Küsschen in Doberlug

Schloss Doberlug in Brandenburg

Schneeweiß, weil frisch restauriert: Schloss Doberlug im Landkreis Elbe-Elster im Süden von Brandenburg. © Foto: Meike Nordmeyer

Rote Herzen aus glänzender Folie liegen auf den hellgrauen Pflastersteinen vor dem Schloss von Doberlug. Ein kleines Mädchen hockt am Boden und sammelt das dekorative Wurfmaterial ein. Es streicht jedes einzelne Herzchen glatt, wischt sorgsam den Dreck ab und legt es vorsichtig in seinen orangefarbenen Strohhut. Ganz versunken ist die kleine Sammlerin in ihre Tätigkeit. Die Hochzeitsgesellschaft ist längst weitergezogen. Erst in der Klosterkirche heiraten, dann vor dem frisch restaurierten, leuchtend weißen Schloss posieren, das Brautpaar hat sich mit Doberlug einen besonders schönen Ort zum Heiraten ausgesucht. Küsschen, Küsschen und strahlendes Lächeln – vor dem Schloss machen sich die Hochzeitfotos besonders gut. Nur die Sonne verweigert ihren Glanz. Doch obwohl er dicht bewölkt ist, leuchtet der Himmel diffus an diesem Sommertag und sorgt so für ein wirkungsvolles, leicht bläuliches Licht.

Die Klosterkirche in Doberlug

Die Klosterkirche in Doberlug – von außen zeigt sie sich schlicht, innen sind viele Verzierungen zu entdecken. © Foto: Meike Nordmeyer

Wart ihr schon mal in Doberlug-Kirchhain. Nein? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Und ich gebe es zu, ich habe auch noch nie von diesem Ort im Landkreis Elbe-Elster in der Niederlausitzer Heidelandschaft im Süden von Brandenburg gehört. Aber nun kann ich sagen, ein Ausflug dorthin lohnt sich, vor allem, wenn ihr diesen bis zum 2. November unternehmt. Denn bis dahin ist im Schloss die erste Brandenburgische Landesausstellung zu besichtigen. Ich bin von Potsdam aus dorthin gefahren. Die Entfernung beträgt rund 130 Kilometer, mit dem Auto braucht man etwa zwei Stunden dafür.

Das Schloss von Doberlug ist einer der letzten größeren sächsischen Schlossbauten der Renaissance mit frühbarockem Einfluss, 1676 wurde es fertiggestellt. So infomiert der Förderverein Schloss Doberlug e.V. auf seiner Webseite über das bedeutende Bauwerk. Seit den 1990er Jahren wurde das Schloss aufwändig saniert und ist mit der Landesausstellung nun erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. In unmittelbarer Nähe dazu steht die Kirche des ehemaligen Klosters Dobrilugk, eine spätromanische Backstein-Basilika, und daneben das Refektorium. Beide Gebäude sind ebenfalls gut restauriert.

Der Innenraum der Kirche wirkt durch den roten Backstein und die weiß verputzen Wandflächen hell und frisch. Viel Licht dringt durch die Fenster mit ihren Bleiverglasungen. Mir sind vor allem die vielen aufwändig gestalteten Inschriften an den Wänden aufgefallen. Sie künden von der Geschichte des Klosters und der Region und sind von entsprechenden Wappen eingerahmt. Auch auf den Rückseiten der Holzbänke finden sich Textstücke, dort sind besinnliche religiöse Sprüche dekorativ angebracht. Schöne Verzierungen weisen auch die Tür zur Sakristei und die hölzerne Wendeltreppe in diesem Nebenraum auf. Als zentrales Kunstwerk beherbergt die Kirche einen spätgotischen Flügelaltar aus dem 16. Jahrhundert. Eine intensive Atmosphäre herrscht in dem alten Gebäude – also unbedingt einen Blick hineinwerfen!

Streetart in Doberlug

Der alte Fritz an die Wand gesprüht – Streetart in Doberlug passend zur Landesausstellung. © Foto: Meike Nordmeyer

Wer dann zur Ausstellung ins Schloss geht, trifft wieder auf einen bedeutungsvollen Knutscher. „Wo Preußen Sachsen küsst“, ist dort in Pink zu lesen. So lautet der verbindende Slogan für die Landesausstellung und die zugehörigen Veranstaltungen zu dem übergreifenden Thema der preußisch-sächsischen Geschichte. Die Landesausstellung selbst gibt sich dagegen etwas nüchterner und präsentiert sich unter dem Titel „Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft“. Die Schau ist informativ und lehrreich, dabei frisch und ansprechend in sieben Szenen aufbereitet. In diesen konzentriert sie sich auf die Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Über Jahrhunderte hinweg bestand zwischen Preußen und Sachsen eine gute Nachbarschaft, geprägt von wirtschaftlichem und kulturellem Austausch. Es herrschte längst nicht nur Rivalität und Krieg. Die Ausstellung erzählt also nicht nur vom Gegeneinander, sondern vor allem auch vom Miteinander der beiden Länder.

Anlass für die Landesausstellung ist der 200. Jahrestag des Wiener Kongresses von 1814/1815, der Europa nach den napoleonischen Kriegen neu ordnete. In seiner Folge fielen fast zwei Drittel des sächsischen Territoriums an Preußen, darunter auch das heutige südliche Brandenburg mit der Niederlausitz. Die dort lebenden Menschen wurden damit von einem Tag zum anderen von Sachsen zu Preußen gemacht. Schloss Doberlug fungiert in diesem Zusammenhang als ein markanter Erinnerungsort und steht stellvertretend für den Übergang dieser Landesteile an das Königreich Preußen. Es bildet damit einen passenden Schauplatz der Landesausstellung. Diese bietet nun eine gute Gelegenheit, einen Ausflug in die Niederlausitz zu unternehmen, die Anlage mit Schloss und Klosterkirche zu besuchen und im frisch restaurierten Zustand kennenzulernen.

Doberluger Küsse

Eigens zur Landesausstellung kreiert: die Spezialität Doberluger Küsse.
© Foto Meike Nordmeyer

Einen kleinen Shop zur Ausstellung gibt es natürlich auch. Dort können die Besucher den umfangreichen Katalog zur Schau erwerben und weiteres Informationsmaterial. Mein Tipp lautet zudem: Auch hier wieder auf das Thema Küsschen achten. Denn eigens für die Ausstellung und das Begleitprogramm wurde eine passende Spezialität kreiert: Die Doberluger Küsse – so der verheißungsvolle Name der Haselnuss-Mandelmakronen mit Himbeerfüllung, die mit weißer Schokolade überzogen sind. Die Schmatzer sind empfehlenswert, zum Beispiel zum Selbernaschen auf der Rückfahrt oder als Mitbringsel. Mit seinen diversen Küssen bleibt Doberlug auf jeden Fall in Erinnerung.

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„Preußen und Sachsen –Szenen einer Nachbarschaft“, so der Titel der ersten Brandenburgischen Landesausstellung. Diese ist noch bis zum 2. November im Schloss Doberlug zu sehen. Unter dem Slogan „Wo Preußen Sachsen küsst“ wird die Landesausstellung von zahlreichen Veranstaltungen zu Facetten der preußisch-sächsischen Geschichte begleitet. Weitere Infos zu Ausstellung und Begleitprogramm:
www.brandenburgische-landesausstellung.de

Von Berlin aus können Besucher mit dem RE3 nach Doberlug-Kirchhain fahren. Der RE3 fährt mindestens alle 2 Stunden, Reisedauer ist etwa 2 Stunden. Allerdings finden bis Ausstellungsende Anfang November auf der Strecke zeitweise Bauarbeiten statt, sodass der Schienenersatzverkehr genutzt werden muss. Nähere Infos dazu gibt es auf der Webseite der Landesausstellung. Vom Bahnhof Doberlug-Kirchhain zum Schloss Doberlug verkehrt ein Bus-Shuttle, Linie 571.

Ich bin von Brandenburg Tourismus zu einem Aufenthalt in Potsdam eingeladen worden. Dazu gehörte auch der Tagesausflug nach Doberlug. Im Rahmen dieser Einladung habe ich in Potsdam im Hotel am Großen Waisenhaus an der Lindenstraße gewohnt.

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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