Wie auf Wolken in Osttirol

Blick aus dem Flugzeug

Ganz nah an den Felswänden vorbei – der Anflug auf den Flughafen Innsbruck ist ein Erlebnis.
© Foto: Meike Nordmeyer

Schroffe graue Felswände zart eingepudert mit Schnee – sie scheinen zum Greifen nah zu sein. Es sieht fast so aus, als würde das Flugzeug gleich mit der Spitze des Flügels daran entlangschrabben. Ich lehne mit der Stirn an dem kleinen Kabinenfenster, schaue wie gebannt hinaus und versuche alle Eindrücke aufzusaugen. Ich bin unterwegs nach Osttirol und fliege zum ersten Mal nach Innsbruck. Was für ein Anflug auf die Landeshauptstadt von Tirol! Da wird die Anreise schon zum Erlebnis.

Es ist ein großes Glück, dass die Wolkendecke kurz vor Innsbruck doch noch aufgerissen ist und sich plötzlich verkrümmelt hat. Noch kurz zuvor blickte ich aus dem Flugzeug auf einen fluffigen weißen Teppich wie aus Watte. Da stellte ich mir wieder vor, hinaus zu gehen, über die weiche Masse zu laufen und mich wie in ein riesiges Federbett hineinfallen zu lassen. Nun bin ich schon wieder am Boden der Tatsachen, das Flugzeug ist bereits gelandet und rollt zum Gate. Hier in Innsbruck werde ich am Flughafen von einem Transfer-Service abgeholt. Es sind noch gute 2,5 Stunden Fahrt ins Defereggental in Osttirol.

Blick auf Hopfgarten in Osttirol

Das tief verschneite Hopfgarten vom Hotel Zedernklang aus gesehen. So bei Tageslicht sehe ich das Dorf erst am nächsten Morgen.
© Foto: Meike Nordmeyer

Als der Kleinbus in Hopfgarten im Defereggental ankommt, ist es bereits dunkel geworden an diesem Tag Mitte Januar. Ich checke im Hotel Zedernklang ein, das ein wenig abseits der Ortschaft liegt. Die Lobby ist geschmackvoll mit Holz und Stoffen in Naturtönen gestaltet. Doch die Zeit, mich hier erstmal zu entspannen, habe ich nicht. Es ist viertel vor sechs. In einer Dreiviertelstunde werde ich schon wieder abgeholt. Auf dem Programm steht eine Schneeschuhwanderung bei Vollmond. Mir war schon vor der Reise klar, dass es damit zeitlich eng werden wird am ersten Abend. Aber die Vollmond-Nacht kann man ja nicht verschieben. Ich eile auf mein Zimmer, mache mich blitzartig halbwegs frisch, poste schnell ein erstes Foto und nehme kurz darauf im Restaurant Platz, wo mir zügig das Abendessen serviert wird.

Hotel Zedernklang in Osttirol

Das Hotel Zedernklang am Rand der Ortschaft Hopfgarten im Defereggental. © Foto: Meike Nordmeyer

Das sehr gute Essen, das im Hotel Zedernklang geboten wird, kann ich auf die Schnelle leider nicht gebührend genießen. Wie gut, dass dafür noch zwei weitere Abende Zeit sein wird. Also schlüpfe ich schon bald wieder in die dicke Jacke, die ich auf die Bank neben mich gelegt habe und gehe zur Rezeption, denn dort wartet schon Ingo Hafele von der Osttirol Werbung auf mich. Wir fahren in etwa 20 Minuten ins nahegelegene Kalser Tal. Es bietet ein großes Skigebiet, beliebter Ausgangspunkt dafür ist Kals am Großglockner. An diesem Ort fahren wir jedoch vorbei noch wenige Kilometer weiter in das Tal hinein bis zum Alpengasthof Lucknerhaus. Der Parkplatz dort ist der Ausgangspunkt der Wanderung. Dort treffen wir Ranger Emanuel Egger, der die Tour leitet. Bei ihm stehen bereits fünf  Teilnehmer. Emanuel holt Schneeschuhe für uns aus dem Kofferraum seines Wagens und legt sie vor uns auf den Boden. Ich schiebe meine Schuhe in das Gewirr von Riemen, der Ranger hockt sich hin und hilft beim fachgerechten Zuschnüren. Zwei Wanderstöcke bekomme ich auch noch, und dann geht es schon los.

Die kleine Wandergruppe stapft hinter dem Ranger hinterher. Die Tour führt erstmal über ein verschneites Feld. Ich konzentriere mich auf den ungewohnten Gang mit den breiten Schneeschuhen, und ich lausche, was bei den Schritten zu hören ist. Es beginnt jedesmal mit einem hellen schleifenden Ton auf dem leicht verharschtem Schnee kurz bevor der Schneeschuh dann mit einem leisen „Wosch“ ein wenig in die weiche Masse einsinkt und aufsetzt. Schleif, wosch, schleif wosch, so bewegen wir uns voran. Der Vollmond ist verhangen und hinter den Wolken nur zu erahnen. Und doch zaubert er ein mattes bläuliches Licht auf die Schneefläche. Wir laufen über eine Holzbrücke. Auf dem dort festgetretenen Schnee knirschen die Schritte gleichmäßig. Der Gebirgsbach unter uns gluckst. Wenige Schritte danach bleibt Ranger Emanuel stehen und schaut sich nach seiner Gruppe um. Mit einem seiner Stöcke zeigt er geradewegs den Berg hinauf. „Da geht es jetzt hoch“, sagt er knapp und stapft los. Damit folgt nun eine ganz andere Gangart, denn es geht ein Stück steil hinauf. Da sind kräftige Schritte gefordert, also gilt es, sich mit den Stöcken fest abzudrücken und die breiten Teile an den Schuhen gut anzuheben. Wir laufen zwischen verschneiten Büschen hindurch. Ihre langen, biegsame Äste streifen an uns entlang und schütteln dabei den Schnee von sich ab. Die kurzen knorrigen Exemplare pieksen hingegen wehrhaft beim Vorbeigehen. Das eilig eingenommene Abendessen rumpelt in meinem Magen, ich komme ins Schnaufen.

Laufen wie eine Kirchenglocke

Endlich haben wir einen breiten Weg mit festgetretenem Schnee erreicht, der sich sanft in weiten Bögen hinaufschwingt. „Man muss laufen wie eine große Kirchenglocke“, sagt der Ranger und erklärt: „Ganz gleichmäßig und gemächlich, so wie die Glocke hin und her schwingt.“ Das ist eine schöne Empfehlung. Ding, dong, ding dong – so finde ich in einen wohltuenden Rhythmus. Mein Atem wird ruhiger. Schwarz und dichtgedrängt säumen hohe Tannen den Weg. Hin und wieder blinken die goldgelben Lichter der Häuser im Talgrund durch die Zweige. Sie liegen nun schon ein ganzes Stück unterhalb von uns. Wir laufen mit leichten Schritten weiter hinauf. Dann geben die Wolken auf einmal den Mond frei, und dieser lässt sogleich sein bleiches Licht über den Schnee strömen. Wir bleiben stehen. Schweigend. Es ist eine feine, helle Stille, die auf dem nächtlichen Schnee liegt. Nur die Tannen rauschen leicht. Erst nach einer ganzen Weile fängt Emanuel an, in seinem Rucksack zu kramen. Er holt eine Thermoskanne hervor und bietet warmen Früchtetee aus einem kleinen Becher an. Perfekt. Gemütlich streifen wir dann noch weiter durch die Nacht.

Zimmer im Hotel Zedernklang

Die Zimmer im Hotel Zedernklang sind mit verschiedenen Hölzern gestaltet und bieten eine behagliche Atmosphäre. Das Bett ist aus heimischen Zirbenholz angefertigt.
© Foto: Meike Nordmeyer

Ein Bett aus Zirbenholz

Wohlig müde falle ich später in mein Hotelbett. Das Zimmer ist mit verschiedenen Holzsorten eingerichtet und dadurch sehr behaglich. Namensgebend für das Hotel ist die Zeder. Doch die Betten sind aus dem Holz der heimischen Zirbelkiefer gefertigt. Und das aus gutem Grund. Denn im Alpenraum weiß und nutzt man es, dass dieses Holz beruhigende, gesundheitsfördernde Wirkung hat. Es ist reich an ätherischen Ölen. Sie sorgen für den wohltuenden Duft des Materials. „Ich wollte immer schon mal in einem Bett aus Zirbenholz schlafen“, denke ich noch und schon schlummere ich ein.

Über Nacht hat es geschneit. Beim Frühstück schaue ich den feinen Flocken zu, die vor dem Fenster durch die Luft tänzeln. Wieder werde ich abgeholt zu einer Schneeschuhwanderung. Mit Ingo fahre ich ins benachbarte Tal nach Matrei. Dort treffen wir Ranger Andreas Rofner als Leiter der Tour. Wir starten in Bichl, dem letzten Ortsteil in diesem Tal. Am Waldrand schnallen wir die Schneeschuhe an und marschieren los.

Schneeschuhwanderung in Osttirol

Auf geht’s zur Schneeschuhwanderung. Es schneit dicke Flocken. © Foto: Meike Nordmeyer

„Geh deinen eigenen Weg im frischen Schnee“

Hier schneit es wie schon die ganze Nacht dicke Flocken. Die Landschaft ist tief mit Neuschnee eingedeckt, alles still, wie in Watte gepackt. Jetzt schleift nichts mehr bei den Schritten, der Schnee ist frisch und locker. Der Ranger geht voraus, ich folge in seiner Spur. Wir stapfen und sinken ein, gehen mit kräftigen Schritten voran. Diesmal sind wir nur zu dritt unterwegs. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen, nicht mal eine Spur. Neben uns verläuft ein Zaun, die dicken Holzpflöcke sind mit einem alten Stacheldraht verbunden. Doch die rostigen Dornen sind mit Schnee umhüllt. So bilden sich im regelmäßigen Abstand kleine weiße Kügelchen, als hätte jemand Perlen auf ein Band aufgefädelt und nicht zusammengeschoben. Ranger Andreas erzählt von der Gebirgswelt und wie die Tiere sich hier im Winter verhalten und in der Kälte überleben. Ich könnte ihm stundenlang zuhören. Um zum Ende unserer Wanderung wieder zu unserem Ausgangspunkt zurückzugelangen, schlägt er den Weg über eine tief verschneite, stark abschüssige Wiese vor. „Lauf jetzt nicht mehr in meiner Spur, sondern geh deinen eigenen Weg im frischen Schnee“, empfiehlt er mir. „Einfach schön in den Knien federn, dann geht das ganz leicht.“ Nach drei noch vorsichtigen Schritten lege ich los und federe nach unten. Bei jedem Aufsetzen sinken die Schneeschuhe weich ein, der Schnee stäubt auf, kaum spüre ich festen Halt bin ich schon beim nächsten Schritt in die weiche Masse, die mich sanft nach unten trägt. Das ist wie auf Watte gehen. Nein, wie auf Wolken! So werden die Träume aus dem Flugzeug wahr.

Schlipfkrapfen

Dekorativ angerichtet und köstlich: hausgemachte Schlipfkrafpen im Gasthof Sonne in Matrei.
© Foto: Meike Nordmeyer

Galaktische Schlipfkrapfen

Zum Mittagsessen fahren wir zurück ins Zentrum von Matrei. Dort kehren wir in den Gasthof Sonne ein. Ich bestelle die für Osttirol typischen Schlipfkrapfen, die mit Kartoffeln und Kräutern gefüllt sind. Wie zu einem Kranz angeordnet wird die hausgemachte Spezialität hier serviert und erweist sich als galaktisch gut. Der Zwischenstopp in dem Ort bietet zudem die Gelegenheit, das Nationalparkzentrum Matrei zu besuchen. Es beherbergt eine interessante natur- und kulturkundliche Ausstellung über die Osttiroler Region. Nach diesem informativen Programmpunkt geht es zurück ins Hotel im Defereggental, wo ich mich im Wellness-Bereich entspanne. In einem der Dampfbäder liegen Holzlocken aus Zirbe auf dem Gitter, aus dem der Dampf entweicht. Ich genieße den würzigen Duft, die Wärme und fühle mich wie von Wolken wohlig eingehüllt.

Schnitzkunst im der Zirbenausstellung

Holzschnitzer der Region verwenden für ihre Kunstwerke vorwiegend das weiche Zirbenholz. Ein Exponat in der Zirbenausstellung in St. Jakob: Kunstvoll wächst ein Steinbock aus dem Holz.
© Foto: Meike Nordmeyer

Nach den beiden Schneeschuhwanderungen hält das Defereggental noch ein weiteres originelles Erlebnis im Schnee für mich bereit. Dafür fahre ich am nächsten Tag von Hopfgarten weiter ins Defereggental hinein nach St. Jakob. An diesem Morgen reißt die Wolkendecke ein wenig auf. Knatschblauer Himmel strahlt durch die Wolken hindurch, die Sonne glitzert auf den in der Nacht gefallenen Schnee. Ein wenig kann ich von dem Bergpanorama sehen, das den Ort umgibt. Doch lange wird dieser Ausblick nicht anhalten. Schon mittags zieht es sich wieder zu.

Zunächst nutze ich die Gelegenheit, die Ausstellung „Die Zirbe“ im Dorfzentrum zu besuchen. Im Handelhaus, ein Gebäude aus dem Jahr 1627, ist eine kleine, sehr ansprechende Schau zur Zirbelkiefer eingerichtet. Wegen ihrer hervorragenden Anpassungsfähigkeit an den hochalpinen Raum gilt die Zirbe unter den Bäumen als die Königin der Alpen. Die sehr langsam wachsende Zirbe kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Der Oberhauser Zirbenwald von St. Jakob ist mit rund 300 Hektar Fläche der größte geschlossene Bestand der Ostalpen. Auch in anderen Almgebieten des Defereggentals ist dieser Baum häufig anzutreffen. Die Ausstellung informiert über den Bestand, das Wachstum und die biologischen Besonderheiten der Zirbe, über die Verwendung des Holzes und der Zapfen und die wohltuende Wirkung, die das Material entfalten kann. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass die spezifischen Inhaltsstoffe zu einer schonenden Herzfrequenz beim Menschen in der Nacht führen und damit zu einem gesunden Schlaf. Man sagt dem Holz auch nach, dass es Wetterfühligkeit entgegen wirkt, den Kreislauf harmonisiert und allgemein das Wohlbefinden stärkt. Im Alpenraum werden diese Eigenschaften der Zirbe schon lange geschätzt. Betten aus Zirbenholz und auch komplett damit ausgestattete Stuben sind aus diesem Grund weit verbreitet. Aus den Zapfen des Baums werden zudem Liköre und Schnäpse hergestellt.

Mit dem Taxi zur Rodelbahn

Nach dieser lehrreichen Etappe geht es nun weiter mit dem Spaß im Schnee. Auf dem Programm steht eine Rodelpartie. Der Ort verfügt über eine 1,5 Kilometer lange Rodelbahn. Eigens dafür gibt es ein Rodelbahn-Taxi, das an der Talstation Pötsch am Ende des Dorfes startet.

Das Traktor Shuttle

Praktisch: In St. Jakob können Einheimische und Gäste mit dem Traktor-Shuttle den Rodelberg hinauffahren. © Foto: Meike Nordmeyer

Das Shuttle besteht aus einem Traktor und einem von Holzwänden eingerahmten Anhänger. Auf der innen umlaufenden Holzbank können die Passagiere platznehmen. Gut festhalten ist da angesagt. Denn es ruckelt mächtig während der Fahrt. Das Gespann fährt zunächst zum unteren Punkt der Rodelbahn. Einige Schlitten stehen dort schon bereit. Sie wurden nach ihrem Einsatz auf der Bahn einfach seitlich abgestellt. Der Shuttle-Fahrer sammelt die Schlitten ein, schichtet sie sorgsam in die große Schaufel des Traktors, und lässt diese dann nach oben über das Fahrerhäuschen hinweghiefen. Direkt auf der Rodelbahn fährt das Gespann nun die Piste nach oben auf die Höhe von 1750 Metern und überwindet damit etwa 250 Höhenmeter.

Fahrt mit dem Traktor Shuttle

Ruckelig und doch sehr spaßig ist die Fahrt mit dem Traktor-Shuttle. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Fahrt mit dem Shuttle kostet nur 3 Euro, wenn genügend Passagiere mitfahren. Ansonsten wird entsprechend mehr pro Person berechnet. Tagsüber lässt sich das spezielle Taxi bei Bedarf telefonisch bestellen. Abends ist es während der Ski-Saison zu bestimmten Zeiten planmäßig im Einsatz und meist voll besetzt. Denn dann nutzen auch viele Skifahrer im Ort die Gelegenheit, nach dem Abendessen noch einen Ausflug zu unternehmen, den Berg hinaufzufahren, in einer der beiden Hütten einzukehren und später hinunterzusausen. Dafür ist die Bahn dann auch beleuchtet.

Eine Schaufel voller Schlitten

Eine Schaufel voller Schlitten bringt das Traktor-Shuttle den Berg hinauf zur Rodelbahn.
© Foto: Meike Nordmeyer

Tagsüber ist nur wenig los. Zwei Mädchen im Grundschul-Alter fahren im Shuttle mit und sind schon ganz zappelig vor lauter Vorfreude auf die Rodelpartie. Der Traktor fährt bis zur Hütte Alpen Stalle. Dort angekommen lässt der Fahrer die Schaufel wieder runter und lädt die Schlitten aus. Die Mädchen hüpfen aus dem Anhänger, suchen sich zwei Schlitten aus und laufen die wenigen Schritte zurück zum Beginn der Rodelbahn. Ich kehre erstmal in die etwas weiter unten liegende Hütte Rodel Alm Stalle ein. In der Stube rutsche ich auf eine der Holzbänke. Wände und Decke bestehen aus dunkelbraunen Balken, aus hellerem, leicht gelblichen Holz sind Tische und Bänke gefertigt. Beigefarbene Vorhänge rahmen die kleinen Fenster ein. Lange Eiszapfen sind draußen vor den Scheiben zu sehen. Ich bestelle erstmal Kaffee. Und zu essen? Ja, natürlich nochmal Schlipfkrapfen. Der Schnaps dazu kommt unaufgefordert. So gehört sich das auf der Hütte. Wirt Werner setzt sich zu mir und fragt, wo ich herkomme und wie lange ich schon in St. Jakob sei. Es ist nichts los am Mittag. Er hat Zeit zum Plaudern. „Beim nächsten Mal kommst du am Abend. Dann rocken wir die Bude“, lautet schließlich seine Empfehlung.

Meike rodelt

Aufsitzen und los geht der Rodelspaß!
© Foto: Meike Nordmeyer

Bevor ich aufbreche, packe ich mich wieder warm ein, ziehe den Reißverschluss meiner Jacke bis ganz nach oben, wickel den Schal um, streife Mütze und Handschuhe über. Draußen schnappe ich mir einen Schlitten, seine Kufen glänzen. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt gerodelt bin. Auf jeden Fall ist es lange her. Sofort kommt das Gefühl der Kindheit auf. Was für ein Riesenspaß! Die Kufen flitzen über den festen Schnee, beim Lenken in der ersten Kehre trudelt der Schlitten ein wenig und sucht sich auf dem leicht vereisten Stück seinen eigenen Weg. Das macht er gut und saust sicher weiter. Viel zu schnell geht die Rodelpartie vorbei. Am liebsten würde ich mich vom Traktor-Taxi direkt wieder hochbringen lassen. Doch mein Programm geht noch weiter. Also stelle ich den Schlitten an die Seite und laufe zurück ins Dorf.

Dort folgt am späten Nachmittag noch ein weiterer Programmpunkt: eine Schnapsverkostung. Heimo Macher, Inhaber des Hotel Macher, stellt Schnaps in verschiedensten Sorten her. Brand aus heimischen Früchten, Apfel, Birne oder Vogelbeere – und auch Zirbenschnaps ist dabei. Nun werde ich in Sachen Zirbe also auch die innere Anwendung erproben. Macher bestätigt die gesundheitsfördernde Wirkung. „Im Schnaps kommt das am allerbesten zur Geltung, darin sind die ätherischen Öle konzentriert enthalten und können am besten wirken“, so lautet seine Überzeugung. Einen besonders aromatischen, waldigen Geschmack hat der Brand. Ich mag das gern. Mir sagt die pure Variante als Brand mehr zu, als die zum Likör abgemildetere süßlichere Version, die Macher mir zum Einstieg angeboten hat. In Osttirol jedenfalls schwört man auf die Wirkung der Zirbe, ob in fester oder flüssiger Form. Auch ich bin längst überzeugt davon. In einem Bauernladen habe ich mir ein Kissen gekauft, das mit Spänen aus Zirbenholz gefüllt ist –  um auch zu Hause den guten Schlaf zu fördern. Eine Flasche Zirbenschnaps habe ich auch im Koffer. Ehrensache.

Beim Abflug aus Innsbruck bewundere ich noch einmal das Alpenpanorama. Wieder zieht das Flugzeug so nah an den verschneiten Felsen vorbei. Als es höher steigt, blicke ich auf den weißen Flausch dort oben und denke an das Gefühl auf Wolken zu gehen, das ich im Schnee gespürt habe.

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Mehr aus Osttirol
In einem weiteren Blogartikel zum Defereggental schreibe ich über meinen Besuch bei Holzschnitzer Erwin Leitner: Handgeschnitzter Grusel für die Krampuszeit

Weitere Informationen
In der Saison von Dezember bis März werden in Osttirol auf dem Gebiet des Nationalpark Hohe Tauern fast täglich Schneeschuh-Wanderungen angeboten. Die von den Rangern geführten Touren mit maximal zwölf Teilnehmern kosten 10 Euro pro Person inklusive Leih-Schneeschuhe. Auch Mondschein- und Laternenwanderungen sind regelmäßig im Programm. Nähere Infos

Das Traktor-Shuttle zur Rodelbahn in St. Jakob startet an der Talstation Pötsch, Maria Hilf. Telefon: +43 664 5600 863. Fahrt pro Person ab 3 Euro.

Die Ausstellung „Die Zirbe“ im Handelhaus in St. Jakob ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Besuch ist kostenfrei. Weitere Infos

Zur Reise nach Osttirol haben mich die Tirol Werbung GmbH und die Osttirol Werbung GmbH eingeladen. Gewohnt habe ich im Hotel Zedernklang.

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Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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3 Antworten auf Wie auf Wolken in Osttirol

  1. Wolfgang Rau sagt:

    Na, da möchte man(n) gleich losziehen. So viel Landschaft, Angebote und Kulinarisches …
    WR

  2. Andrea sagt:

    So schön geschrieben, liebe Meike! Obwohl es draußen endlich frühsommerlich wird, wünscht man sich beim Lesen deines Textes in den Winter und in den Schnee zurück.

  3. Hannes sagt:

    Sehr schöne und liebevoll erzählte Geschichte! =)
    Klingt als wäre es ein sehr gelungener Urlaub gewesen. Die Zirbe scheint dir immer wieder begegnet zu sein. Es freut mich zu hören, dass du so einen positiven Eindruck von diesem einzigartigen Holz bekommen hast. Egal ob in fester oder flüssiger Form ;).
    Ich selbst schwöre auch auf die heilende Kraft der Zirbe und finde ein Zirbenkissen eine gute Alternative, um sich die wohltuende Wirkung auch ins eigene Schlafzimmer zu holen.
    Freu mich mehr von dir zu lesen!
    Liebe Grüße
    Hannes

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