Valkenburg: Burgruine mit Knalleffekt

Burgruine in Valkenburg

Die Burgruine thront über Valkenburg und gilt damit als die einzige Hochburg in den Niederlanden. © Foto: Meike Nordmeyer

Ein König lässt seine eigene Burg mit Schießpulver sprengen. Das muss einen mächtigen Knall gegeben haben. Damals, im Jahr 1672 in Valkenburg aan de Geul, im Süden der Niederlande. König Statthalter Wilhelm III hatte sich zu der drastischen Maßnahme entschieden, weil er Angst hatte, die heranrückenden Franzosen könnten die strategisch wichtige Burg einnehmen. Die stattliche Ruine, die dabei übrigblieb, thront heute noch auf einer Anhöhe über dem kleinen Städtchen in Süd-Limburg. Der Sandstein, aus dem die Reste der Mauern, Türme und Treppen bestehen, ist verwittert. Grüngrau bis schwarz sind die Steine dort, wo Wind und Wetter ihnen seit Jahrhunderten zusetzen. Doch es gibt auch geschütztere Stellen, an denen der für die Region typische Mergelstein sich hell und fein zeigt und sein gelblicher Farbton in der Sonne leuchtet.

Der Rittersaal muss prächtig gewesen sein. Der Holzboden hatte eine Fläche von 30 x 12 Metern. Er lag auf dicken Eichenbalken auf, die von Säulen aus Stein getragen wurden. Diese Konstruktion ist natürlich nicht mehr vorhanden. Die Ausmaße des Saals sind aber noch gut vorstellbar. Denn der Besucher kann das darunterliegende Geschoss durchschreiten. Es liegt heute offen, wird von den Mauerresten aber noch genau eingegrenzt. Auf dem sandigem Untergrund sind die Sockel der dicken Säulen zu sehen, die den Holzboden einst gestützt haben. Die Säulen waren aus festerem Stein, denn dafür wäre Mergel als Baumaterial viel zu weich gewesen.

Bei einem Rundgang durch und um die Ruine sind überall Mauern, Torbögen, Öffnungen und Stufen zu entdecken, die von den verwinkelten Räumlichkeiten der großen Festung erzählen. Einige Stellen auf dem Burgfelsen sind mit Gras bewachsen, doch immer wieder ragen Mauerstücke aus dem Grün heraus. Moment mal, öffnet sich da nicht sogar ein geheimnisvoller Gang? Wo mag der hingeführt haben? Längst ist die Fantasie anregt. Wer sich Zeit nimmt und sich seiner Vorstellungskraft überlässt, bei dem geht der Film im Kopf los, und es entwickelt sich ein Bild der mächtigen Burg von einst, durch die Ritter mit ihren scheppernden Rüstungen laufen.

Der Rittersaal der Burg

Blick in die Burgruine, wo einst der Rittersaal war. Der Zwingerfelsen bietet einen schönen Ausblick auf das Städtchen Valkenburg. © Foto: Meike Nordmeyer

Von allen Seiten des sogenannten Zwingerfelsens bietet sich ein schöner Ausblick auf die Stadt. Mit ihrer Lage gilt die Ruine als die einzige Hochburg in den Niederlanden, alle anderen sind oder waren Wasserburgen. „Wir sind stolz auf unsere Berge in Valkenburg und der Region“, sagt Piet Dobbelsteijn bei seiner fachkundigen Führung und erwähnt sogleich den Cauberg, die höchste Erhebung der Stadt mit 150 Metern Höhe. Genau genommen sind es 141 Meter. Nun, Piet rundet eben gerne auf, damit es noch etwas besser klingt. Denn es sind ja doch eher liebliche Hügel als schroffe Berge. Trotzdem sind sie bedeutsam, denn mit ihnen ist die Landschaft in Süd-Limburg einzigartig in den Niederlanden. Diese Berge also und die darin weitverzweigten Grotten, die durch den Mergelabbau entstanden sind, machten Valkenburg schon im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Touristenziel. Im Jahr 1885 eröffnete deshalb in der Stadt ein Tourismusbüro. Damit hat Valkenburg heute den ältesten VVV in den Niederlanden. Der Bahnhof dort wurde bereits 1853 eröffnet. Er gilt heute als der älteste Bahnhof der Niederlande, der in Betrieb ist. Nicht nur für Eisenbahnfans ist das ein weiterer Grund für einen Ausflug nach Valkenburg.

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Mehr über Valkenburg und die Grotten könnt Ihr auf dem Blog „Fernweh und so“ von Jessi lesen.

Weitere Informationen
Angaben zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen der Burgruine und der Fluweelengrot (Samtgrotte) finden sich hier.
Ausführliche Infos in deutscher Sprache zu Valkenburg und Umgebung gibt es beim VVV Süd-Limburg.

Hinweis zur Reise
Zu dem Besuch in Valkenburg bin ich eingeladen worden. Der Aufenthalt mit einer Übernachtung gehörte zu einer Pressereise, die ins Drei-Länder-Eck von Belgien, den Niederlanden und Deutschland führte. Die vier Regionen dort haben sich zu der Marke Herz von Europa zusammengeschlossen: das niederländische Süd-Limburg, die belgischen Provinzen Lüttich und Belgisch Limburg sowie das Aachener Umland.

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.

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10 Kommentare zu Valkenburg: Burgruine mit Knalleffekt

  1. Schöner Artikel, gefällt mir gut!

  2. Simone sagt:

    Was für ein wunderschöner Artikel. Ich seh mich schon durch die Gänge wandeln und den Rittern zusehen.
    Dummerweise habe ich mir die Burg nur von unten angesehen. Fehler!
    LG Simone

  3. Katrin Adam sagt:

    Sehr interessant etwas mehr über die Stadt zu erfahren. Ich kenne Valkenburg nur vom Radsport, der hier eine große Rolle spielt. Der Cauberg ist zum Beispiel jedes Frühjahr das Ziel des Amstel Gold Race; fünfmal bereits hat hier die Straßen-WM stattgefunden. Sogar die Vuelta gastierte schon mit einer Etappe hier. Auch in sofern ist die Stadt – und insbesondere der Cauberg – also von Bedeutung.

  4. meikemeilen meikemeilen sagt:

    Guter Hinweis, Katrin. Danke für die Ergänzung!

  5. detart sagt:

    Toller Artikel. Habe weitläufig geshared…. Weiter so….

  6. Ich finde ja Journalisten, die auch bloggen, super. Sehr schöner Beitrag! Danke dir!

  7. Antje sagt:

    Schöner Bericht! Macht richtig Lust, mal nach Valkenburg zu fahren!!!

  8. Jessi sagt:

    Der Bericht passt grad super! Ich war Silvester in Valkenburg, habe aber keine Führung durch die Ruine, sondern durch die Grotten gemacht. Danke also für die interessanten Informationen! :-)
    Liebe Grüße
    Jessi

  9. meikemeilen meikemeilen sagt:

    Das freut mich sehr! Ich bin schon gespannt auf Deinen Artikel.
    Viele Grüße, Meike

  10. Pingback: Die Fluweelengrotte – Eine unterirdische Galerie in Süd-Limburg | Fernweh und so

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