Inselhopping: Tagesausflug von Malta nach Gozo

Einfahrt in den Hafen von Gozo

Die Fähre kommt aus Malta und steuert den Hafen der Nachbarinsel Gozo an. © Foto: Meike Nordmeyer

Kleine weiße Schaumkronen zieren das dunkelblaue Wasser. Unbeirrt vom Seegang an diesem stürmischen Tag im Oktober legt die Fähre in Malta ab, nimmt Kurs auf die Nachbarinsel Gozo und schaukelt über das Meer. Der Wind pustet den Passagieren, die am Bug der Fähre stehen, kräftig entgegen. Dennoch harren viele dort aus, denn es ist der beste Platz, um zu beobachten, wie sich das Schiff dem Hafenort Mgarr auf Gozo nähert und wie sich immer deutlicher die sandfarbenen und weißen Gebäude erkennen lassen, die sich dort den Hang hinaufziehen.

Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke zu und versuche die Kamera ruhig zu halten – gar nicht so einfach bei Wind und Seegang. Auf halber Strecke zieht das Fährschiff an Comino vorbei. Die kleine Insel liegt zwischen Malta und Gozo und gehört mit ihnen zum Archipel, das den Staat Malta bildet. Comino vorgelagert liegt die noch kleinere Insel Cominetto. Gemeinsam mit einigen Felsen, die einzeln aus dem Wasser ragen, bilden die Inseln zwischen sich eine blaue Lagune. Im Vorbeifahren kann man diese nur erahnen, wenn zwischen den Felsen ein wenig von dem hellblau und smaragdgrün funkelnden Wasser hervorblitzt. Die Lagune ist ein eigenes, sehr beliebtes Ausflugsziel von Malta aus.

Doch die Fähre zieht schnell vorüber an Comino und Cominetto und erreicht schon nach etwa 25 Minuten Fahrt den Hafen im Südosten von Gozo. Tagsüber fährt das Schiff alle 45 Minuten nach Gozo. Die Hin- und Rückfahrt kostet als Fußgänger nur 4,65 Euro. So bietet die Verbindung eine schnelle und günstige Möglichkeit zum Inselhopping, ideal für einen Tagesausflug nach Gozo.

Der Hafen von Mgarr liegt gut geschützt, keine Schaumkrone ist da mehr auf dem Wasser zu sehen. Neben weißen Segelbooten finden sich dort auch einige der typischen Fischerboote, die farbenfroh vor allem in Himmelblau und Gelb gestrichen sind. Unweit vom Fährtermininal warten schon fünf weiße Jeeps auf unsere Reisegruppe. Mit denen werden wir bis zum Nachmittag die Insel erkunden. Ich steige in den ersten Wagen der Kolonne ein. Der Fahrer heißt Louis und begrüßt seine fünf Mitfahrer mit verschmitztem Lächeln. Vom Fahrersitz aus dreht er sich noch einmal um, schaut kurz, ob alle gut sitzen und dann saust er los. Sobald wird den Hafenbereich verlassen haben, geht es bergauf. Louis gibt kräftig Gas, sodass wir den anderen Jeeps schon bald mit einem deutlichen Abstand voraus sind. Doch wir fahren nicht lange, da gibt es schon den ersten Stopp an einer Aussichtsterrasse. Von dort geht der Blick weit über das Archipel, zurück auf Comino mit Cominetto, und dahinter ist auch Malta zu sehen. Ein großartiger Ausblick zum Auftakt der Inseltour!

Blick auf Comino und Malta

Blick von Gozo zurück auf Comino mit Cominetto, und dahinter ist auch Malta zu sehen.
© Foto: Meike Nordmeyer

Weiter führt die Tour von daaus in den Westen der Insel. Die nächste Station bildet der Küstenabschnitt mit den Klippen, zu denen bis Anfang März 2017 noch das berühmte Felsentor, das „Blaue Fenster“, gehörte, das viele Touristen angelockt hat. Doch bei einem heftigen Unwetter im Frühjahr haben Wind und Wellen es zerschmettert. So ist es eingestürzt und im Meer versunken. Dort wo auf dem Foto die Welle vor den Felsen schlägt und die Gischt schäumt, da ist oberhalb noch ein kleines Stück des Bogens zu sehen, der sich über das Meer spannte. Doch auch ohne Felsentor – lohnend ist der Stopp an dieser markanten Stelle trotzdem. Gerade an einem Tag wie diesem, an dem bei klarem Himmel und tiefblauem Meer die Brandung mit Getöse gegen die Felsen schlägt. Das lässt die Kräfte für einen Moment erahnen, mit denen Wind und Wellen im Laufe der Jahrhunderte ein Tor in den Fels fräsen und es irgendwann auch wieder einstürzen lassen.

Wo das Felsentor stand

Hier stand bis Frühjahr 2017 das berühmte Felsentor von Gozo, bevor Wind und Wellen es zerschmettert haben und es im Meer versank. © Foto: Meike Nordmeyer

Auf den sonnenbeschienenen Felsen möchte ich noch lange stehen, auf die Brandung schauen und dem Getöse der Wellen zuhören. Doch nach nur kurzer Zeit geht es schon wieder weiter. Kaum sitzen wir in unserem Jeep, gibt Louis wieder Gas. Er schaut in den Rückspiegel und scheint zufrieden. Denn er hat die vier anderen Wagen sogleich ein gutes Stück hinter uns gelassen. Für mich bietet das die Gelegenheit, ein Foto von den hinter uns aufgereihten Jeeps zu machen. Ich hätte sie gerne noch ein bisschen näher im Bild gehabt. Aber mir wird klar, dass es bei diesem Ausflug nicht passieren wird, also nutze ich die Gelegenheit, so wie sie ist, und drücke auf den Auslöser.

Jeeps unterwegs

Auf einer Jeeptour die Insel Gozo kennenlernen – ein tolles Erlebnis! Das Bild ist während der Fahrt aus dem ersten Jeep aufgenommen beim Blick auf die folgenden Wagen. © Foto: Meike Nordmeyer

Doch natürlich ist auch Zeit für einige Fotostopps unterwegs. Hinter einer Kurve hält Louis an, deutet die Felsen hinunter, wir stehen auf und knipsen aus dem Wagen heraus. Ein anderer Jeep unserere Gruppe überholt uns und steht nun vor uns. So kann ich bequem ein Foto von diesem Kollegen im Einsatz machen. Und was haben wir da alle fotografiert? Es sind die Salzpfannen im Norden von Gozo, die einst von den Römern in den Kalk-Sandstein direkt am Meer gehauen wurden. Noch heute werden diese Becken zur Salzgewinnung in den heißen Sommermonaten genutzt.

Fotostopp mit dem Jeep

Die Jeeptour bietet fantastische Ausblicke auf die Insel und das Meer. Da sind auch viele Fotostopps dabei.
© Foto: Meike Nordmeyer

Salzpfannen

Der Fotostopp bietet einen guten Blick auf die Salzpfannen von Gozo. Eine Welle spült gerade frisches Meerwasser in die Becken. © Foto: Meike Nordmeyer

„Ready?“, ruft unser Fahrer. Er ist natürlich ungeduldig, denn er will mit seinem Jeep rasch wieder seine Position an der Spitze einnehmen und düst deswegen als erster weiter. Wir fahren durch kleine Ortschaften mit riesigen Kirchen. An den honigfarbenen Kalksteinfassaden der Häuser sind die schönen traditionellen Holzbalkone angebracht, die in leuchtendem Rot, in Himmelblau oder Tannengrün gestrichen sind – so wie es auch auf Malta zu bewundern ist. Ein Bummel durch einen dieser Orte wäre jetzt schön. Doch wir sausen leider nur durch, da wir noch viel Programm vor uns haben.

Wir steuern jetzt die Zitadelle von Gozo an, die oberhalb von der Insel-Hauptstadt Victoria thront. Der Hügel und erste Bauten darauf wurde wohl schon in der Bronzezeit um 1500 v. Chr. befestigt. Der heute gute erhaltene Gebäudekomplex geht zurück auf das Spätmittelalter. Die Anlage ist riesengroß, weitläufig und verwinkelt zugleich und wird von den Einheimischen auch als „die Stadt“ bezeichnet. Während die unterhalb der Zitadelle liegende Hauptstadt Victoria mit altem Namen Rabat genannt wird, was so viel wie Vorstadt heißt. Erst kürztlich hat die Zitadelle eine mehrjährige Renovierung hinter sich und ist seit Herbst 2016 wieder komplett für Besucher zugänglich. So präsentiert sich das ehrwürdige Gemäuer im besten Zustand als eine beeindruckende, die Jahrhunderte überdauernde Architektur.

Die Zitadelle auf Gozo

Zeitlos: Die Zitadelle, die auf einem Berg oberhalb der Hauptstadt Victoria thront. © Foto: Meike Nordmeyer

Zitadelle von Gozo

Durchblick: Ein Tor der Zitadelle bietet einen fantastischen Ausblick. © Foto: Meike Nordmeyer

Zitadelle auf Gozo

Ausblick von der Zitadelle auf die Inselhauptstadt Victoria. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Zitadelle ist durch ihre erhöhte Position auf einem Hügel weithin zu sehen auf Gozo. Auch die Ausblicke von dem alten Gemäuer sind atemberaubend. Von dort oben bietet sich ein Blick auf Victoria und weit darüber hinaus auf das Umland der Insel-Hauptstadt.

Platte mit Tomaten, Käse, Oliven, Kapern

Traditionelle Platte mit handgeschöpftem Schafskäse, die im Restaurant Ta‘ Rikardu in der Zitadelle auf Gozo serviert wird. © Foto: Meike Nordmeyer

Nach all den Erlebnissen und spektakulären Ausblicken ist nun Zeit fürs Mittagessen. Wir laufen durch einen der schmalen Gänge innerhalb der Zitadelle und treten dort durch einen unscheinbaren Eingang in das kleine Restaurant Ta‘ Rikardu ein, das dort schon seit mehr als 30 Jahren besteht. Das Restaurant hat mehr den Charakter einer Taverne mit einfachen Holztischen und schönem Gewölbe in der unteren Etage. Wir steigen die schmale Treppe hoch in die obere Ebene, wo wir umgeben von dicken Mauern an den Holztischen platznehmen. Serviert wird eine „Traditionelle Platte“, ein Teller mit handgeschöpftem Schafskäse, eine Spezialität des Hauses, die Wirt Rikardu regelmäßig frisch herstellt. Dazu gibt es noch zwei weitere Käsesorten der Insel, zudem frische und getrocknete Tomaten, Kapern, Oliven und Zwiebeln. Ich gebe Olivenöl, Pfeffer und Salz darüber und genieße die so einfache, aber herrlich aromatische Kombination zu einem Glas Weißwein, einem einfachen, etwas ruppigen Landwein von der Insel. Danach folgt als weiterer Gang ein Teller mit drei großen Ravioli. Diese sind mit Käse gefüllt und mit etwas Tomatensoße bedeckt, die kräftig mit Knoblauch gewürzt ist. Was für ein vortreffliches Mittagessen! Ich inspiziere die Speisekarte, die wohltuend konzentriert auf einige wenige ursprüngliche Gerichte dieser Art ist und dazu günstige Preise auflistet. Wer die Zitadelle auf Gozo besucht, sollte auf keinen Fall versäumen, bei Rikardu einzukehren. Das Restaurant ist der perfekte Ort für eine Mittagspause in dem alten Gemäuer.

Ġgantija-Tempel auf Gozo

Ggantija-Tempel auf Gozo – die geschichteten Steine sehen unscheinbar aus, sind es aber nicht. Die Tempel gehören zu den ältesten, noch halbwegs erhaltenen, freistehenden Gebäuden der Welt.
© Foto: Meike Nordmeyer

Gestärkt von diesem wunderbar rustikalen Mahl geht es zurück zu den Jeeps und zur letzten Etappe unserer Tour. Die führt noch weiter zurück in die Geschichte. Denn die Zitadelle war noch längst nicht das älteste Gemäuer, das es auf der Insel zu besichtigen gibt. Nun steht ein Besuch bei den Ggantija-Tempeln an. Der Komplex besteht aus zwei zusammengebauten Tempeln. Sie gehören zu den ältesten, noch halbwegs erhaltenen, freistehenden Gebäuden der Welt. Entstanden sind sie zwischen 3.600 und 3.200 v. Chr – und damit wurden sie noch vor dem berühmten Stonehenge errichtet. Der Name Ggantija stammt von dem Wort ggant, das ist maltesisch für Riese. Denn die Gozitaner glaubten, dass die Tempel von Riesen erbaut wurden. Auf die Idee kann man kommen, wenn man die Größe der Kalksteinblöcke sieht, aus denen sie zusammengefügt wurden. Einige dieser Megalithen haben mehr als fünf Meter Länge und wiegen mehr als 5 Tonnen.

Die Ggantija-Tempel von Gozo wurden 1980 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Heute empfängt ein Besucherzentrum mit einem kleinen, interessanten Museum die Gäste. Wir waren nur kurz dort. Doch es ist sehr beeindruckend, vor diesen uralten gigantischen Felsen zu stehen. Das Foto oben zeigt die Rückseite der Tempel, auf der anderen Seite können die Besucher auch noch in das erhaltene Halbrund eintreten und so ein wenig vom Tempelinneren sehen und erahnen. Es würde sich lohnen, sich mehr Zeit zu nehmen und auch das Museum in aller Ruhe anzuschauen, so denke ich, als wir schon bald wieder zurück zu den Jeeps laufen.

Blick zurück auf Gozo

Blick zurück auf Gozo nach einem erlebnisreichen Tagesausflug auf die Insel. © Foto: Meike Nordmeyer

Mehr Zeit ist ohnehin das Stichwort – die Jeeptour ist die perfekte Schnuppertour auf Gozo, die nicht nur bei mir die Sehnsucht ausgelöst hat, zurückzukehren und auf dieser schönen Insel länger zu bleiben. Denn dort geht es viel ruhiger zu als auf Malta, die Orte sind kleiner, die hügelige Landschaft mit Weinbergen, Olivenbäumen, Feldern, dazu Klippen, kleinen Buchten und Badestränden ist viel ursprünglicher und freier gegenüber dem an vielen Stellen dicht bebauten Malta. Gerne möchte ich nochmal wiederkommen und dann das Ganze einfach umdrehen: Mich auf Gozo für eine zeitlang einquartieren und dann mit der Fähre zu Tagesausflügen nach Malta fahren. Denn auch dort gibt es noch viel zu sehen. Doch nun geht es wieder zurück nach Deutschland. Der Flug von Malta nach Frankfurt steht schon am nächsten Tag an. Auf diesem gibt es dann aber noch ein extra Bonbon: der fantastische Blick von meinem Fensterplatz aus auf die Insel Gozo – unvergesslich!

Gozo von oben

Die Insel Gozo vom Flugzeug aus gesehen © Foto: Meike Nordmeyer

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Ich bin von Thomas Cook Signature und Neckermann Reisen zu einer kurzen Reise nach Malta eingeladen worden. Diese umfasste auch den Tagesausflug nach Gozo. Gewohnt habe ich im Rahmen dieser Reise im Hotel Dolmen Resort in St. Paul’s Bay auf Malta.

Bei einer Reise nach Malta mit Neckermann Reisen lassen sich schon vorab verschiedene Ausflugspakete buchen, die auch unter anderem einen Tagesausflug nach Gozo beinhalten.

Fährverbindung nach Gozo
Die Fähre „Gozo Channel Line“ fährt vom Hafen Cirkewwa vom Nordwesten von Malta zum Hafen von Mgarr im Südosten von Gozo. Tagsüber fährt sie alle 45 Minuten, ab 21 Uhr in etwas größeren Abständen, aber die ganze Nacht hindurch mindestens im Zweitstunden-Takt. Die Fahrzeit beträgt rund 25 Minuten. Ein Ticket für einen Fußgänger für die Hin- und Rückfahrt kostet 4,65 Euro, für ein Auto mit Fahrer 15,70 Euro (Stand der Infos Dezember 2017). Mehr Infos zu Fahrzeiten und Preisen

Jeeptouren und andere Aktivitäten lassen sich beispielsweise bei Gozo Pride Tours buchen.

Noch ein Tipp für ein schönes Inselhopping:
Porto Santo und Madeira – traumhafte Kombi

Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.

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Ein Kommentar zu Inselhopping: Tagesausflug von Malta nach Gozo

  1. Sabine Nagl sagt:

    Sehnsuchts-Artikel! Da möchte ich auch mal hin. :-)

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