Ein Tag an Donau und Inn

Die Donauschlinge

Die Donauschlinge vom Schlögener Blick aus gesehen. Von der Ortschaft Schlögen führt ein halbstündiger Wanderweg durch den Wald hinauf.
© Foto: Meike Nordmeyer

Es muss in der 9. oder 10. Klasse gewesen sein. Da hat es im Erdkunde-Buch so ein Bild von einem Fluss gegeben, der ganz verwegen eine Schlaufe bildet und sich erst dann wieder für eine Richtung entscheidet und ruhig seine Bahn fortsetzt. Als ich mich für die Tour durch Oberösterreich vorbereite, lese ich auf dem Programm “Besuch der Schlögener-Schlinge”. Da muss ich erstmal googeln. Und dann sehe ich das Bild von diesem Flusskreisel und staune, dass ich ihn schon kenne. Auf einmal habe ich das Erdkunde-Buch wieder vor Augen. Jetzt also, viele Jahre später, stehe ich oberhalb der Ortschaft Schlögen am sogenannten Schlögener-Blick und schaue von dem etwa 200 Meter höher gelegenen Aussichtspunkt auf die spektakuläre Schlaufe der Donau hinab. Ich wusste ja, was mich erwartet. Und doch bin ich sehr beeindruckt von dem Anblick. Ruhig liegt der Fluss da mit seinem grün-braunen Wasser. “Ich muss diesen Weg fließen. Es ist richtig so”, teilt er mit, wenn man genau hinhört. Wenn man sie spürt, die Magie an diesem Ort.

Da schnauft es hinter mir. Eine Familie aus Bottrop ist eingetroffen und setzt sich erstmal auf die Bank. Die vier Ausflügler sind geschafft von dem halbstündigen, teilweise recht steilen Aufstieg an diesem Hochsommertag. “Erstmal hinsetzen”, murmelt die Mutter und kramt die Wasserflasche aus ihrem Rucksack. Die beiden Kinder im Grundschulalter hält es nicht lange auf der Bank, sie laufen an den vorderen Rand des Aussichtspunkts. “Echt cool”, lautet ihr Urteil. Ich mache mich unterdessen wieder auf den Rückweg. Dort, wo der Weg wieder aus dem Wald herauskommt, lädt die große Terrasse des Hotels Donauschlinge zur Rast ein. Sie bietet einen hervorragenden Blick auf den Fluss und auf die Anlegestelle Schlögen. Hier kommen Ausflugsschiffe aus Passau an. Mit einem solchen sind auch die Urlauber aus Bottrop in etwa zwei Stunden Fahrtzeit herübergekommen.

Auf der Terrasse stärke ich mich erstmal und bestelle Palatschinken mit Vanilleeis, Kaffee und ein großes Glas gespritzten Almdudler. Dann düse ich mit dem Opel Ampera, dem für die Tour gestellten Elektro-Auto, weiter zum nächsten Fluss, dem Inn. Eine Viertelstunde hinter Schlögen lohnt sich ein Zwischenstop, um das Stift Engelszell in Engelhartszell zu besichtigen. Von daaus ist es noch etwa eine Stunde Autofahrt bis zu der direkt am Inn gelegenen Ortschaft Schärding. Friedlich fließt der Inn an diesem späten Nachmittag. Die schon tiefer stehende Sonne lässt das Wasser silbrig glitzern. Kaum vorstellbar, dass der Fluss nur wenige Wochen zuvor noch mit zerstörerischer Kraft die Stadt überflutet hat. Mehr als einen Meter hoch stand das Wasser in der Altstadt.

Anlegestelle in Schärding

An der Anlegestelle in Schärding kümmert sich Kapitän Manfred Schaurecker persönlich um die Versorgung des Elektro-Autos.
© Foto: Meike Nordmeyer

Ich steuere die Anlegestelle der Innschiffahrt Schaurecker an. Auf die etwa einstündige Schifffahrt freue ich mich schon. Doch erstmal brauche ich eine Möglichkeit, das E-Auto aufzuladen. Ich frage bei Kapitän Schaurecker nach. Elektrofahrräder ist er durchaus gewohnt. “Ein Elektro-Auto, na das ist ja mal was anderes”, sagt er gut gelaunt. “Warte mal, das organisieren wir rasch”, und schon läuft er los und holt eine Kabeltrommel. Ich setze den Wagen direkt vor die Anlegestelle, und dann kümmert sich der Kapitän höchstpersönlich um die Verbindung von der Steckdose an der Anlegestelle bis zum E-Auto. Auch das Einstecken des Ladesteckers am Wagen nimmt er selber vor – das lässt er sich nicht nehmen. Das Auto hupt kurz zufrieden auf und teilt uns auf diese Weise mit, dass der Ladevorgang läuft. Nun aber los aufs Schiff. Die anderen Gäste sind längst an Bord und warten schon. Doch keiner von ihnen ist ungeduldig. Warum auch?

Schärding am Inn

Knapp acht Wochen vorher noch starkt überflutet: Die Stadt Schärding im Innviertel. © Foto: Meike Nordmeyer

Ganz gemächlich schippern wir nun durch das dicht begrünte Untere Inntal ein Stück Richtung Passau. Der Wald steht bis ans Ufer. Es geht vorbei an Kloster Vornbach, Burg Neuburg und Burg Wernstein am Inn. So lässt sich relaxen bei der Hitze. Die Bedienung bringt mir eine Johannisbeer-Schorle. “Jetzt ist er ganz ruhig, der Inn. Kaum zu glauben, was er in Schärding vor Kurzem noch angerichtet hat. Das ganze untere Stockwerk hatten wir überschwemmt. Das war schlimm. Und doch möchte ich nirgendwo anders auf der Welt wohnen”, sagt sie und schaut einen Moment lang versonnen aufs Wasser und auf die sich nähernde Stadt, zu der wir wieder zurückkehren.

Ausblick vom Stadthotel Schärding

Ausblick von meinem Zimmer im Stadthotel Schärding.
© Foto: Meike Nordmeyer

Es ist erstaunlich, wie schnell es den Bewohnern von Schärding gelungen ist, die Schäden des Hochwassers weitgehend zu beseitigen. An manchen der farbig gestrichenen Bürgerhäusern verweisen Schmutzränder noch auf den hohen Wasserstand. An dem heißen Sommertag stehen viele Fenster in den Untergeschossen sperrangelweit offen, weil in den Gebäuden längst noch nicht alles wieder getrocknet ist. Doch viel mehr an Schäden ist beim Stadtrundgang zumindest am Äußeren der Häuser nicht mehr zu sehen. Die meisten Fassaden sind schon wieder frisch gestrichen. Die Silberzeile, die prächtige Häuserreihe am Oberen Stadtplatz mit ihren barocken Bürgerhäusern in Blau, Gelb, Grün, Rot und orangener Farbe leuchtet in der Abendsonne. Und auch vom kleinen Fenster meines Dachzimmers im Stadthotel Schärding sehe ich noch die farbigen Giebel der Häuser und dahinter den Inn. Die Sonne ist gerade untergegangen, doch noch sind die Wolken und der Fluss von ihrem glühenden, orangefarbenem Licht erfüllt – ein gelungenes Finale für einen intensiven Tag an Donau und Inn.

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Auf Einladung von Oberösterreich Tourismus war ich im Juli 2013 vier Tage lang mit einem Elektro-Auto oder zeitweise auch mit einem E-Bike in Oberösterreich auf Tour. In diesem Rahmen habe ich auch die Landesausstellung 2013 besucht. Dank auch an den Kooperationspartner der Bloggertour: Die Energie AG Oberösterreich hat das Elektro-Auto zur Verfügung gestellt.

Meine Reisebloggerkollegin Martina von Talk around the World war im Anschluss an meine Tour auch vier Tage in Oberösterreich unterwegs. Sie berichtet ebenfalls von der Tour.

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf Ein Tag an Donau und Inn

  1. Danke für diesen schönen Bericht. Ich selbst bin ein großer Donau-Fan und habe da schon einige Urlaube verbracht. Die Bilder, die du geschossen hast, gefallen mir sehr gut und wecken einige tolle Erinnerungen. Danke dafür! :-)

    Grüße
    Thomas

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