkammern zu sehen und sorgen für den eingeschränkten Lichteinfall. Insbesondere in der Kabine kann man da auf einmal fast im Dunklen stehen. Doch die Passagiere sind es schon gewohnt. Das Wasser strömt langsam in die Schleusenkammer, allmählich bewegt sich das Schiff nach oben und schon bald wird es wieder hell. Die Prozedur mit dem Auf oder Ab in der Schleusenkammer gehört zu einer Flusskreuzfahrt auf der Donau dazu, am Tag und auch in der Nacht. Allein von Engelhartszell bis nach Wien durchfährt das Schiff acht Schleusen.

Meine Kabine auf der A-Rosa Bella
Meine Kabine mit französischem Balkon auf dem Flusskreuzfahrtschiff A-Rosa Bella. © Foto: Meike Nordmeyer

Gestartet ist die Kreuzfahrt in Engelhartszell. Der Ort liegt direkt hinter Passau, bereits auf österreichischer Seite. Ich bin mit der Bahn nach Passau angereist. Dort am Bahnhof werden die ankommenden Passagiere mit Reisebussen abgeholt und checken schon kurz danach auf der A-Rosa Bella ein. Jede Menge rote Rosen liegen an Bord dafür bereit. Cruise Manager Sabine Hinz und ihr Team begrüßen jeden eintreffenden Gast persönlich, und pro Kabine erhalten die Ankömmlinge das charmante florale Präsent. Das passt besonders gut zum Aussehen des Schiffs, das wie alle in der Flotte vorne am Bug rote Lippen zeigt, die eine Rose halten. Ich gehe nun zu meiner Kabine, um vor dem Willkommensdrink und einer schon sehnsüchtig gewünschten Tasse Kaffee erstmal meinen Koffer abzustellen und mich nach der Bahnfahrt von Wuppertal nach Passau schnell ein wenig frisch zu machen. Auf dem kleinen Tisch vor dem Korbsessel steht eine Vase bereit, in der auch schon Wasser eingefüllt ist und in die ich die Rose direkt hinstecken kann. Sie wird mich auf der Reise begleiten. Schon bald darauf legt die A-Rosa Bella in Engelhartszell ab. Sie ist nun im Zeichen der Rose auf der Donau unterwegs und fährt mit diversen Zwischenetappen bis nach Budapest und wieder zurück nach Engelhartszell.

Auf der einwöchigen Tour auf der Donau zieht das Schiff gemächlich an Burgen, Schlössern, Dörfern, Weinbergen, Wäldern und Felsen vorbei. Dazu bietet die Woche die Gelegenheit zu Besichtigungen von Städten, mächtigen Kirchen und Klosteranlagen in drei Ländern, in Österreich, der Slowakei und Ungarn. Mit dem Besuch der slowakischen Hauptstadt wird es dabei besonders spannend gemacht. Denn auf dem Weg nach Ungarn fährt das Schiff am späten Abend durch Bratislava ohne Halt hindurch, wie es auch schon in Linz der Fall war.

Als wäre gerade eine Fliegende Untertasse auf dem Brückenpfeiler gelandet: der Ufo-Turm in Bratislava – ein imposanter Anblick bei der Durchfahrt durch die Stadt in der Nacht. Im Vordergrund ist der kleine Pool auf dem Sonnendeck der A-Rosa Bella zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

Cruise Manager Sabine Hinz gibt den Gästen kurz zuvor einen Hinweis mit einer Durchsage. Ich eile daraufhin auf die Kabine, streife rasch eine Jacke über und gehe hinaus aufs obere Deck, um die Durchfahrt zu beobachten. Es lohnt sich. Hoch über der Stadt auf linker Seite thront wirkungsvoll angestrahlt die Burg von Bratislava. Ein beeindruckender Anblick bietet sich aber auch auf der anderen Seite. Auf einem hohen Brückenpfeiler scheint gerade ein Ufo gelandet zu sein. Es ist die runde Aussichtsplattform des anschaulich als Ufo-Turm bezeichneten Bauwerks von 1972. Es hat eine Höhe von insgesamt 95 Metern, ist ebenfalls angestrahlt und sieht in der Nacht besonders imposant aus.

Erst auf dem Rückweg wird das Kreuzfahrtschiff in Bratislava anlegen. Dann werde ich durch die Altstadt bummeln und später auf den Ufo-Turm hinauffahren, das ist mit einem Aufzug möglich. Es gibt eine Ebene mit einem Restaurant und einer Bar, und noch darüberliegend eine Außenplattform. Von dort oben bietet sich ein fantastischer Blick über die Stadt, hinüber zur Burg, über die Dächer der Altstadt und ebenso hinunter auf die Donau, wo die A-Rosa Bella an ihrer Anlegestelle zu sehen sein wird. In der Ferne ist auch die rund 6 Kilometer entfernte Grenze zu Österreich zu erblicken, eine Hinweistafel auf der Aussichtsplattform verweist darauf. Zu Zeiten des Ostblocks haben die Einheimischen von dem Turm aus in das für sie unerreichbare Nachbarland hinüberschauen können. Auch dieser Gedanke stellt sich dort oben in der Höhe ein. Auf die Kreuzfahrtgäste wartet auf der Rückfahrt auf jeden Fall ein lohnender Besichtigungstag in Bratislava. Für die besondere Vorfreude darauf ist mit der nächtlichen Durchfahrt bestens gesorgt. Nun zieht das Schiff erstmal weiter in die Nacht hinein, die außerhalb der Stadt schon dunkel über dem Fluss liegt.

Blick auf Bratislava
Blick vom Ufo-Turm auf Bratislava. Auf der Rückfahrt macht die A-Rosa Bella in der slowakischen Hauptstadt fest. Sie liegt direkt vor dem Zentrum der Stadt, die sich gut zu Fuß erkunden lässt. Sehr lohnend ist auch der Besuch der Aussichtsplattform des Ufo-Turms. Die Besucher können mit einem Aufzug hinauffahren. Das kostet pro Person 7,40 Euro (Stand Januar 2018). © Foto: Meike Nordmeyer

Wenn am nächsten Nachmittag die Einfahrt in Budapest ansteht, ist das ein besonderer Höhepunkt der Reise. Das Schiff fährt an den vielen prächtigen Bauwerken vorbei, die sich am Ufer der Donau präsentieren, allen voran das berühmte Parlamentsgebäude im neugotischen Stil mit seinen filigranen Giebeln und Türmen. „Es ist ganz anders als bei einer Hochseekreuzfahrt“, erklärt die Cruise Managerin, die viele Jahre mit Kreuzfahrtschiffen auf den Meeren unterwegs war. „Bei einer Flusskreuzfahrt fährt man mitten durch die Städte und alles ist zum Greifen nah. Das hat seinen ganz besonderen Reiz. Und ein Vorteil ist auch, dass die Schiffe meistens direkt am Stadtzentrum anlegen.“

A-Rosa Bella in Budapest
In Budapest hat die A-Rosa Bella einen Liegeplatz direkt am Zentrum der Stadt. Hinter ihr ist die Freiheitsbrücke zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

So ist es auch in Budapest, wo die A-Rosa Bella schon kurz hinter dem Parlament, direkt auf Höhe der großen Markthalle festmacht. Dort liegt das Schiff mit Blick auf die Freiheitsbrücke, deren kunstvolle, grün gestrichene Stahlkonstruktion am Abend im warmen Licht beleuchtet wird. Diesen zauberhaften Anblick genieße ich noch zur späten Stunde vom Schiff aus bei einem Cocktail. Wie gut, dass auch noch am nächsten Tag bis mittags Zeit sein wird, durch die Stadt zu schlendern, bevor die A-Rosa Bella wieder zurückfährt und Kurs auf Bratislava nimmt.

Blick auf die Freiheitsbrücke
In Budapest hat die A-Rosa Bella einen Liegeplatz direkt am Zentrum der Stadt. Am Abend bietet sich vom Schiff aus dieser schöne Blick auf die beleuchtete Freiheitsbrücke. © Foto: Meike Nordmeyer
Schloss Schönbühel
Schloss Schönbühel an der Donau – auf dem Hinweg fährt das Kreuzfahrtschiff in der Nacht daran vorbei, da habe ich es nicht gesehen. Auf dem Rückweg habe ich mich dann an dem Anblick erfreut, der sich am Vormittag geboten hat. Kurz danach legt die A-Rosa Bella in Melk an. Das ist die letzte Station auf der einwöchigen Tour. Dort lohnt sich der Besuch des kleinen Städtchens und der riesigen Klosteranlage von Melk.
© Foto: Meike Nordmeyer

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Noch mehr von der Flusskreuzfahrt auf der Donau lesen
Hier erzähle ich von einem ausgedehnten Landausflug:
Bunt an der Donau – Die Künstlerstadt Szentendre

Ich bin von A-Rosa zu der Flusskreuzfahrt auf der Donau eingeladen worden.

Die einwöchige Tour „Donau Klassiker“ in meinem Fall mit der A-Rosa Bella führt von Engelhartszell (Abholung ist für Anreisende mit dem Zug in Passau am Bahnhof, Einschiffung auf österreichischer Seite in Engelhartszell) mit Stationen in Wien und Esztergom bis nach Budapest. Von dort geht es wieder zurück mit Aufenthalt in Bratislava und Melk bis zum Ausgangspunkt Engelhartszell.

Nähere Infos zu dieser und weiteren Touren zum Beispiel auch durch Frankreich oder die Niederlande unter www.a-rosa.de/flusskreuzfahrten

Mehr Blogartikel zu Kreuzfahrten oder Touren mit Fährschiffen finden sich in folgender Rubrik: meikeknoten – auf dem Wasser unterwegs
meikeknoten

Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.

2 Replies to “Gold am Morgen und Ufo in der Nacht – Flusskreuzfahrt auf der Donau

  1. Danke für die ersten Impressionen zur Route. Selbst bin ich Flussfahrtsneuling und bin ganz verzückt und süchtig nach mehr. :-)
    Die Donau habe ich gerade im Blick. Entlang der Seine war ich bereits als Roadtrip unterwegs, sonst lohnt auch diese Tour.

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