Der Elbe so nah in der Schifferstadt Lauenburg

Altstadt von Lauenburg

Prächtig verzierte Fachwerkhäuser reihen sich in der Altstadt von Lauenburg aneinander.
© Foto: Meike Nordmeyer

Bunte Holztür in Lauenburg

Farbenfroh schmückt diese Tür das „Fährleutehaus“ in Lauenburg. © Foto: Meike Nordmeyer

Werbung – dieser Artikel wurde gefördert von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein.

Meinen Koffer lasse ich einfach vor dem Hotel stehen und gehe ein paar Schritte weiter. Ich will schnell um die nächste Straßenecke schauen, denn die Altstadt von Lauenburg an der Elbe ist so schön mit ihren farbig verzierten Fachwerkhäusern und Backsteingebäuden, den bunten Holztüren und den vielen Blumen vor den Fenstern und an den Hauseingängen. Schnell schieße ich ein paar Fotos, denn jetzt scheint gerade noch die Abendsonne. Gleich wird es wohl wieder regnen.

Direkt an der Elbe entlang reiht sich hier ein schmuckes altes Gebäude an das andere. Die Fachwerkhäuser stammen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Es zieht mich immer weiter an den Fassaden entlang. Doch dann fällt mir der Koffer wieder ein, und ich laufe zu meinem Hotel „Zum Alten Schifferhaus“ zurück. Ich checke rasch ein und bekomme den Schlüssel für ein Zimmer, das in einem Gebäude auf der anderen Straßenseite liegt, denn zum Hotel gehören noch mehrere alte Häuser in direkter Nachbarschaft. Ich schaue herüber. An der Fassade steht der Name des Domizils: Fährleutehaus. Von der bunten gestrichenen alten Holztür des Gebäudes muss ich natürlich erstmal ein Foto machen. Dann schnappe ich endlich meinen Koffer und trage ihn in mein Zimmer im ersten Stock.

Blick auf die Elbe

Weite Wasserfläche – Blick auf die Elbe am Abend. Im Vordergrund ist die Abzweigung des Elbe-Lübeck-Kanals zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

Als ich kurz darauf zum Abendessen zurück in das Haupthaus des Hotels gehe, hat sich die Sonne schon hinter dicken Wolken verzogen. Beim Eintreten höre ich ein Akkordeon spielen. Fröhliches Stimmengewirr dringt aus der alten Wirtsstube. Dort hat sich eine Gesellschaft zum Feiern zusammengefunden. Ich gehe daran vorbei in die hinteren Räumlichkeiten des Restaurants, wo ich einen Platz mit Ausblick aufs Wasser finde. Das Hotel steht leicht erhöht am Flussufer, dort bin ich der Elbe ganz nah. Die dunklen Wolken drängen sich mittlerweile dicht zusammen, doch sie werden noch im Hintergrund von der Sonne beleuchtet. Ein betörendes graublaues Licht breitet sich in der Landschaft aus. Direkt vor dem Hotel zweigt der Elbe-Lübeck-Kanal vom Hauptstrom ab. So fällt mein Blick auf eine weite Wasserfläche. Ein Frachtschiff zieht langsam am Fenster vorbei. Aus dem Hintergrund erklingen Seemanslieder, die Gäste singen jetzt mit kräftigen Stimmen zum Akkordeon. Ich bestelle Scholle Finkenwerder Art und bekomme einen riesigen Fisch mit kleinen Speckwürfeln darauf serviert. Mit meiner Ankunft in Lauenburg fühle ich mich in eine andere Welt versetzt, an einen Ort, der vom Leben an der Elbe und von der Schifffahrt geprägt ist und mich in eine ganz eigene Atmosphäre eintauchen lässt.

Am nächsten Vormittag werde ich noch viel über diese Welt lernen. Denn dann steht der Besuch des Elbschifffahrtsmuseum auf dem Programm. Das Museum bietet die größte binnenschifffahrtgeschichtliche Sammlung in Norddeutschland und an der gesamten Elbe, wie mir dort stolz erklärt wird. Ich gebe zu, dass mich schon die Konstruktion „binnenschifffahrtgeschichtlich“ sehr beeindruckt, ein Wort wie ein langes, vollbeladenes Frachtschiff.

Im Elbschifffahrtsmuseum

„Die Elbe boomt“ – auch über den Ausbau der Elbe ab 1845 und das folgende „Goldene Verkehrszeitalter der Elbe“ informiert die Ausstellung im Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg. © Foto: Meike Nordmeyer

Vor zwei Jahren ist die Ausstellung neu konzipiert und gestaltet worden. Das Museum präsentiert jetzt eine ebenso lehrreiche wie spannende, interaktive Schau. Vom archaischen Einbaum über verschiedene Dampfschiffe bis hin zu modernen Containerfrachtern auch im großen Schubverband sind verschiedene Schiffstypen als Modelle zu sehen. Im Kellergeschoss ist zudem eine große Sammlung von Dampfmaschinen und Dieselmotoren unterschiedlicher Bauarten aufgestellt und auch teilweise in Funktion zu erleben.

im Elbschifffahrtsmuseum

Die Elbe in alten Zeiten – ich stehe im Elbschifffahrtsmuseum mitten in der Flusslandschaft.
© Foto: Meike Nordmeyer

Doch die Themen im Museum sind nicht nur der Schiffsbau, also die Fahrzeugtypen und Motoren, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, sondern vor allem auch die Menschen, die damals wie heute an der Elbe mit und von der Schifffahrt leben. Es geht darum, wie sie von der Schifffahrt profitierten, aber auch immer wieder unter extremen Hoch- oder Niedrigwasser gelitten haben. Ich lerne, dass die Elbe als Naturfluss teilweise sehr wenig Wasser und eine geringe Fließgeschwindigkeit aufwies, dafür führte sie um so mehr Sedimente mit sich. Es bildeten sich immer wieder für die Schifffahrt hinderliche und auch gefährliche Untiefen und Sandbänke. Die Schiffe auf der Elbe mussten daher zu früheren Zeiten sehr flachbodig sein.

Ab 1845 begann der umfassende Ausbau der Elbe. Dieser bewirkte zunächst eine Wassertiefe von rund 96 Zentimetern, was ein bedeutender Fortschritt war. Heute beträgt die durchschnittliche Wassertiefe 1,60 Meter. Der Ausbau brachte die Schifffahrt enorm voran. „Die Elbe boomt“, heißt es dementsprechend in einem Ausstellungsraum, der über das daraufhin einsetzende „Goldene Verkehrszeitalter der Elbe“ informiert. Ach ja, und in einem anderen Raum lerne ich dann auch noch das schöne Wort „Treckbüdel“. Das ist eine Bezeichnung für das Akkordeon, das ich schon am Abend zuvor im echten Einsatz in der Wirtsstube zu hören bekam. An Bord ist das Instrument ebenfalls sehr beliebt, nicht ohne Grund heißt es auch Schiffersklavier. Die vielfältige Ausstellung thematisiert ausführlich auch das tägliche Leben an Bord, zeigt was zur Arbeit und zur Freizeit der Schiffer gehört, wie eben der Treckbüdel. So bringt das Museum dem Besucher die Elbe und die Binnenschifffahrt auf anschauliche Weise sehr viel näher.

Lauenburg-Torte

Im „Café von Herzen“ gibt es Lauenburg-Torte, kreiert in den Stadtfarben.
© Foto: Meike Nordmeyer

Nach einem ausgiebigen Museumsbesuch ist der Kaffeedurst besonders schön. Denn dann hat man sich ein Stück Kuchen dazu redlich verdient. Ich kehre in das „Café vom Herzen“ an der Elbstraße, unweit vom Museum ein. Die Wahl der Nascherei fällt mir nicht schwer. Denn natürlich muss ich die Lauenburger Torte probieren. Diese ist laut Auskunft in der Karte mit Eierlikör, Kirschen, Sahne und dunklem Biskuit in den Stadtfarben gestaltet. Also Schwarzwälder Kirschtorte in der Lauenburger Version – eine köstliche Herausforderung! Und auch hier im Café sitze ich mit Blick auf die Elbe. Ein Schiffshorn tutet und kurz darauf zieht der historische Dampfeisbrecher „Elbe“ mit seinem großen gelben Schornstein vorbei. Das im Jahr 1911 erbaute Dampfschiff ist in der Zeit von Mai bis Oktober an den Wochenenden zu Ausflugsfahrten zwischen Lauenburg und der Nachbarstadt Geesthacht unterwegs. Während ich die Kuchengabel langsam in die fluffige Lauenburger Torte drücke, sinniere ich darüber, dass man in dem Café vielleicht auch einen Dampfeisbecher als Spezialität anbieten sollte. Als Variante von Donauwellen würden sich auch Elbwellen ganz gut machen. Die Torte in den Stadtfarben regt offenbar meine Fantasie an.

Als ich aus dem Café komme und ein wenig weiterbummele, höre ich Musik in der Elbstraße. Liedermacher Fritz Hagenow steht mit seiner Gitarre vor dem Café Elbgeist und erzählt und singt launig von dem Verlust seines knatschroten Motorrollers Mike. Mit seinem Auftritt gehört er zur „Kletter Kultur“, einem Veranstaltungsprogramm am Nachmittag und Abend, das an diesem Samstag zum ersten Mal stattfindet. Aber warum ist die Kultur zum Klettern? Das ist leicht erklärt: Lauenburg zeichnet sich nicht nur durch seine langgestreckte Altstadt direkt am Ufer des Stroms aus. Die Stadt zieht sich über den Elbhang hinweg und setzt sich oberhalb davon mit dem sogenannten Schlossberg und der Neustadt fort. Dazwischen liegen viele Treppenstufen, natürlich führen auch Wege und Straßen nach oben. Die Kletter Kultur verbindet Ober- und Unterstadt mit einem Programm, das die Besucher treppauf und treppab zu verschiedenen Konzerten, Lesungen und beispielsweise auch zu einer Vernissage im Künstlerhaus führt. In dem Künstlerhaus unten an der Elbe schaue ich kurz vorbei, und dann geht’s für mich die vielen Treppen hinauf.

Der Askanierblick

Der Askanierblick in der Oberstadt von Lauenburg. Dort können die Besucher vom südlichsten Punkt Schleswig-Holsteins nach Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen hinüberschauen. Der Aussichtspunkt wurde nach dem deutschen Uradelsgeschlecht der Askanier benannt, das zum ältesten regierenden Hochadel gehörte und dem eine bedeutende Rolle für die Landesgeschichte der heutigen Bundesländer Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zukommt. Und ja, die Fahnenstange steht hier für schöne Panoramafotos sehr ungeschickt mitten im Weg. © Foto: Meike Nordmeyer

Ein Ausflug nach oben lohnt sich nicht nur für das Kulturprogramm. Im oberen Teil der Stadt findet sich nah am Elbhang ein Wahrzeichen der Stadt: der aus Backstein gebaute runde Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, der sich als das einziges Überbleibsel des Lauenburger Schlosses noch behauptet. In seiner Nachbarschaft steht das heute als Schloss bezeichnete Amtshaus von 1708. Direkt davor lädt eine Aussichtsterrasse, der sogenannte Askanierblick zum Besuch ein. Von dort lässt es sich hoch über der Elbe vom südlichsten Punkt Schleswig-Holsteins hinüber in die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen schauen. Ich habe Glück, die Sicht ist recht gut, nur ein wenig diesig. Die Landschaft wirkt idyllisch, aufgeräumt, gänzlich unaufgeregt. Kaum vorstellbar, dass hier in Sichtweite einst die Grenze zur DDR und somit ein „Niemandsland“, der „Todestreifen“ und mit der hochgesicherten innerdeutschen Grenze ein Teil des „Eisernen Vorhangs“ verlief.

Die Referenzen an die Vergangenheit sind in Lauenburg allgegenwärtig. Eine Reise in alte Zeiten verspricht auch ein weiterer Programmpunkt der Kletter Kultur, zu dem ich die Stufen wieder hinabsteige. Denn weiter geht es nun auf einem alten Dampfer. Diesmal ist es nicht der Eisbrecher, sondern der Raddampfer Kaiser Wilhelm, der 1899/1900 in Dresden gebaut wurde. Eine Fahrt mit dem alten Schiff steht leider nicht an, dafür aber ein Konzert an Bord mit Schlagern der 20er, 30er und 40er Jahre.

Raddampfer Kaiser Wilhelm in Lauenburg

Vom historischen Raddampfer Kaiser Wilhelm bietet sich ein schöner Blick auf die Altstadt von Lauenburg. Ein Konzert mit Schlagern der 20er, 30er und 40er Jahre von Sänger Herr Könnig in Begleitung von Pianist Matthias Moldenhauer – das passt besonders gut zum nostalgischen Flair an Bord. © Foto: Meike Nordmeyer

„Ein bisschen Leichtsinn kann nicht schaden“, stimmt Sänger René Könnig zur Klavierbegleitung von Matthias Moldenhauer an und bringt die Besucher, die neugierig an Bord gekommen sind, damit sogleich zum Lächeln. Auch seine Moderation macht große Freude, wenn sich Herr Könnig beispielsweise nach dem Applaus galant für das „angenehme Geräusch“ bedankt. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, ist eine Zeile, die kurz darauf erklingt, denn die darf auf dem Dampfer natürlich nicht fehlen. Auch unbekanntere Titel tragen die Musiker vor. Die Schlager bieten auch typische unverblümt zweideutige Texte, bei denen dem Sänger vielsagend sein Monokel vom Auge fällt. Die Elbe zieht unterdessend fein plätschernd am Dampfer vorbei, Schwalben zischen am Abend blitzschnell über die Wasseroberfläche, dunkle Wolken brauen sich allmählich zusammen und künden einen abendlichen Regenguss an. Doch das kann hier niemanden erschüttern. Mit Ausdauer gestaltet das Duo sein beschwingtes Konzert, das bestens zur nostalgischen Atmosphäre auf dem alten Raddampfer passt.

Der Rufer in Lauenburg

Der Rufer – die Skulptur bildet neben dem Schlossturm in der Oberstadt ein weiteres Wahrzeichen der Schifferstadt Lauenburg an der Elbe. © Foto: Meike Nordmeyer

Von der Anlegestelle des alten Schiffs sind es nach dem Konzert nur wenige Stufen hinauf zum Dorfplatz, an dem der Rufer steht. Die Skulptur ist ein Symbol für die 800 Jahre alte Schifferstadt Lauenburg, so gibt eine Tafel zu Füßen des Rufers Auskunft, und weiter heißt es da: „Ein Schiffer, dessen Kahn hier vor Anker liegt (…), ruft zu einem vorbeifahrenden Elbschiff hinüber. Einen morgendlichen Gruß? Einen derben Spaß? Einen wichtigen Hinweis?“ All das ist möglich. Die ebenso einfache wie markante Figur passt zu der Stadt. Sie lässt beim Betrachter, der einen Moment innehält, direkt eine Szenerie vor seinem geistigen Auge entstehen.

Auf dem Ruferplatz ist bereits eine Bühne aufgebaut, dort geht die Kletter Kultur gleich weiter mit Musik bis zum späten Abend. Zwei Bands werden hier noch spielen. Ich muss nun keine Treppen mehr erklimmen, sondern nehme gemütlich an einem Tisch vor dem Restaurant „Le Rufer“ Platz. Ein großer Sonnenschirm aus festem Stoff schützt mich vor den einsetzenden Regentropfen, und so kann ich wieder mit Blick auf den breiten Strom speisen. Schiffe ziehen vorüber und ich bin der Elbe ganz nah an diesem Tag voller Kultur und Genuss in Lauenburg.

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Werbung – dieser Beitrag wurde gefördert von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Zu der Wochenendtour nach Lauenburg an der Elbe und in die Nachbarstadt Geesthacht bin ich eingeladen worden. Gewohnt habe ich im Rahmen dieser Einladung im Hotel „Zum Alten Schifferhaus“ an der Elbstraße in Lauenburg. Ich schreibe in dem Artikel wie sonst auch über eigene Erlebnisse und Eindrücke. #comeseesh

Weitere Informationen

Die Kletter Kultur in Lauenburg fand in diesem Jahr erstmals statt, eine Fortsetzung im Sommer kommenden Jahres ist angedacht.

Elbschifffahrtsmuseum
Weitere Infos und Öffnungszeiten

Raddampfer Kaiser Wilhelm
Der historische Dampfer gehört zum Elbsschifffahrtsmuseum. Ein Förderverein veranstaltet in der Zeit von Ende April bis Anfang Oktober an einigen Wochenenden Ausflugsfahrten mit dem Kaiser Wilhelm.
Weitere Infos zum Raddampfer und den Fahrtzeiten

Eisbrecher Elbe
Infos zu den Ausflugsfahrten des historischen Dampfschiffes

Zum Weiterlesen: Mein Artikel über Geesthacht
Geesthacht: Vom Dynamit zum Pflaumenkuchen

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Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf Der Elbe so nah in der Schifferstadt Lauenburg

  1. Brigitte sagt:

    Die Stadt ist wirklich total süß! Ich war leider lange nicht mehr dort, habe aber früher in Lüneburg gewohnt und da war Lauenburg immer ein schönes Ausflugsziel zum Spazieren und Kaffee trinken. Ist auf jeden Fall einen Abstecher wert!!

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