Das Lagomar auf Lanzarote – Omar Sharifs verlorenes Traumhaus

Grüner Teich im Lagomar
Das Lagomar, eine einzigartige Wohnanlage in einem ehemaligen Steinbruch in Nazaret auf Lanzarote. Der Name der Anlage verweist auf den Schauspieler Omar Sharif, der das Traumhaus ein paar Stunden lang besessen und beim Kartenspiel sogleich wieder verzockt hat. © Foto: Meike Nordmeyer

Ein türkisgrüner Teich im Innenhof, eingerahmt von hohen sandfarbenen Felsen, an die sich glatte weiße Mauern schmiegen – mit diesem bezaubernd schönen Anblick präsentiert sich das Lagomar in Nazaret auf Lanzarote dem Besucher nach dem Eintritt. Es ist ein Traumhaus, genauer gesagt eine Wohnanlage mit Innenhof, verwinkelten Pfaden und Treppen, Tunneln und Grotten, einer Aussichtsterrasse und einem Wasserfall. All das ist kunstvoll eingepasst in einen ehemaligen Steinbruch. Konzipiert und umgesetzt wurde die Anlage Anfang der 1970er-Jahre von César Manrique, dem berühmten Künstler der Insel, gemeinsam mit dem ebenfalls von dort stammenden Architekten Jesús Soto. Den Auftrag dafür gab damals der englische Immoblilienmakler Sam Benday.

Erst bei meinem dritten Besuch auf der so faszinierenden Kanareninsel schaffe ich es endlich, diesen besonderen Ort zu besuchen. Es gibt auf Lanzarote so viel zu sehen mit den Atelier- und Wohnhäusern von César Manrique in Tahiche und Haria, dem von ihm gestalteten Aussichtspunkt Mirador Del Rio und der Lavahöhle Jameos del Aqua. Und dabei sind es natürlich nicht nur die genial in die Insellandschaft eingepassten Werke von Manrique, sondern auch ganz unterschiedliche, traumhaft schöne Strände, der spektakuläre Nationalpark Timanfaya mit seiner Landschaft aus Vulkankratern und Lavafeldern, zudem das Weinanbaugebiet auf schwarzem Lavaboden und dazu eine Reihe schöner Ortschaften, die zum Besuch einladen, wie etwa das nah bei Nazaret gelegene Teguise. Das Lagomar ist zwar kein absoluter Geheimtipp mehr, aber es gehört auch nicht zu den Sehenswürdigkeiten, die an den ersten Stellen in der Rangfolge stehen, so war es auch bei mir. Um so mehr freue ich mich, dass beim dritten Aufenthalt auf der Insel nun noch ein Highlight auf meinem Programm steht, und so fahre ich gleich nach dem Frühstück in meinem Hotel an der Costa Teguise mit meinem Mietwagen nach Nazaret, um dort endlich das Lagomar zu besichtigen.

Lagomar - Ansicht von außen
Das Lagomar in Nazaret – die Ansicht von außen. © Foto: Meike Nordmeyer

Nur ein kleiner Wegweiser an einer weißen Mauer weist in die schmale Straße hinein, die von der Ortsmitte von Nazaret weiter hinauf zum Lagomar führt. Von außen sieht die Anlage schön aus mit den dort üblichen weißgetünchten, glatten Mauern, die sich vor braunen Felsen aneinanderreihen. Doch der Anblick ist eher unscheinbar und verrät noch nichts über die außergewöhnliche Gestaltung im Inneren. Schnell finde ich einen Parkplatz nicht weit entfernt vom Eingang. An einem Vormittag im November ist nur wenig los im Lagomar, so dass ich diesen Ort ganz in Ruhe besichtigen und auf mich wirken lassen kann.

Nach meinem Eintritt in die Anlage bleibe ich erst mal stehen und betrachte staunend den Innenhof mit dem grünen Teich. Dann laufe ich den Weg am Wasser entlang, gehe durch einen weißen Tunnel und weiter zum Treppenaufgang, der zu den oberen Etagen und den in die Felsen eingearbeiteten Räumen führt. Auf halber Höhe öffnet sich eine Freifläche voller Palmen, Kakteen und Pflanzen mit Blüten in kräftigen Farben – es ist bezaubernd schön.

Blütenmeer im Lagomar
Palmen und viele bunte Blüten säumen die Wege im Lagomar. © Foto: Meike Nordmeyer
Innenraum mit Treppe
Das halboffene Treppenhaus im Lagomar. © Foto: Meike Nordmeyer

Das Treppenhaus ist von weißen, sanft geschwungenen Mauern eingefasst, und deutlich ist hier der typische Stil von César Manrique zu erkennen. Außenflächen, halboffene Bereiche und ganz in den Felsen eingelassene Räume gehen hier ineinander über. Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche, alle mit Originaleinrichtung, sind hier zu besichtigen. Im Wohnzimmer hängt ein großformatiges Porträtfoto des Architekten Jesús Soto, der nach der Konzeption durch César Manrique maßgeblich mit der Ausführung und Fertigstellung der Anlage befasst war. Einige historische Fotos vom Entstehen des Gebäudes in dem Steinbruch hängen zudem an den Wänden im Treppenhaus und sind spannend anzuschauen.

Wohnzimmer im Lagomar
Wohnzimmer mit Ausblick im Lagomar. © Foto: Meike Nordmeyer

Noch eine Ebene weiter höher öffnet sich eine kleine Aussichtsterrasse. Diese gibt nicht nur den Blick auf einen kleinen Swimmingpool frei, der sich etwas unterhalb in ovaler Form wie ein hellblauer Edelstein auf einer schneeweißen Fläche zwischen braunen Felsen präsentiert. Die Terrasse bietet auch einen weiten Ausblick bis zum silbrig glänzenden Atlantik. Wer genau schaut, kann auch das einzige Hochhaus von Lanzarote erkennen, das in der Inselhauptstadt Arrecife steht.

Lagomar - Blick aufs Meer
Eine kleine Aussichtsterrasse des Lagomars bietet den Blick auf den silbrig glänzenden Atlantik. © Foto: Meike Nordmeyer

Die verwinkelten Gänge im Inneren führen schließlich auch in ein kleines Zimmer, in dem ein Spieltisch steht, auf dem einige Spielkarten liegen, als wäre hier gerade eben noch gezockt worden. An der Wand hängt eine groß aufgezogene Schwarz-Weiß-Fotografie. Sie zeigt Omar Sharif beim Kartenspiel in diesem Raum. Hier geschah es also, dass der Schauspieler das traumhaft schöne Haus, das er Stunden zuvor gekauft hatte, bei einer Partie Bridge wieder verlor. Sharif war in den frühen 1970er-Jahren zu Dreharbeiten für den Film „Herrscher einer versunkenen Welt“ auf die Insel gekommen, zu dieser Zeit war er längst ein Weltstar. Als er das Haus im Steinbruch kennenlernte, hat er sich sogleich verliebt in diese besondere Architektur. Nach dem Kauf des Traumhauses vom Besitzer und Immoblilienmakler Sam Benday forderte dieser den passionierten Bridgespieler Omar Sharif zu einer Partie auf. Was Sharif wohl nicht wusste: Es handelte sich bei dem Makler um den europäischen Meister des Spiels. Sharif nahm die Herausforderung an, offenbar siegesgewiss setzte er schließlich das frisch erworbene Traumhaus im Bridgespiel ein – und verlor. Das muss ein Schock für ihn gewesen sein. Er verließ die Insel daraufhin und kehrte nie wieder zurück.

Spieltisch im Lagomar
Wie gewonnen, so zeronnen – in diesem Raum im Lagomar zeigt ein groß aufgezogenes Foto das Bridgespiel, bei dem der weltberühmte Schauspieler Omar Sharif sein Traumhaus nach wenigen Stunden wieder verloren hat. © Foto: Meike Nordmeyer

Wer sich von diesem eindrucksvollen Raum wieder auf den Weg hinunter macht, sollte unbedingt nochmal zur linken Seite hin abbiegen zu einem etwas versteckten Nebentrakt. Dort gibt es einen verwunschenen kleinen Innenhof mit einem Wasserfall und einen weißen Tunnel voller Wasser, der sich auf kleinen Holztritten durchqueren lässt. Gespielt wird hier mit Elementen, die sich ähnlich auch im Atelier- und Wohnhaus von César Manrique in Tahiche finden.

Tunnel mit Trittflächen im Wasser
Übers Wasser laufen – das macht dieser weiße Tunnel im Lagomar möglich. © Foto: Meike Nordmeyer

Seit dem Jahr 1989 gehört das Lagomar dem deutschen Architekten Dominik von Boettinger und seiner aus Urugay stammenden Frau Beatriz van Hoff. Auch für das Ehepaar war es ein Traum, das außergewöhnliche Haus zu erwerben. Sie haben es renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, seit 1997 kann es besichtigt werden. Was für einen Gewinn bedeutet das nun für die Besucher der Insel.

Blick in den Innenhof
Der Blick von der erhöht gelegenen Weinbar in den Innenhof des Lagomars. © Foto: Meike Nordmeyer

Zwei Möglichkeiten bietet die Anlage zudem, den Besuch auch bei einem Getränk zu genießen. Unten am Teich gibt es ein kleines Café, wo sich eine Pause bei Kaffee und Kuchen anbietet. Ab mittags hat dort auch ein Restaurant geöffnet. Im vorderen Bereich führt seitlich an der Anlage zudem eine kleine Treppe hinauf zu einer Weinbar mit Café. Dort ein Heißgetränk oder ein Softgetränk einzunehmen – das ist sogar im Preis der Eintrittskarte enthalten. Es ist schön, dass man auf diese Weise auch an diesen Punkt gelockt wird, den man sonst vielleicht übersehen würde. Die Bar bietet einen schönen Ausblick auf den Innenhof und damit eine gute Gelegenheit, die Besichtigung bei einem Kaffee oder einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

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Ich habe das Lagomar im Rahmen einer privaten Urlaubsreise nach Lanzarote besucht. Die gesamte Reise auf die Kanareninsel habe ich selbst finanziert, ebenso wie den Mietwagen und den Besuch des Lagomars.

Öffnungszeiten
Museumsbetrieb: Das Lagomar ist zur Besichtigung täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 6 Euro, für Kinder 2 Euro. (Stand: Januar 2021)

Restaurant, Bar und Apartment im Lagomar
In der Anlage gibt es auch ein Restaurant und eine Bar, die unabhängig vom Museumsbetrieb zum Besuch einladen. Öffnungszeiten des Restaurants: dienstags bis sonntags von 12 bis 23.30 Uhr. Die Bar „La Cueva“ ist von dienstags bis sonntags ab 18.30 Uhr bis spät in die Nacht geöffnet. Zudem gibt es im Lagomar ein Apartment, in das man sich zu Übernachtungen einmieten kann. Dazu gehört auch der kleine Swimmingpool. (Stand: Januar 2021)
Weitere Infos und Buchung über die Webseite des Lagomars

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