Rezept: Gofio-Creme – ein süßer Gruß von den Kanaren

Gofio-Creme Serviervorschlag
Gofio-Creme mit Frischkäse – ein Lieblingsdessert von mir. Kirschen und Schokoladenflocken schmecken gut dazu und geben der optisch eher unauffälligen Creme tolle Farbakzente – wer kann da schon widerstehen? © Foto: Meike Nordmeyer

Gofio – es hat einen lustigen Namen dieses Mehl. Kennengelernt habe ich es auf Fuerteventura. Allerdings nicht in einem Restaurant, sondern in einem Museum. Im Centro de interpretacion Los Molinos, einem kleinen Mühlenmuseum in Tiscamanita im Zentrum der Insel, steht eine traditionelle Windmühle, die einst zum Mahlen von Getreide errichtet wurde. Der gesamte historische Hof mit Windmühle kann besichtigt werden, und an bestimmten Tagen wird die Mühle sogar in Betrieb vorgeführt. Die begleitende Ausstellung informiert über die Geschichte des Getreideanbaus auf Fuerteventura und über das typische Gofio-Mehl, jenem auf den Kanaren nach wie vor viel verwendeten Mehl, das aus gerösteten Getreide, und zwar aus Weizen, Gerste oder Mais hergestellt wird.

Getreide-Mühle auf Fuerteventura
Eine schöne alte Windmühle für Getreide auf Fuerteventura – sie gehört zum Centro de interpretacion Los Molinos. Ich habe das Mühlenmuseum in Tiscamanita an einem Tag im März besucht, an dem wechselhaftes Wetter auf der Insel herrschte. Zwischendurch schien zwar mal die Sonne, aber es zogen sich immer wieder die Wolken zusammen und schütteten heftigen Regen hinab. Auch das gibt es auf Fuerteventura, wenn auch nicht sehr oft. © Foto: Meike Nordmeyer

Gofio hat einen würzigen, je nach Sorte auch leicht nussigen Geschmack, und da es geröstet wird, ist es nicht mehr roh und kann in Speisen eingerührt und so direkt verzehrt werden. Es ist nahrhaft und sättigend, enthält Vitamine, Proteine und Mineralien. Auf den Kanaren wurde es schon als Super-Food geschätzt, als es diese neumodische Bezeichnung noch gar nicht gab. Bauern haben früher oftmals einen kleinen Vorrat von dem Mehl als Proviant zur Arbeit auf dem Feld mitgenommen. In ihrer Pause haben sie es mit Wasser verschmischt und verzehrt. Das war praktisch, weil diese schnell hergestellte Masse Energie gab und satt machte, so wurde es mir im Museum erzählt.

Eine Mitarbeiterin des Museums führt dort zudem die einfache Zubereitung des Gofio-Mehls mit Olivenöl, Wasser, Zucker und Salz zu einer weichen Substanz vor – die schmeckt als kleiner Energiesnack erstaunlich gut, dafür dass sie aussieht wie braune Knetmasse. Aber natürlich gibt es noch jede Menge andere Gerichte mit Gofio auf den Kanaren zu probieren, als Einlage in eine Fischsuppe etwa ist es oft zu finden oder es gibt auch diverse Süßspeisen, bei denen es gemeinsam zum Beispiel mit Mandeln und Honig angerichtet wird. Gerade so eine Dessert-Variante hat mich sehr interessiert. Ich fand das mit dem Gofio-Mehl sehr spannend und habe mir direkt im Museum eine Packung davon gekauft. Dort bekam ich die Version aus Weizen, die jetzt auch Bestandteil in meinem Rezept ist.

Nach der Reise ging es wie so oft: Als ich nach Hause kam, landete das Mehl im Vorratsschrank und dort habe ich es erstmal vergessen. Erst nach ein paar Monaten habe ich es wiederentdeckt und dann hat es mich gepackt. Ich habe angefangen, mich einzulesen über das Mehl und habe nach einem Rezept für ein Gofio-Dessert bei Pinterest geschaut. Diverse Rezepte habe ich dort gefunden. Mit den ersten beiden, die ich ausprobierte, war ich jedoch nicht so zufrieden. Vor allem die übliche Zubereitung mit Eischnee war mir lästig. Dann muss man auch immer direkt schauen, wie man zusätzlich das Eigelb verwertet. Und das Dessert ist damit auch nicht so gut haltbar. Hm, naja, so lange hält so etwas Leckeres sowieso nicht bei mir. Aber egal – ich habe trotzdem angefangen, eigene Varianten ohne Ei auszuprobieren. Von einem bewährten Rezept einer Himbeertorte mit Frischkäse-Creme habe ich mich anregen lassen. Ausgehend von dieser Frischkäse-Creme, die mir immer schon so gut geschmeckt hat und an der ich bei der Zubereitung der Torte immer naschen musste, habe ich nun also mein eigenes Rezept einer Gofio-Creme entwickelt. Ich finde es jetzt genau richtig so und das Ergebnis traumhaft lecker. Und dabei ist es ganz einfach zuzubereiten.

Zutaten für die Gofio-Creme
Die Zutaten für die Gofio-Creme auf einen Blick. Das Dessert ist schnell zusammengerührt. Die Packung Mehl, die ich vor einiger Zeit in dem Mühlenmuseum auf Fuerteventura kaufte, hat sich schon ziemlich geleert, wie hier zu sehen ist. Ich habe mittlerweile schon einige Rezepte mit Gofio ausprobiert und auch erstmal mehrere Varianten der Creme getestet, bis ich meine Lieblingsversion nun hier präsentiere.  © Foto: Meike Nordmeyer


Meikes Gofio-Creme – die Zutaten
1 Packung Frischkäse (300 g)
1 Tasse Puderzucker
3 Teelöffel Gofio-Mehl (aus Weizen)
1 Teelöffel Rohrzucker
2 Teelöffel gemahlene Mandeln
1/2 Teelöffel Zitronensaft
1/2 Becher süße Sahne (100 g)

Die Zutaten ergeben etwa 3 Portionen.

Die Zubereitung
Den Frischkäse und die Tasse Puderzucker in eine Rührschüssel geben und mit dem Mixer schaumig rühren. Dann das Gofio-Mehl, den Rohrzucker, die gemahlenen Mandeln und den Zitronensaft hinzugeben. Wenn alles gleichmäßig mit dem Mixer verrührt ist, dann widmet ihr euch der Sahne. Diese in einem separaten Gefäß schlagen, bis sie fest ist. Dann vorsichtig mit dem Löffel unter die Creme unterheben. Fertig! Die Creme nun entweder sofort verzehren oder bis zum Genuss in den Kühlschrank stellen.

Was die Optik angeht, wirkt die blasse Gofio-Creme recht unscheinbar. Daher ist es schön und auch lecker, sie dekorativ zu ergänzen. Sehr gut schmecken dazu Schokoraspel und Kirschen und die Kombi sieht auch besonders gut aus, wie auf dem Foto oben zu sehen ist. Auch mit Bananenscheiben und Schokoraspeln schmeckt die Creme toll.

Noch ein Tipp: Wer gerade mal wieder eine überreife Banane zu Hause rumliegen hat und diese verarbeiten muss, kann die auch in kleine Stücke schneiden und mit dem Mixer unter die Creme rühren. Also bevor die Sahne dazu kommt. Die weiche Banane verbindet sich wunderbar mit der Creme und gibt noch eine zusätzliche Geschmacksnote. Dann eventuell etwas weniger Rohrzucker hinzugeben oder den ganz weglassen, denn die reife Banane bringt auch einiges an Süße mit.

Gofio-Mehl einkaufen
Eine wichtige Frage ist natürlich noch, wo bekomme ich das Gofio-Mehl her? Am besten ist natürlich, ihr bringt es euch von einem Kanaren-Urlaub mit, denn auf den Inseln ist es in jedem Supermarkt zu bekommen. Aber dazu ist natürlich nicht immer die Gelegenheit. In Deutschland bekommt man das Gofio nicht einfach im Supermarkt, auch im Bio-Markt oder Reformhaus hat man nur gelegentlich Glück und entdeckt es im Regal. Aber im Internet ist es leicht zu finden, es gibt mehrere Online-Shops mit Kanaren-Produkten, die verschiedene Gofio-Sorten im Sortiment haben. Noch ein Hinweis: Um das Gofio für Süßspeisen zu verwenden, ist es wichtig, eine Sorte ohne Salz (sin sale) einzukaufen. Denn es gibt auch Sorten, die mit Meersalz versehen werden.

Dann kann es also bald losgehen mit der Gofio-Creme. Ich wünsche viel Genuss damit! Aber Vorsicht – es besteht eine gewisse Suchtgefahr.
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Den Besuch des Mühlenmuseums in Tiscamanita habe ich auf einem Landausflug nach Fuerteventura im Rahmen einer Kreuzfahrt mit Aida unternommen. Zu der Recherchereise bin ich von Aida Cruises eingeladen worden.

Mehr Infos über das Centro de interpretacion Los Molinos in Tiscamanita 

Mehr Informationen zum Gofio-Mehl finden sich auf der Seite Gofio.de, auf Tenerrifa News oder auch auf einer Themen-Seite von Wunderweib

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