Schlauer schlafen in Luzern – das Hotel Schweizerhof

Hotel Schweizerhof in Luzern

Traditionsreiches Haus am Ufer des Vierwaldstättersees: Das Hotel Schweizerhof in Luzern.
© Foto: Meike Nordmeyer

Wohnen, wo Richard Wagner komponiert hat – das geht. Nicht in Bayreuth, sondern in Luzern. Im traditionsreichen Hotel Schweizerhof direkt am Ufer des Vierwaldstättersees  hat der Komponist im Jahr 1859 gewohnt und seine Oper „Tristan und Isolde“ vollendet. Doch Wagner ist nur ein prominenter Gast von vielen, die sich seit der Eröffnung des Hotels vor mehr als 160 Jahren dort einquartiert haben. Auch Kaiser Wilhelm II, Mark Twain, Sir Winston Churchill, Rudi Carrell oder Sinéad O’Connor haben beispielsweise dort gewohnt.

Die Liste der berühmten Gäste ist lang, und genau daraus hat das Hotel ein Konzept für das Haus gemacht. Die 101 Zimmer werden gerade renoviert und dabei als Themenzimmer zu ausgesuchten prominenten Gästen des Hauses gestaltet.

Wagner-Suite im Schweizerhof

Hier komponierte einst Richard Wagner. Die Wagner-Suite im Hotel Schweizerhof. © Foto: Meike Nordmeyer

52 Themenzimmer sind bereits fertig gestellt. Darunter ist auch das Wagner-Zimmer, eine Junior-Suite mit der Nummer 007, und die darf ich besichtigen. Moment mal, bei 007 denke ich natürlich erstmal an ein anderes Thema als an große Opern. Und diese Assoziation ist auch völlig richtig. „Ja, in diesem Zimmer hat auch schon James-Bond-Darsteller Roger Moore gewohnt“, bestätigt Sabrina Gabriel vom Hotel-Marketing. Das wäre natürlich auch ein interessantes Motto für das Zimmer geworden. „Darüber haben wir auch nachgedacht. Aber dann haben wir uns doch für Richard Wagner entschieden. Er hat hier in diesem Zimmer komponiert, und er ist ja noch berühmter“, sagt Gabriel. Als die Überlegungen zu den Themenzimmern angefangen haben, da habe man noch Bedenken gehabt, ob man denn für die 101 Zimmer auch genügend interessante prominente Gäste finden werde. „Dann haben wir nachgeforscht und so viele Entdeckungen gemacht. Nun haben wir mit 280 Namen viel mehr Persönlichkeiten als wir für die Zimmer benötigen. Damit haben wir also ein anderes Problem, nämlich die Qual der Wahl“, sagt Gabriel lächelnd. In der Suite mit der Nummer 007 fällt mein erster Blick auf das Wandtattoo über dem Bett. „Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“, so wird da der Komponist zitiert. Ein großer Spiegel mit reich verziertem goldfarbenem Rahmen hängt an der Wand neben dem Bett. Und dann ist da diese schöne Sitzecke vor dem Fenster, eine Couch und zwei Sessel stehen dort. Da kann man es sich so richtig bequem machen und die famose Aussicht auf den Vierwaldstättersee genießen – wenn man nicht gerade große Opern komponiert.

Eingangshalle des Hotel Schweizerhof Luzern

Die Eingangshalle des Hotel Schweizerhof in Luzern.
© Foto: Meike Nordmeyer

Als im am Tag zuvor in Luzern ankomme, weiß ich noch nicht, welches Themenzimmer ich im Schweizerhof bekommen werde. Ich bin schon sehr gespannt darauf. Doch erstmal bestaune ich die große Eingangshalle des Hotels mit den rotbraunen Marmorsäulen und der cremefarbenen Kassettendecke mit reicher Stuckverzierung. Das Bodenmosaik in kräftigen Farben hat es mir besonders angetan. Ich schaue nach unten, während ich langsam weitergehe. Wer da schon alles drübergelaufen ist, so denke ich und mache mich auf den Weg zu meinem Zimmer mit der Nummer 184.

Wandtattoo im Abbado-Zimmer.

Weisheit über dem Bett – das Wandtattoo im Abbado-Zimmer.
© Foto: Meike Nordmeyer

Klassische Musik empfängt mich, als ich mein Zimmer betrete, und eine Stimme spricht Italienisch dazu. Da fühle ich mich doch gleich wohl. Und dann sehe ich schon das Wandtattoo, das auch hier über dem Bett angebracht ist: „Kultur ist Reichtum und nicht umgekehrt.“ Das Zitat stammt von Claudio Abbado. Denn Nummer 184 ist das Themenzimmer zu dem italienischem Dirigenten. Der große Musiker verbrachte viel Zeit in Luzern, denn er hat über Jahrzehnte hinweg maßgeblich beim Lucerne Festival mitgewirkt. Die Zusammenarbeit begann bereits 1966, als er dort das Schweizer Festspielorchester dirigierte. Im Jahr 2003 gründet Abbado das Lucerne Festival Orchestra. Unter seiner Leitung gelangt dieses Orchester rasch zu internationalem Renommée. Bei seinen Aufenthalten in der Stadt hat Abbado im Hotel Schweizerhof gewohnt, wie viele andere Musiker auch, denn das Haus gilt als Festivalhotel. Das neue Themenzimmer, das seinen Namen trägt, hat er nicht mehr kennengelernt. Der Dirigent ist im Januar 2014 im Alter von 80 Jahren verstorben. So ist das Zimmer nun eine besondere Erinnerung an ihn. Davon ahnte ich bei meinem Besuch im November zuvor allerdings noch nichts.

Zimmer im Hotel Schweizerhof

Zimmer mit Ausblick im Hotel Schweizerhof.
© Foto: Meike Nordmeyer

Die 184, ein Standard-Doppelzimmer, ist nicht besonders groß, aber fein und behaglich eingerichtet. Warme Farbtöne und Muster werden hier stylisch kombiniert. Die Wände sind sandfarben gehalten, die ebenfalls sandfarbene Bettrückwand wird zartgrün hinterleuchtet, die Tagesdecke auf dem Bett und die Sessel sind in Weinrot, Kissen, Teppich und Vorhänge unterschiedlich gemustert. Doch trotz der so verschiedenen Elemente stimmt die Einrichtung harmonisch zusammen. Die beiden Sessel stehen direkt vor dem Fenster. Ich setze mich und genieße erstmal den Ausblick auf den See am späten Nachmittag. Es dämmert schon kräftig, und ein sattes blaues Licht liegt über der Stadt. Im Seewasser spiegeln sich die Lichter der Häuser und der Straße. Ich kann auf die andere Seeseite blicken, herüber zum Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL), in dem die Konzerte des Lucerne Festivals stattfinden. Jetzt im November läuft das Lucerne Festival am Piano. Vom Hotel kann man bequem in etwa 10 Minuten zum KKL rüberlaufen. Ich habe bereits für diesen ersten Abend eine Konzertkarte. Es spielt Pianist Evgeny Kissin gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe das 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky. Ein hochkarätiges Programm, auf das ich mich schon den ganzen Tag lang freue. Also reiße ich mich von dem schönen Ausblick los, denn es wird allmählich Zeit, mich für das Abendessen und den Konzertbesuch umzuziehen. Als ich einige Kleidungsstücke in den Schrank hängen möchte, verliebe ich mich schlagartig in die Türgriffe, die in Form von Noten gefertigt sind. Diese finden sich nicht nur in dem Zimmer des Dirigenten sowie in der Suite des Komponisten, sondern in allen Zimmern, wie ich später noch in Erfahrung bringe.

In jeden Themenzimmer findet der Gast zudem noch einen Text, der nähere Informationen zur Biografie der jeweiligen Berühmtheit vermittelt. Schlauer schlafen in Luzern – so ließe sich da also als Motto formulieren. Es ist aber nicht nur das. Der Text ist so geschrieben, dass der Leser sich in den Lebensweg der Person für einen Moment hineinversetzt fühlt. Denn man soll sich in dem Zimmern des Fünf-Sterne-Hotels selbst einmal fühlen dürfen wie ein Prominenter. Und ja, dem Gefühl kann man sich hingeben. Das fühlt sich gut an.

In Luzern können Musikfans noch weiter den Spuren von Richard Wagner folgen. Denn im Ortsteil Tribschen am Rand von Luzern steht das Haus, in dem der Komponist mit seiner Frau Cosima und ihren und den gemeinsamen Kindern sechs Jahre lang wohnte. Es beherbergt heute das Richard-Wagner-Museum. Ein Besuch lohnt sich.

Mehr zum Wagner-Haus und zum Lucerne Festival am Piano habe ich in diesem Blogartikel geschrieben: Musik mondän in Luzern genießen

Weitere Informationen
www.lucernefestival.ch
www.richard-wagner-museum.ch

Zu dem winterlichen Aufenthalt in Luzern haben mich Schweiz Tourismus, Luzern Tourismus, das Hotel Schweizerhof sowie das Lucerne Festival eingeladen.

 

 

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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4 Antworten auf Schlauer schlafen in Luzern – das Hotel Schweizerhof

  1. Frances sagt:

    Herzlichen Glückwunsch dein Reise-Blog wurde mit dem „Liebster Award“ nominiert. http://frances81.wordpress.com/about/

  2. Tobias sagt:

    Schöner Review aber ich finde das Hotel irgendwie viel zu altbacken für meinen Geschmack. Luzern ist sicher eine sehr beliebte Stadt.

  3. Jessi sagt:

    Wow, das ist ja Wahnsinn, wieviele Prominente da schon ein- und ausgegangen sind. Und jetzt auch die Meike! :-)
    Ein James Bond Zimmer wäre wirklich großartig…

    Liebe Grüße
    Jessi

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