Vom Goldstrand in die Lagune – ein Ausflug in Lignano

Morgens am Strand von Lignano

Es ist noch kühl an diesem frühen Morgen im April. Da ist der Strand in Lignano Sabbiadoro noch menschenleer. Nur eine Urlauberin läuft mit ihren Nordic-Walking-Stöcken in schnellen Schritten am Wasser entlang.
© Foto: Meike Nordmeyer

In flachen Bögen schiebt sich das Wasser lautlos an den Strand. Das Meer liegt ruhig da an diesem Morgen in Lignano Sabbiadoro. Wo sich die Sonne schon durch die lockere Wolkenmasse durchgekämpft hat und ihre Strahlen hinabschickt, glitzert es silbrig.

Eine kleine mit weißen Muscheln verzierte Sandburg behauptet sich trutzig an diesem Morgen. Noch ist ihre Bausubstanz ein wenig feucht. Doch an manchen Stellen ist der Sand schon leicht getrocknet und beginnt hinabzubröseln. Der Baumeister der Sandburg ist nicht zu sehen. Der Strand ist menschenleer. Nur eine Urlauberin zieht in schnellen Schritten mit ihren Nordic-Walking-Stöcken vorbei.

Der Strand von Lignano hat eine kräftige gelbe Farbe. Darauf verweist der Ortsteil stolz mit seinen Namen, denn Sabbiadoro heißt Goldsand. Dunkelblaue, orangefarbene und gelbe Sonnenschirme stehen in langen Fluchten auf der Sandfläche aufgereiht und erwarten die sonnenhungrigen Gäste, die sich schon bald zahlreich einfinden werden. Denn im Mai beginnt die Saison in Lignano. Der Badeort an der italienischen Adria in der Region Friaul-Julisch Venetien ist circa 85 Kilometer von Venedig entfernt. Er befindet sich auf einer flachen Halbinsel und hat auf der zum Meer hingewandten Seite einen acht Kilometer langen Sandstrand zu bieten. Zur anderen Seite hin gehört die Landzunge zur Lagune di Marano, die sie an ihrer westlichen Seite zum Meer abgrenzt.

Kapitän Adriano mit Trompete.

Zu einem Ausflug mit Kapitän Adriano gehört auch ein Ständchen auf der Trompete dazu. © Foto: Meike Nordmeyer

An diesem Tag Ende April ist es noch zu kühl, um am Strand zu liegen. Da ist eine Bootstour ein reizvolles Alternativ-Programm. Mit Kapitän Adriano Zentilin geht unsere kleine aus acht Personen bestehende Gruppe auf Tour in die Lagune. „Willkommen auf meinem Schiff“, ruft der Kapitän uns fröhlich zu und begrüßt jeden mit Handschlag. Kaum hat das kleine Ausflugsboot abgelegt beginnt Adriano, in einem fröhlichen Gemisch aus Italienisch und Deutsch von der Lagune zu erzählen. Die erste Etappe des Ausflugs ist sein Geburtsort, das Fischerstädtchen Marano Lagunare.

„Wir fahren jetzt ein Stück auf der Autobahn“, sagt der Kapitän grinsend und steuert auf die Fahrrinne zu, die auf beiden Seiten mit Holzpfählen markiert ist. Das Wasser kräuselt sich leicht im Wind. Es zeigt sich im milden Blau, an manchen Stellen schimmert es hellgrün. Auf der rechten Seite ist die Insel Sant’Andrea zu sehen. Mit weiteren kleinen Inseln grenzt sie den mittleren Teil der Lagune vom Meer ab. Adriano übergibt das Steuer an seinen Mitarbeiter, holt rasch eine Trompete hervor und schmettert ein paar Melodien durch den Schiffsraum. Schon jetzt ist klar: Langweilig wird es mit diesem Kapitän nie.

Im Hafen von Marano

Dieser Fischer ist gerade im Hafen von Marano Lagunare angekommen und sortiert seinen Fang.
© Foto: Meike Nordmeyer

In dem kleinen Hafen von Marano ist kaum etwas los. Zwei Fischer sind mit ihren blauen Booten angekommen und sortieren ihren Fang. Kleine silbrige Fische rutschen in eine Kiste aus Styropor. Einer der Fischer schüttet sie zum weiteren Transport dort hinein. An der kleinen Hafenmauer sind feinmaschige schwarze Netze zum Trocknen aufgestellt. Sehr beschaulich geht es auch auf dem „Granda“ genannten Hauptplatz des Ortes zu. Selbst in der Hochsaison bleibt es hier eher ruhig, das bestätigt Adriano. Gemütlich lässt sich hier ein Cappuccino trinken und durch die Gässchen schlendern. Doch der Kapitän treibt unsere Gruppe schon wieder an. Er weiß, dass er weiterfahren muss, denn die Gezeiten bestimmen den Fahrplan.

Casoni in der Lagune

In der Lagune von Marano sind noch zahlreiche Casoni zu finden. Die aus Schilf und Holz gefertigten Hütten dienten den Fischern früher als Rückzugsort.
© Foto: Meike Nordmeyer

Nur wenig später steuert sein Schiff auf eine Ansammlung von kleinen Fischerhütten zu, deren Dächer zwischen blühenden Tamariksen und anderen Bäumen, Sträuchern und Schilf hervorlugen. Die als Casoni bezeichneten Hütten sind aus Schilfrohr und Holz gefertigt und jeweils auf einem kleinen Stück Land errichtet, das von aneinander gereihten Holzpfählen umrandet und zusammengehalten wird. Die Hütten stehen am Rand von Salzwiesen und Schilfhainen. Deren Flächen sind von Wasser durchzogen und haben einen feuchten, sandigen Untergrund – eine sumpfige Übergangslandschaft von Meer und Land, wie sie für die Lagune typisch ist. Die Casoni haben den Fischern in früheren Zeiten als Rückzugsort gedient. Dort haben sie sich ausgeruht oder Schutz vor Regen und Unwetter gesucht, bevor sie wieder zur nächsten Tour aufgebrochen sind. Mit solch einer Art von Fischerhütten muss einst auch die Besiedelung von Venedig begonnen haben. Hier in der Lagune von Marano lässt sich das heute noch nachvollziehen. Der Ausflug ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Noch immer werden die Hütten von Vater zu Sohn oder wie im Fall von Adriano vom Onkel zum Neffen vererbt und sind mit der Verpflichtung verbunden, sie zu erhalten. Weite Teile der Lagunenlandschaft stehen zudem unter Naturschutz.

Fahrradtour mit Blick in die Lagune

Die flache Halbinsel von Lignano lässt sich bestens mit dem Fahrrad erkunden. Die Holzbrücke mit dem alten Leuchtturm bietet einen weiten Blick in die Lagune. © Foto: Meike Nordmeyer

„Wir besuchen jetzt mein eigenes Casone“, sagt Adriano stolz. Riesig wirkt das Ausflugsschiff vor der kleinen Anlegestelle. Der Kapitän führt seine Gäste in die mit Holzbänken und Tischen eingerichtete Hütte, schnappt sich sogleich seine Gitarre und stimmt italienische Schlager an. „Was habt ihr morgen vor?“, will er zum Schluss von uns wissen. Für den nächsten Tag steht eine Fahrradtour in Lignano auf dem Programm. Fahrradwege führen sowohl am Strand als auch an der Lagune entlang, oder auch vom Ortsteil Pineta nach Riviera durch den Pinienhain. Mit den Rädern werden wir die Halbinsel mühelos selbst erkunden. Denn wir sind uns einig: Nur am Strand liegen, dafür ist Lignano viel zu schade.

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Von Lignano aus lassen sich interessante Ausflüge in die Lagune unternehmen wie beispielsweise Bootsfahrten mit Kapitän Adriano Zentilin, nähere Infos dazu: www.saturnodageremia.it

Auch Tagesausflüge nach Venedig oder Triest bieten sich an. Ein Bus fährt von Lignano zum Bahnhof ins nahegelegene Latisana, von dort aus fährt der Zug rund eine Stunde nach Venedig oder nach Triest. Das Bahnfahren ist vergleichsweise günstig in Italien, ein Ticket für eine einfache Fahrt in eine der beiden Städte kostet unter 10 Euro.

Empfehlenswert ist auch ein Ausflug in die Festungsstadt Palmanova. Diese ist in etwa 35 Minuten mit dem Auto zu erreichen und bietet mehrere Besonderheiten. Davon erzähle ich in einem eigenen Blogbeitrag:  Flucht in die beste Bar Italiens

Zu der Reise nach Lignano und dem Ausflug in die Lagune hat das Consorzio Lignano Vacanze eingeladen. Gewohnt habe ich im Rahmen der Einladung im Hotel Miramare, das direkt an der Strandpromenade liegt. Weitere Informationen zu Lignano, zu Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätzen und Ausflügen finden sich auf der Webseite des Consorzio Lignano unter www.lignanoholiday.com

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf Vom Goldstrand in die Lagune – ein Ausflug in Lignano

  1. Ich erinnere mich, wie entspannend wurde durch die Lagune Kreuzfahrt und ich vermisse dieses Gefühl jetzt.

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