Geesthacht: Vom Dynamit zum Pflaumenkuchen

Museum in Geesthacht

Das Museum in Geesthacht ist im Krügerschen Haus untergebracht, einem Hallenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Es ist das nach zwei Großbränden (1887 und 1928) älteste noch erhaltene Gebäude der Stadt.
© Foto: Meike Nordmeyer

Im Museum von Geesthacht

Begegnung mit Alfred Nobel im Museum in Geesthacht an der Elbe. © Foto: Meike Nordmeyer

Werbung – dieser Artikel wurde gefördert von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein.

Nun sind sie alle verkündet, die Nobelpreise für dieses Jahr. Ich stelle mir vor, wie da auch Alfred Nobel, der aufrecht und mit nachdenklichem Blick in seinem Lehnstuhl sitzt, zufrieden lächelt und sich entspannt zurücklehnt. In der ernsten Haltung habe ich ihn erst kürzlich auf einer fast lebensgroßen Abbildung im Museum in Geesthacht gesehen.

Moment mal, Geesthacht, nicht Stockholm? Ja, so ist es, in einem kleinen Museum in der Elbestadt in Schleswig-Holstein wird der Erfinder, der insgesamt 355 Patente erfolgreich anmeldete, umfassend geehrt. Und das hat seinen Grund, denn in seiner Sprengstofffabrik „Auf dem Krümmel“, benannt nach der Gegend am Elbhang bei Geesthacht, hat Alfred Nobel nach zahlreichen gefährlichen, teils verheerend explosiv ausgegangenen Versuchen das Dynamit entwickelt. Daraufhin entstand dort die erste Dynamitfabrik der Welt. Die Erfindung war von bahnbrechender Bedeutung für die Industriealisierung, sie war für Tunnel-, Berg-, Eisenbahn- und Kanalbau von großem Nutzen. Jedoch wurde auch die militärische Nutzung von Sprengstoff damit immer bedeutsamer.

Nobel zum Aufklappen

Alfred Nobel zum Aufklappen – im Museum von Geesthacht erfahren die Besucher viel über den Erfinder und den Stifter des berühmten Nobelpreises. © Foto: Meike Nordmeyer

Die entscheidende Entdeckung für das Dynamit bestand in der Mischung des empfindlichen und in der Handhabung äußerst gefährlichen Nitroglycerins mit dem körnigen Material Kieselgur. Damit wurde der Sprengstoff sicherer, weil unempfindlicher, und blieb zugleich hochwirksam. Der Bedarf an dem neuen Produkt war groß. Von der Dynamitfabrik „Auf dem Krümmel“ wurde schon bald das neue Nitroglycerin-Produkt über die Elbe und den nahegelegenen Hamburger Hafen weltweit zum Verkauf verschifft. Ein Imperium entstand, das Nobel zum berühmten und steinreichen Mann machte. Er besaß schließlich mehr als 90 Sprengstoff-Fabriken in aller Welt. Da er keine Erben hatte, bestimmte er ein Jahr vor seinem Tod den größten Teil seines Vermögens für eine testamentarische Stiftung und legte damit die Grundlage für die Nobelpreise, die heute bekanntesten und renommiertesten Auszeichnungen in den Disziplinen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Friedensbemühungen.

Dynamitfabrik in Geesthacht

Nach Alfred Nobels Erfindung in Geesthacht entstand dort die erste Dynamitfabrik der Welt. Im Museum der Stadt erfahren die Besucher mehr darüber. © Foto: Meike Nordmeyer

Mit Alfred Nobel hat das Museum, das sich selbst in moderner Manier GeesthachtMuseum! schreibt und in seiner Dauerausstellung umfassend von der Stadtgeschichte erzählt, ein bedeutendes Thema und eine weltweit bekannte Persönlichkeit vorzustellen. Doch warum kam der Schwede Alfred Nobel nach Geesthacht, um dort zu experimentieren und seine Fabrik zu bauen? Auch das erklärt natürlich das Museum. Nobel hatte bereits in Schweden mit Nitroglycerin Versuche angestellt, um einen Sprengstoff zu entwickeln, der sich sicherer  und präziser handhaben lässt. Denn an einem solchen Stoff bestand in Industrie und Bergbau großes Interesse. Von schwedischen Kaufleuten, die selbst in der Elbmetropole ansässig waren, wurde Nobel auf Hamburg als vorteilhaften Standort aufmerksam gemacht. Denn Hamburg besaß einer der größten Häfen Europas, bildete ein Zentrum des Handels und bot damit ausgezeichnete Vorraussetzungen für eine weltweite Vermarktung der neuen, wichtigen Sprengstoffprodukte, auf die Nobel offenbar bereits frühzeitig hoffte. Die Herstellung von Sprengstoff war damals noch hochriskant. Daher kam das Stadtgebiet von Hamburg aus Sicherheitsgründen nicht in Betracht. Auch wegen einer ungünstigen zollrechtlichen Situation eignete es sich weniger. Da wurde Nobel auf die spärlich besiedelte Gegend „Auf dem Krümmel“ am Elbhang bei Geesthacht aufmerksam und baute dort seine Fabrik auf. Trotz dieser im Herzogtum Lauenburg gelegenen Produktionsstätte blieben Sitz und Verwaltung der Firma Alfred Nobel & Co. immer in Hamburg.

Aus der Frühzeit der Dynamitfabrik, zu der Alfred Nobel noch in Geesthacht lebte, sind heute keine Gebäude mehr erhalten, Spuren davon jedoch wohl noch vielfach zu sehen. Objekte aus späteren Bauphasen sind hingegen noch einige vorhanden, beispielsweise ein Verwaltungsgebäude von 1913 mit Jugendstil-Fassade oder ein Wasserturm, der auf dem heutigen Gelände des Atomkraftwerks Krümmel von Vattenfall steht. Der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht bietet dazu geführte Rundgänge an. Doch für diese habe ich bei meinem kurzen Aufenthalt in Geesthacht leider keine Gelegenheit.

Wilhelm Holert

Wilhelm Holert produzierte aus dem Dünensand in Geesthacht erstmals Kalksandsteine. Die Nachfrage war groß. Sein Unternehmen lieferte die begehrten Steine auch für den Bau des Empire State Buildings.
© Foto: Meike Nordmeyer

Von meiner Tour nach Lauenburg aus habe ich nur einen kurzen Abstecher in die Nachbarstadt Geesthacht unternommen. Ein solcher bietet sich auf jeden Fall an. Stilvoll lässt es sich beispielsweise von der einen Elbstadt zur anderen mit dem Dampfeisbrecher „Elbe“ reisen. Das nostalgische Gefährt mit Baujahr 1911, das ich schon in Lauenburg bewundert habe, verkehrt in der Zeit von Mai bis Oktober an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen den beiden Elbstädten hin und her.

Der Ausflug lohnt sich. Denn das kleine Museum in Geesthacht bringt den Besucher auf jeden Fall zum Staunen. Nicht nur mit seinem Nobelfaktor, auch mit einem anderen Thema kann es von einer weltweiten Bedeutung von Geesthacht erzählen. So war mit Wilhelm Holert ein weiterer erfinderischer Unternehmer dort Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts tätig. Er hatte Teile der Dünenlandschaft bei Geesthacht geerbt. Da die Nachfrage nach Baustoffen in der damaligen Gründerzeit sehr groß war, kam Holert auf den Gedanken, den Dünensand zu nutzen und daraus Kalksandsteine zu fertigen. Die Produktion im dafür gebauten Werk begann 1905. Auch diese Neuheit hatte großen Erfolg und fand weltweit Anwendung. Rund 1,1 Milliarden Steine wurden bis zum 50. Firmenjubiläum von Geesthacht aus in die Welt verkauft. Geliefert wurden sie beispielsweise auch für den Bau des Empire State Buildings in New York.

An diesen beiden Unternehmern mit ihren bedeutenden Innovationen zeigt das Museum die weitreichende Bedeutung von Geesthacht auf. Und die Stadt hat diesbezüglich noch mehr zu bieten. Im Museum lässt sich nachvollziehen, wie sich Geesthacht von einem kleinen Handwerkerdorf zum bedeutendsten Energie- und Forschungsstandort Norddeutschlands entwickelt hat. Dafür steht vor allem das dort ansässige Helmholtz-Zentrum für Küsten- und Materialforschung. Ebenso ist die Stadt für höchst unterschiedliche Energieanlagen bekannt. Die Ortbezeichnung „Krümmel“ wird heute wohl kaum mit dem Thema Dynamit als vielmehr mit dem 1984 dort in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk verbunden. Mit dem Betrieb ist es vorbei, im Jahr 2011 wurde die Anlage endgültig stillgelegt, und der Rückbau soll bald beginnen. Für die erneuerbaren Energien hingegen steht das Pumpspeicherkraftwerk, das sich ebenfalls in der Stadt befindet. Vom Atomkraftwerk zur Anlage der erneuerbaren Energien – das ist ein breites Spektrum in dieser Stadt, mit dem sich das Museum ebenfalls beschäftigt. Dementsprechend widmet sich die Daueraustellung ausführlich dem Thema Energietechnik und Energieforschung. Umfangreiche Materialien und Informationen sind dafür aufbereitet, die ständig aktualisiert werden. Medienterminals stehen für diese thematische Entdeckungsreise bereit.

Elbkantinchen

Ein beliebtes Ausflugsziel: das Elbkantinchen in Geesthacht Tesperhude. © Fotos: Meike Nordmeyer

Doch da steige ich nicht drauf ein, sondern ziehe wieder weiter. Denn ich habe das Elbkantinchen im Stadtteil Tesperhude empfohlen bekommen. Das Freiluftlokal bietet eine große Terrasse mit Blick auf die Elbe, und dort möchte ich vor meiner Rückreise ins heimische Wuppertal noch etwas die Sonne genießen, die gerade hinter den Wolken hervorgekommen ist. Das Elbkantinchen ist ein beliebtes Ausflugsziel im Stadtteil Tesperhude, der als das Blankenese von Geesthacht gilt. Viele Besucher verbinden eine Radtour mit einem Besuch im Elbkantinchen – eine schöne Kombination. Ein großer blauer Anker bildet gemeinsam mit dem Schriftzug des Namens das sympathische Logo des Lokals, das einem zur Begrüßung regelrecht anlächelt. Der Trumpf des Kantinchens ist die große Sonnenterrasse mit Blick auf die Elbe, auf große und kleine Schiffe, auf blauen Himmel und weiße Wolken – wunderbar.

Biobratwurst

Wildbratwurst mit Preiselbeeren im Elbkantinchen
© Foto: Meike Nordmeyer

Das Angebot an Speisen und Getränken ist übersichtlich doch besonders interessant, denn es ist alles hausgemacht, und verwendet werden dabei so weit wie möglich regionale Produkte, möglichst in Bioqualität. Ich bestelle eine Wildbratwurst mit Preiselbeeren, die vom Jäger aus Schnakenbek, also aus der direkten Nachbarschaft bezogen wird. Das klingt nicht nur gut, die Wurst schmeckt auch besonders lecker. Später bestelle ich noch einen Cappuccino und ein Stück Pflaumenkuchen. Ich habe ja noch eine lange Zugfahrt vor mir. Während ich genüsslich an der Kaffeetasse nippe, tutet es laut und der Dampfeisbrecher „Elbe“ macht an der Anlegestelle vor dem Elbkantinchen fest. Das ist ein schöner Anblick zum Abschied.

Dampfeisbrecher Elbe

Der Dampfeisbrecher Elbe schippert von Lauenburg herüber und legt hier gerade in Tesperhude an, einem Stadtteil von Geesthacht. Von der Terrasse des Elbkantinchens bietet sich ein schöner Ausblick auf die Anlegestelle. © Foto: Meike Nordmeyer

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Dieser Beitrag wurde gefördert von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Zu der Wochenendtour nach Lauenburg an der Elbe und in die Nachbarstadt Geesthacht bin ich eingeladen worden. Gewohnt habe ich im Rahmen dieser Einladung im Hotel „Zum Alten Schifferhaus“ an der Elbstraße in Lauenburg. Ich schreibe in dem Artikel wie sonst auch über eigene Erlebnisse und Eindrücke. #comeseesh

Mehr Infos zum GeesthachtMuseum!

Eisbrecher Elbe
Infos zu den Ausflugsfahrten des historischen Dampfschiffes

Mein Blogartikel über Lauenburg
Der Elbe so nah in der Schifferstadt Lauenburg

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Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf Geesthacht: Vom Dynamit zum Pflaumenkuchen

  1. Sabine Nagl sagt:

    Sehr informativer Artikel, der Lust macht beim nächsten Mal Hamburg einen Ausflug nach Geesthacht zu unternehmen. Von der Stadt hatte ich bisher noch nichts gehört. Danke dafür!

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