Kunterbunt und stylisch – Marseille vom Hotel Mama Shelter aus erkunden

Cooles Design, entspannte Atmosphäre: Das Mama Shelter ist mein Hoteltipp für einen Städtetrip nach Marseille. Es liegt nah am Cours Julien und bildet damit einen guten Ausgangspunkt für einen Bummel in dem Multi-Kulti-Viertel La Plaine, das mit Streetart übersät ist. Auch zum Stadtzentrum am Alten Hafen ist es nicht weit.

Selfie im Mama Shelter

Gerade erst angekommen im Hotel Mama Shelter Marseille und erstmal ein Selfie schießen – so macht das besonderen Spaß! © Foto: Meike Nordmeyer

Tür auf und Daffy Duck grinst mich von der Seite an. Das ist ja mal ein Empfang! Mit einem Schubs rolle ich den Koffer in mein Zimmer im Hotel Mama Shelter in Marseille. Ein großer Spiegel hängt in dem kleinen Flur und zwei bunte Masken zieren die Wand: Neben Daffy Duck fletscht dort auch der Tasmanian Devil seine Zähne. Für ein paar Sekunden schaue ich verblüfft, dann ist klar, was zu tun ist: erstmal ein Selfie schießen. Schnell bin ich kurz darauf im kostenfreien WLAN des Hotels eingeloggt, und so lade ich rasch mein Daffy-Foto bei Instagram, Twitter und Facebook hoch. Die erste Diensthandlung ist also erledigt. So macht das besonderen Spaß! Nun streife ich endlich die Schuhe von den Füßen und schau mir das Zimmer genauer an.

Zimmer im Mama Shelter Marseille

Mein Zimmer im Hotel Mama Shelter Marseille – klein, aber hell und stylisch. © Foto: Meike Nordmeyer

Der Raum ist klein, wirkt aber nicht beengt, denn er ist gekonnt funktional eingerichtet. Das Bett steht einfach mitten im Raum. Eine Ablagefläche, die gut auch als Schreibtisch zu nutzen ist, befindet sich an der Rückseite des Bettes. Die Wände sind im unverputzten Beton belassen, der Boden gemustert – das Zimmer wirkt hell und stylisch. Gegenüber vom Bett hängt ein großer iMac an der Wand. Darüber kann der Gast vom Bett aus TV schauen oder auch im Großformat im Netz surfen. Achja, und natürlich lässt sich auch die Kamera im Bildschirm des iMacs nutzen, um Selfies zu machen. Die Gäste können sich also auf dem Bett in Pose werfen. Und wer will – eine weitere Maske hängt dazu nebem dem Bett an der Wand bereit: ein lächelnder Schönling, der stark an Barbies Freund Ken erinnert.

Dächer von Marseille

Der Blick aus dem Hotelzimmer zeigt malerische Häuserverschachtelung. © Foto: Meike Nordmeyer

Ich trete hinter dem Bett ans Fenster und ziehe den Vorhang zur Seite. Der Blick geht zum Hinterhof hinaus. Oberhalb sind die Rückseiten von dicht aneinander gedrängten Häusern zu sehen. Helle Brauntöne, teils verwaschen oder verschmutzt, bestimmten das Bild. Dazwischen finden sich auch Wandflächen in mildem Ocker oder Beige. Grüne, blaugraue oder weiße Fensterläden, Schornsteine, an denen sich tapfer dürre Antennen aufrecht halten, klapprig wirkende Dachziegel – ein charmantes altmodisches Ensemble, das sich von den wenigen Satellitenschüsseln nicht stören lässt. Unten ist die Terrasse der Hotelbar zu sehen. In einem dreieckigen Wasserbecken stehen kniehohe Schachfiguren auf ihren Feldern. Gelb-weiß gestreifte Wände säumen das Becken und Blumentöpfe hängen daran. Die Gäste sitzen an orangefarbenen Tischen – all das wirkt frisch und fröhlich. Dort unten will ich mich in ein paar Minuten mit den Reisebloggerinnen Anja von Travelontoast und Elke vom Meerblog treffen. Wir sind gemeinsam auf Tour in der Provence und eben erst hier im Hotel eingecheckt. Also, jetzt blitzschnell ein wenig frisch machen und dann hinunter zu den Kolleginnen.

Als ich auf die Terrasse komme, sitzen Anja und Elke bereits dort, sind in die Karte der Bar vertieft und überlegen, welchen Pastis aus der reichen Auswahl sie zuerst probieren sollen. Mein Posting mit dem Selfie haben sie bereits gesehen und natürlich geliket. „Ein Selfie! Dafür sind die Masken da. Das muss ich auch gleich machen. Ich habe einen Bugs Bunny in meinem Zimmer“, ruft Elke mir begeistert zu.

Innenhof des Mama Shelter

Erfrischend: der bunte Innenhof des Hotel Mama Shelter in Marseille. © Foto: Meike Nordmeyer

Bar im Mama Shelter

Jede Menge Schwimmhilfen leuchten an der Bar im Mama Shelter. Da kann nichts schiefgehen.
© Foto: Meike Nordmeyer

Der große Innenraum, den ich auf dem Weg zur Terrasse durchquert habe, dient zugleich als Bar, Restaurant und Frühstücksraum. Chillige Musik läuft dort am späten Nachmittag. Über der Theke hängt eine lange Stange, auf der knatschbunte aufblasbare Schwimmreifen aufgereiht sind. Im Eingangsbereich an der Rezeption ist mir zuvor eine hölzerne Sitzbank aufgefallen, die mit drei Stühlen verwachsen zu sein scheint. Das raffinierte Möbelstück trägt deutlich die Handschrift von Stardesigner Philippe Starck. Er hat insgesamt das frische, originelle Design der Innenausstattung von Mama Shelter geschaffen. Wer an der schmucklosen, nichtssagend grauen Fassade des Hotelbaus in Marseille vorbeiläuft, wird wohl kaum erahnen, wie stylisch und bunt es dahinter zugeht. Der Kontrast könnte größer kaum sein, denn innen ist das Hotel hinreißend quietsch-schön. Besonders überzeugend ist das in Kombination mit den moderaten Preisen: Ein Einzelzimmer ist in der Nebensaison schon ab 79 Euro zu bekommen. Inzwischen gibt es bereits fünf Hotels von Mama Shelter, neben Marseille auch in Paris, Bordeaux, Lyon und Istanbul.

Zum kreativen Ambiente passt auch die Lage des Hotels in Marseille, das nah am Cours Julien im Viertel La Plaine gelegen ist. Das Multi-Kulti-Viertel weist sich auf einem beleuchteten Schriftzug selbstbewusst als „Quartier des Createurs“ aus. Vom Mama Shelter aus sind es nur wenige Gehminuten bis zum Anfang des Cours, der sich schon bald zu einem größeren Platz hin verbreitert und noch darüber hinaus führt. Eine bunte Mischung an Cafés, Kneipen, Restaurants, Boutiquen, Buchläden, Antiquitätengeschäften und anderen alternativen kleinen Geschäften reiht sich hier aneinander. Wer essen gehen möchte, hat ein Problem. Soll es diesmal portugiesisches, italienisches, türkisches, libanesisches, tunesisches, indisches oder thailändisches Essen sein? Und damit sind noch längst nicht alle Möglichkeiten benannt. Wie soll man sich da entscheiden?

Treppe am Cours Julien

Eine große Treppe führt vom Cours Julien hinunter. Von hier aus ist das Zentrum am Alten Hafen schnell zu Fuß zu erreichen. © Foto: Meike Nordmeyer

Bunt durchmischt und vielgestaltig zeigt sich das Viertel mit seinen unterschiedlichsten Bewohnern. Auch die Wände sind voller Farbe. Denn sie sind übersät mit Graffiti, von einfachen Schmiereien und Tags über die einladende fantasievolle Bemalung von Geschäften und Kneipen bis hin zu freien, anspruchsvollen Streetart-Stücken. An vielen Stellen überlagern sich schon diverse Schichten an den Wänden. Vor allem die vom großen Cours abgehenden Seitenstraßen sind übervoll damit – ein Paradies für alle, die Streetart lieben. Meine Bloggerkollegin Anne-Kathrin ist ebenfalls begeistert von diesem Viertel und nennt es in einem Beitrag in ihrem Camus-Blog treffend „das Kreuzberg von Marseille“. Sie erinnert zudem daran, dass der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus die gesamte Stadt einst als buntscheckig bezeichnet hat –  das ist nach wie vor eine passende Charakterisierung, die sich hier besonders gut nachvollziehen lässt.

Streetart in Marseille

Vielschichtig: Jede Menge Streetart findet sich an den bunten Hauswänden im Viertel um den Cours Julien in Marseille. © Foto: Meike Nordmeyer

Praktisch an der Lage des Mama Shelter in Marseille ist aber auch: Vom Cours Julien aus lässt es sich in knapp 20 Minuten hinunter zum Zentrum rund um den Alten Hafen laufen. Man kann von dort aus direkt die große Treppe nutzen und dann schräg rüber, einfach immer bergab zum Alten Hafen gehen. Doch diesen allzu schnell anzusteuern, wäre viel zu schade. Es lohnt sich, vom Platz weiter über den Cours Julien hinaus zu gehen und sich dann kreuz und quer durch die darunter liegenden Gassen des arabisch geprägten Nouailles-Viertel langsam abwärts treiben zu lassen. In den engen Gassen behaupten sich schmale Stände vor den Läden, auf denen frisches Obst und Gemüse, Fisch oder Fleisch und süße, klebrig-glänzende Naschereien angeboten werden. Gewürzläden verströmen intensive Düfte, Bäckereien lassen den Geruch von frischem Brot in die Gassen wehen. Auch diverse Kramläden haben vollgeladene Auslagen, auf denen sie die gute Seife aus Marseille in allen möglichen Varianten anbieten. Ob auf Basis von Zitrone, Olive, Rose oder Lavendel – es empfiehlt sich, die duftenden Seifenstücke hier für etwa 1,50 Euro das Stück zu kaufen, anstatt unten am Alten Hafen in Souvernirläden zum deutlich höheren Preis.

Upcycling

Kreativ: Upcycling in den Gassen des Nouailles-Viertel von Marseille. © Foto: Meike Nordmeyer

Zwischen dem Gewimmel lässt sich auch hier in den Gassen einiges an Streetart finden und mehrfach auch kreative Upcycling-Objekte. Wenn ich also zuvor schrieb, dass man schnell vom Cour Julien zum Alten Hafen gelaufen ist, dann gilt das nur theoretisch. Ich habe ewig gebraucht, bis ich unten angekommen bin, weil es so viel zu entdecken gab unterwegs. So habe ich bei meinem ersten Aufenthalt in Marseille längst noch nicht genug von der Stadt gesehen und möchte bald wiederkommen.

 

 

Streetart

Fantasievoll: Streetart im Künstlerviertel La Plaine in Marseille.
© Foto: Meike Nordmeyer

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Weitere Infos zum Hotel auf der Webseite von Mama Shelter.

Ein Tipp zudem für alle, die so wie ich im Einzugsgebiet des Düsseldorfer Flughafen wohnen: Germanwings bietet ab Mai 2015 eine Direktverbindung von Düsseldorf nach Marseille an, mit vier Flügen in der Woche. Wie praktisch! Da habe ich gleich schon wieder Lust auf einen Städtetrip dorthin.

Zu der Reise in die Provence mit Aufenthalt in Marseille und einer Übernachtung im Mama Shelter bin ich von Atout France und Marseille Tourisme eingeladen worden.

Mehr über Marseille und Umgebung lesen

Zu Besuch in einer buntscheckigen Stadt, so heißt der Beitrag über Marseille von Anne-Kathrin in ihrem Blog 365 Tage Camus.

Endlich in Marseille, schreibt Elke in ihrem Meerblog.

Marseille in einem Tag – davon erzählt Anja auf ihrem Blog TravelonToast.

Katharina war rund um Marseille unterwegs. Sie berichtet auf ihrem Blog Reiseworld über ihre Tour auf den Spuren des Lavendel und von der Seife aus Marseille.

Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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7 Antworten auf Kunterbunt und stylisch – Marseille vom Hotel Mama Shelter aus erkunden

  1. Elke sagt:

    Danke, liebe Meike!
    Und ich hätte auch gleich wieder Lust auf Marseille. ;-)
    Liebe Grüße aus dem grauen Nordfriesland,
    Elke

  2. Pingback: Auf den Spuren des Lavendel - ReiseWorldReiseWorld

  3. Liebe Meike, sehr schön beschrieben! Ich habe bei meinem zweiten Besuch in Marseille im vergangenen Dezember auch im Mama Shelter gewohnt – es ist exakt so, wie du es beschreibst, und ich kann es auch nur empfehlen! Nachdem ich auf dem Rückflug über Nacht in Frankfurt gestrandet bin, weil der Anschlussflug weg war, freue ich mich schon auf die Direktverbindung, denn Marseille ist auf jeden Fall einen weiteren Besuch wert! Herzliche Grüße, Anne-Kathrin

  4. Jutta sagt:

    Witzig, gerade gestern erst haben wir über Marseille gesprochen. Ich war nämlich noch nie dort und möchte gerne hin. Da kommt der Germanwings-Flug ab Düsseldorf gerade richtig! Und das Hotel würde mir auch sehr gut gefallen : ) Sonnige Grüße, Jutta

  5. Britta Schmidt sagt:

    Toller Text! Da möchte man am liebsten gleich die Sachen packen und los. Mama Shelter ist in meine Sammlung von Unterkünften aufgenommen!
    Britta

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