Le Havre – strenge Linien, weiße Vulkane und bunte Container

Le Havre
Ein mymeilengram mit neun Bildern von Le Havre. © Fotos: Meike Nordmeyer

Es ist mal wieder Zeit für ein mymeilengram. Dieses Mal zeigt mein Bilderbogen neun Fotos aus Le Havre. Ich habe einen Vormittag in der Hafenstadt in der Normandie verbracht und war sehr beeindruckt von dem kurzen aber intensiven Besuch. Besonders ins Auge fällt sogleich die Skulptur aus bunten Containern, die ich oben rechts im Fotomosaik zeige. Sie bildet einen Reigen aus bunten Farbtupfern in der Silhouette der Stadt, die ich vom Hafen aus erstmals erblicke. Ich schaue auf Le Havre vom Deck eines Kreuzfahrtschiffes, das von Dover aus über Nacht die Stadt angesteuert hat und früh am Morgen dort anlegt. Ich bin eine Woche mit der Costa Mediterranea auf der Route „Metropolen Westeuropas“ unterwegs. Ein Foto vom Bug der Mediterranea ist daher auch unten rechts in dem mymeilengram zu sehen und daneben der Blick vom Außendeck des Schiffs auf die Stadt.

Am Tag zuvor habe ich einen Landausflug von Dover aus nach London unternommen. Nun wäre von Le Havre aus die Bustour nach Paris und damit zur nächsten Metropole Westeuropas möglich. Doch ich wähle ein Alternativprogramm und schaue mir am Vormittag Le Havre an. Ab Mittag folgt dann ein Ausflug nach Honfleur, in den auf der anderen Seite der Seine-Mündung gelegenen Ort mit seiner malerischen Altstadt. Das erweist sich als eine tolle Kombination, bei der ich zwei interessante und ganz unterschiedliche Orte kennenlerne.

Herausragende Architektur in Le Havre

Dass Le Havre eine unterschätze Stadt ist und für Architekturfans viel zu bieten hat, das habe ich bereits gehört und bin deswegen so neugierig darauf. Die gesamte Architekturanlage von Le Havre wurde im Jahr 2005 zum Weltkulturerbe erklärt, und das als bislang einziges Stadtensemble des 20. Jahrhunderts in Europa. Endlich kann ich mir das nun also anschauen, mir zumindest einen ersten Eindruck davon verschaffen. Nachdem Le Havre im 2. Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört wurde, ist der renommierte Architekt und Städteplaner Auguste Perret mit dem Wiederaufbau der Hafenstadt beauftragt worden. Mit seinen beiden Brüdern Claude und Gustave und einem Team von 60 Architekten entwickelte er ein neues Le Havre und setzte den Wiederaufbau in der Zeit von 1945 bis 1954 um. Er entwarf lange Straßenachsen, gesäumt von Häuserblocks in Beton, in den der kleingemahlene Schutt der zerstörten Häuser sortiert nach verschiedenen Farbtönen und Strukturen eingearbeitet wurde. Mit der Beimischung von Glassplittern, Kies und Sand entstanden ganz unterschiedliche Betonoberflächen. Eine rasterartige Anlage der Stadt in strengen Linien und mit vielfältigen räumlichen Bezügen hat der als „Betonpoet“ bezeichnete Architekt Perret mit seinem Team entworfen und dabei besonders auf das Licht dieser Stadt am Meer geachtet. Auf dass es besonders eingefangen werde in den Sichtachsen und dass es scheinen könne durch die breiten Boulevards. Raumhohe Fensterflächen sorgen dazu auch für viel Licht in den Innenräumen der Häuser.

Als ich mit dem Shuttlebus vom Hafen im Zentrum ankomme, stehe ich nach wenigen Schritten vor einem Fischgeschäft, das eine Plastikwanne mit großen roten Krebsen vor seinem Laden positioniert hat – das sind wieder solche Farbtupfer, die wirkungsvoll die Blicke auf sich lenken. So gehört das Foto auch dazu und fand seinen Platz in dem mymeilengram. Ich laufe nun erstmal weiter zum Rathausplatz, wo die klare Formsprache der Architektur von Perret besonders deutlich wird. Ein Bild von dem Platz ist oben links im Fotomosaik eingesetzt, das daneben zeigt die typischen Wohnblocks. Diese sind auf dem folgenden großen Bild auch nochmal im Gegenlicht zu sehen.

in Le Havre
Klare Linien und Formen, sprudelndes Wasser und das besondere Licht einer Stadt am Meer – ein faszinierendes Zusammenspiel in Le Havre. © Foto: Meike Nordmeyer

Weiße Vulkane von Oscar Niemeyer

Doch nun muss ich zu den weißen Vulkanen laufen! Denn eine Sensation in Le Havre ist das Architekturensemble, das der brasilianische Star-Architekt Oscar Niemeyer geschaffen hat und das 1982 eingeweiht wurde. Es besteht aus zwei markanten, glatten Bauköpern aus Beton in Form von einem großen und einem kleinen Vulkan. Dazu verbinden glatt gestrichene Mauern das Ensemble, und Treppen führen hinunter zu einem Platz zwischen den Vulkanen. Betörend wirken die schneeweiß gestrichenen, kühn geschwungenen Betonwände vor dem hellblauen mit weißen Flockenwolken bestücktem Himmel. Ein überraschend verspieltes Element bildet dazu die riesige Hand aus Bronze, die aus der Betonwand des großen Vulkans herausragt und von der Wasser hinunterplätschert in ein flaches Becken. Die fließenden Linien von Niemeyer bilden den perfekten Kontrast zu der streng geometrisch angelegten Architektur von Perret, von der sie eingerahmt werden. Es ist fantastisch anzusehen.

Im Jahr 2014 ist das von Niemeyer geschaffene Gesamtwerk auf diesem Platz restauriert worden, und so präsentiert es sich im hervorragenden Zustand. Von Beginn an ist ein Theater in dem großen Gebäude und seit 2015 im kleinen Vulkan eine öffentliche Mediathek untergebracht. Ich bin beeindruckt von diesem Ensemble, laufe immer wieder herum, um es aus allen Blickwinkeln zu bestaunen und zu fotografieren. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Drei Bilder davon habe ich in der mittleren Reihe des Fotomosaiks platziert.

Gerne hätte ich noch mehr Zeit für diese spannende Stadt. Doch schon bald wird es für mich Zeit, zurück zur Haltestelle des Shuttlebusses zu gehen. Ich muss zum Kreuzfahrtschiff zurückfahren, denn von daaus startet der Ausflug nach Honfleur. Eins ist mir klar: Ich muss nochmal wiederkommen nach Le Havre. Dann möchte ich zu den Hängenden Gärten hinaufsteigen, denn sie müssen einen tollen Ausblick auf die Stadt und den Hafen bieten. Und ich will zu dem Sandstrand laufen, den ich dieses Mal nur am Abend beim Auslaufen des Kreuzfahrtschiffes aus der Ferne anschauen kann. Ich hoffe, dass sich bald wieder eine Gelegenheit ergibt, Le Havre zu besuchen. Dann werde ich vom Strand aus den Schiffen beim Auslaufen zusehen.

Ausfahrt aus Le Havre
Ausfahrt bei trüben Himmel und Nieselregen, doch trotzdem schön. Vom Kreuzfahrtschiff aus bietet sich ein guter Blick auf den Yachthaften und auf den Sandstrand, der sich 2 Kilometer weiter hinauszieht bis zu den hohen Klippen, die sich vor dem Ärmelkanal auftürmen. © Foto: Meike Nordmeyer

 

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Ich bin von Costa Kreuzfahrten zu der einwöchigen Kreuzfahrt mit der Costa Mediterranea auf der Route „Metropolen Westeuropas“ eingeladen worden. Diese Reise bot mir die Gelegenheit zur Besichtigung von Le Havre und am Nachmittag zu einem Ausflug nach Honfleur. Ein weiterer Bericht von der Kreuzfahrt folgt noch.

Die Route der Kreuzfahrt mit der Costa Mediterranea
An Bord gegangen bin ich in Amsterdam. Die Kreuzfahrt führte dann nach Zeebrügge (für Landausflüge nach Brüssel oder auch beispielsweise nach Brügge und Gent), dann ging es weiter nach Dover (Landausflug nach London), nach Le Havre (Landausflug nach Paris möglich) und nach einem Seetag nach Hamburg. Am nächsten Tag legte die Mediterranea in Bremerhaven an, wo ich von Bord gegangen bin. Auch eine Weiterfahrt zurück nach Amsterdam wäre möglich gewesen. Mehr Infos zu der Route auf der Webseite von Costa.

Mehr Blogartikel zu Kreuzfahrten oder Touren mit Fährschiffen finden sich in folgender Rubrik: meikeknoten – auf dem Wasser unterwegs

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Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.

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