Handgeschnitzter Grusel für die Krampuszeit

Masken für die Krampuszeit

Plötzlich stehe ich im Gruselkabinett – ein Werkstattbesuch bei Holzschnitzer Erwin Leitner in St. Jakob im Defereggental.
© Foto: Meike Nordmeyer

Eigentlich schnitzt Erwin Leitner Krippen oder fertigt Ostereier aus Holz und bemalt sie dekorativ. Er drechselt auch Teller und Schalen oder stellt kleine Dosen aus Holz her. Diese formschönen Dinge sind in seinem kleinen Verkaufsraum an der Hauptstraße in St. Jakob, im Defereggental in Osttirol ausgestellt. Für seine Arbeiten verwendet Leitner das heimische Zirbenholz.

Doch dann gibt es da noch eine andere Seite des Künstlers: Seine Leidenschaft für gruselige Masken. Leitner zeigt mir seine Werkstatt, die auf der anderen Straßenseite liegt und nur wenige Schritte vom Laden entfernt ist. Eine steile Treppe führt hinunter in den Kellerraum. Dort ist es recht ordentlich, das Werkzeug liegt griffbereit auf den Arbeitstischen oder es hängt wohlsortiert an der Wand. Holzspäne liegen am Boden. Alles, wie es sich gehört für eine Holzschnitzer-Werkstatt. Leitner erzählt von seiner Arbeit. Erst nach einiger Zeit sagt er langsam: „Ich kann Ihnen noch etwas zeigen“, und blickt auf eine Tür in der hinteren Wand.

Masken für die Krampuszeit

Von leichenblass bis giftgrün – eine bizarre Sammlung von handgeschnitzten und bemalten Masken für die Krampuszeit. © Foto: Meike Nordmeyer

Er öffnet die Tür, ich trete ein und finde mich in einem Gruselkabinett wieder. Der kleine Raum hängt voll mit übergroßen Masken. Krasse Fratzen mit irrem Blick, mit bleicher oder gar grüner Hautfarbe und blutunterlaufenen Augen starren mich von allen Seiten an. Im ersten Moment habe ich wohl vergessen zu atmen. Ich schnaufe kurz, ziehe dann langsam etwas von der leicht muffigen Luft in diesem speziellen Raum ein. „Ist ja alles nur Holz“, murmele ich – und dann geht’s wieder. Da ist dem braven Schnitzer wirklich eine Überraschung gelungen. Bei seinen Masken setzt er voll auf Drama – gekonnt ausdrucksvoll schnitzt und bemalt er sie. Dicht zusammengedrängt hängen sie in der kleinen Kammer. Es sind mehr als 40 Stück – keine ist wie die andere, aber jede für sich mächtig grässlich.

Der Holzschnitzer bei der Arbeit

Die nächste Krampusmaske entsteht – Holzschnitzer Erwin Leitner bei der Arbeit.
© Foto: Meike Nordmeyer

„Die Masken werden alle benutzt“, sagt Leitner. Er sieht meinen fragenden Blick und erklärt: „Die sind für die Krampuszeit, die beginnt am 30. November und findet ihren Abschluss und Höhepunkt am 6. Dezember, also am Nikolaustag. In dieser Zeit setzen sich die Männer des Dorfes diese Masken auf und hüllen sich in Felle. So ziehen sie dann bei Dunkelheit lärmend durch das Dorf.“ Das wilde Treiben in der Krampuszeit ist ein uralter, archaischer Brauch im Alpenraum. Er ist in vielen Dörfern immer noch lebendig, so auch im Defereggental. Davon habe ich nun also ganz unerwartet einen Eindruck bekommen. Aber eigentlich schnitzt Erwin Leitner Krippen und bemalt hölzerne Ostereier.

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Zu der Reise ins Defereggental in Osttirol bin ich von der Tirol Werbung GmbH eingeladen worden. Gewohnt habe ich im Rahmen dieser Einladung im Hotel Zedernklang in Hopfgarten.

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf Handgeschnitzter Grusel für die Krampuszeit

  1. Ich finde diese Masken total abgefahren! Wollte auch schon immer mal so einen Schnitzer zuschauen… Danke für den Bericht!
    Achja, ich weiß, wo die Späne hingehen… in diese lustigen Kissen, wie ich eins zu Weihnachten erhielt. Riecht sehr waldig ;) Weißte Bescheid :D
    LG Claudi

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