Irres Seifenkistenrennen in Wuppertal – faszinierende Streetart

Krokodil beim Seifenkistenrennen - Streetart in Wuppertal
Ein Krokodil crasht beim Seifenkistenrennen – ein Mural von Streetart-Künstler Birne an der Hügelstraße in Wuppertal Oberbarmen. © Foto: Meike Nordmeyer

Ein Krokodil, ein Hai und Donald Duck ist auch dabei – ein völlig irres Seifenkistenrennen sorgt in Wuppertal, im Stadtteil Oberbarmen, für Aufmerksamkeit. In einem zweiteiligen Stadtteilprojekt ist in den Jahren 2015 und 2016 jede Menge Streetart entstanden. Diese findet sich an der Hügelstraße, neben der dortigen Hauptschule, an einem Durchgang zu einem Parkplatz, an den dortigen Mauern im Hinterhof sowie an einem von dort über eine längere Treppe zu erreichenden Fußweg, der zur Hildburgstraße hinaufführt. Vor allem der zweite Teil des Projektes, der das Seifenkistenrennen auf seiner Zielgerade oder kurz davor zeigt, hat beeindruckende große Murals unten an der Hügelstraße entstehen lassen. Fünf große Flächen auf Hauswänden oder Mauern sind dort bemalt oder besprüht worden und zeigen hochwertige, fantasievolle Arbeiten voller gewitzter Details, geschaffen von verschiedenen Künstlern in verschiedenen Stilen. Ich bin überrascht von der Fülle, die mich dort erwartet und absolut begeistert, sodass ich vor Ort und Stelle beschließe, diesen Blogartikel daraus zu machen. Denn einfach nur ein paar Bilder davon in den Social Media zu posten, die dann in der Timeline schnell wieder in der Versenkung verschwinden – das ist viel zu schade, so ist mir gleich klar.

Beim Seifenkistenrennen - Junge mit Straße im Kopf
Wenn die Straße durch den Kopf führt – Streetart von Christian Bolte an der Hügelstraße in Wuppertal Oberbarmen. © Foto: Meike Nordmeyer

Dabei hatte mich ein solches Posting bei Twitter zu dieser schönen Entdeckung gebracht. Denn dort sah ich in einem Tweet das folgende Bild von Donald Duck und seinem knuffigen rot-blauen Auto, das gerade eine üble Panne hat, die den Enterich zur Verzweiflung bringt. Dieses Bild sei in Wuppertal aufgenommen, so war im Tweet zu lesen. Da merkte ich sogleich auf. Es hatte mir so gefallen, dass ich nachfragte, wo genau es aufzuspüren sei. Da kam der Hinweis auf die Hügelstraße und ich bin bei nächster Gelegenheit dorthin gefahren. Ich freute mich darauf, ein so schönes Stück Streetart mit Donald Duck zu fotografieren und stand auf einmal vor dieser ungeahnten Vielfalt an großen Streetart-Bildern. Was für eine Überraschung!

Donald Duck und sein Auto
Schwitz, grummel, jammer, was für eine Panne! Das Bild von Donald Duck und seinem rot-blauen Auto hat mich zur Hügelstraße gelockt und mich dort noch viel mehr Streetart entdecken lassen. Das Donald-Wandbild stammt von Matthias Gephart. © Foto: Meike Nordmeyer

Eins steht fest: Mit dieser Panne wird der arme Donald die Zielgerade des Rennens nicht mehr erreichen. Dort geht es ohnehin gerade sehr turbulent zu, wie die gegenüberliegende Hauswand zeigt. Während dort eine große Sprühdose auf die Teilnehmer der Rallye wartet, setzt gerade ein großes Segelschiff mit Flügeln und Kanonen auf der Straße auf und zerschmettert den Asphalt – eine eindrückliche Komposition haben die Künstler Flying Förtress und Felix Gephart da gemeinsam geschaffen.

Auf der Zielgeraden des Seifenkistenrennens
Chaos an der Zielgeraden des Seifenkistenrennens – das Werk auf der großen Hauswand haben die Künstler Flying Förtress und Felix Gephart gemeinsam gestaltet. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Idee, an dieser Stelle in Oberbarmen ein Seifenkistenrennen darzustellen, hatte der Wuppertaler Kommunikationsdesigner und Streetart-Künstler Dominik Hebestreit, der seine Streetart mit dem Künstlernamen Birne kennzeichnet. Im Rahmen des Programms „Soziale Stadt Oberbarmen / Wichlinghausen“ wurde ein Streetart-Projekt von der Stadt Wuppertal ausgeschrieben. Hebestreit hat die dafür vorgesehenen Örtlichkeiten daraufhin genauer angeschaut, ein Konzept dafür entwickelt und eingereicht. Auf meine Nachfrage hin erzählt er von der Ideenfindung: „Dem Ort hat damals ohne die Bemalung das Leben und etwas Dynamisches gefehlt. Der Eindruck, der sich mir damals bot, war trist und grau. Da eine Schule und eine Kindertagesstätte an den Weg angrenzen, war für mich klar, dass ein Konzept entwickelt werden sollte, das junge Menschen anspricht. Ein Seifenkistenrennen bot für alle beteiligten Künstler genug Spielraum, um lustige Szenerien zum Thema zu entwerfen und umzusetzen. Der Weg sollte zu einer Rennstrecke werden, Spaziergänger zu Zuschauern des Rennens.“ Hebestreits Vorschlag überzeugte, bekam den Zuschlag und so wurde das Projekt mit diesem Thema in den Jahren 2015 und 2016 nach und nach umgesetzt. Gemeinsam mit Hebestreit wirkten folgende Künstler an dem Projekt mit: Christian Bolte, Martin Heuwold (Megx), Felix Gephart, Matthias Gephart, Angus78, Crille, Sprayboy 69 und Flying Förtress.

Filmdreh beim Seifenkistenrennen
Das Seifenkistenrennen ist so ein großes Ereignis, da ist natürlich auch ein Fernsehteam dabei, um vom Geschehen zu berichten – Streetart an der Hügelstraße, erstellt von Birne. © Foto: Meike Nordmeyer

Die gestalteten Wände, die auf meinen Fotos bis hierhin zu sehen sind, stammen alle vom zweiten Teil des Projektes, der unten an der Hügelstraße umgesetzt wurde. Es sind dort noch viel mehr Motive und Details zu entdecken, ich kann hier gar nicht alles zeigen. Also unbedingt mal selber hinfahren und alles anschauen!

Zudem empfiehlt es sich natürlich auch, den ersten Teil des Projektes, nämlich den Start des Seifenkistenrennens und seinen anfänglichen Verlauf zu erkunden. Dafür muss man einfach über den Parkplatz laufen und dann die Treppen hinaufsteigen. Da sind so einige Stufen zu erklimmen. Oben angekommen folgt ein Fußweg, der weiter zur Hildburgstraße hinaufführt. Entlang dieses Weges verläuft auf einer und teilweise auch auf beiden Seiten jeweils eine Mauer, die ebenfalls bemalt und besprüht sind und so den Anfang der verrückten Rallye zeigen.

Hai in der Seifenkiste - Streetart von Megx
Ein grinsender Hai in seinem schnittigen Gefährt ist auch beim Seifenkistenrennen dabei – Streetart vom Künstler Megx / Martin Heuwold an der Mauer, die den Fußweg hinauf zur Hildburgstraße säumt. © Foto: Meike Nordmeyer

Auch dort sind gewitzte, fantasievolle Stücke zu finden. Im Rahmen eines Graffiti-Workshops gestalteten seinerzeit auch Jugendliche aus dem Stadtteil Oberbarmen einen Teilabschnitt dieser Mauer, wodurch sich nochmal ein ganz anderer Dukuts ergibt. Leider finden sich hier auch schon ein paar verunstaltende Schmierereien, die hinzugekommen sind. Aber es lohnt sich auf jeden Fall auch hier oben den ersten Abschnitt des Projektes anzuschauen. Am Beginn steht ebenfalls eine Sprühdosen-Figur parat und schwenkt die Startflagge. Zu sehen sind verschiedenste Teilnehmer am Rennen mit ihren Gefährten, wie beispielsweise ein Gorilla auf einem Bobby-Car, ein Hase auf einem Skateboard, zwei Außerirdische in ihrem Ufo, ein breit grinsender Hai in einem Rennwagen und andere originelle Wesen, die auf der Piste unterwegs sind und am Fußgänger vorbeisausen oder taumeln.

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Zum Weiterlesen und Schauen

Webseite von Dominik Hebestreit / Birne

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