Leuchttürme in Bremerhaven – eine Fahrradtour

Bremerhaven Leuchtfeuer Nordmole
Das Leuchtfeuer auf der Nordmole der Geestemündung in Bremerhaven. Vom Weserstrand bietet sich ein besonders guter Blick auf den schönen Turm. © Foto: Meike Nordmeyer

Am Strand der Weser spiegelt sich das Himmelsblau im Watt und mitten darin ein kleiner Leuchtturm mit roter Laterne. Die Weser spendiert der Großstadt Bremerhaven einen kleinen, schönen Sandstrand. Von dort aus bietet sich ein besonders guter Blick auf die Nordmole, die an dieser Seite die Mündung der Geeste in die Unterweser einrahmt. Der Backsteinbau auf der Mole wird zwar nur als Leuchtfeuer bezeichnet, doch dieser präsentiert sich stolz als kleiner Leuchtturm wie aus dem Bilderbuch.

Nur ein kleines Stück weiter im Stadtgebiet wird die Unterweser bereits zur Außenweser und fließt nur wenige Kilometer weiter in die Nordsee. Die Weser folgt in Bremerhaven schon deutlich dem Wechsel von Ebbe und Flut, den das Meer vorgibt. Und so entsteht bei Ebbe auch ein kleines Stück Watt am Strand. Ein strahlender Sonntagmorgen beginnt für mich so am Weserstrand, an den es mich noch vor dem Frühstück gezogen hat. Was ein schöner Leuchtturm und ein bisschen Sonnenschein nach trüben Tagen nicht alles bewirken können. Ich freue mich nun noch mehr auf die Fahrradtour am Nachmittag, die mich zu einigen weiteren Leuchttürmen in Bremerhaven führen wird. Noch ein letzter Blick auf Weser und Watt und dann trabe ich zurück zum Hotel The Liberty am Neuen Hafen, um mich beim Frühstück für den Tag zu stärken.

Guide Ulrich Keller
Guide Ulrich Keller stellt auf einer Fahrradotur die Leuchttürme in Bremerhaven vor. Er erzählt auch von der Figur Hein Mück, dem Matrosen mit Akkordeon, der vor der Touristen Info Hafeninsel steht und auch an anderen Punkten in der Stadt anzutreffen ist. © Foto: Meike Nordmeyer

Am Nachmittag treffe ich Guide Ulrich Keller vor der Touristen Info Hafeninsel, um mit ihm auf Fahrradtour zu gehen. Er hat zwei E-Bikes für uns reserviert. Zwar ist die Gegend so nah an der Küste flach, aber so eine Tour verlangt auch, mal eben auf einen Deich hochzuradeln. “Und der Wind, der kommt immer wieder aus einer anderen Richtung. Da ist man froh über ein E-Bike”, erklärt Keller. Da bin ich ganz seiner Meinung.

Bevor wir losradeln, stellt mir Keller noch die Figur von Hein Mück vor, die vor der Touristen Info aufgestellt ist. Der Matrose mit Akkordeon ist eine Bremerhavener Kunstfigur. Auf welche reale Person diese sich konkret beziehen könnte, dazu kursieren in der Stadt verschiedene Versionen und die lassen sich wohl nicht abschließend klären. “Na, so ist das eben”, meint Keller und lacht. Dabei ist der 70-Jährige auch selbst als ein Bremerhavener Original anzusehen, auch wenn er gebürtig aus Schleswig kommt und seine Jugendjahre auf Föhr verbracht hat. Er ist als junger Mann als Matrose zur See gefahren und hat sich hochgearbeitet. Acht Jahre war er bei der Bundesmarine, absolvierte dann ein Nautikstudium und war anschließend 29 Jahre als Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei in Außenweser und Deutscher Bucht im Dienst. Heute ist er Pensionär, singender Seebär, Maler und Touristenführer. Als Matrose und Touristenführer ist er beispielsweise auch an Bord der „Dicke-Pötte-Tour“ im Einsatz. Bevor wir starten mit den Rädern, verspricht er mir noch, zum Abschluss unserer Tour ein Lied über Hein Mück zu singen und dann geht es auch schon los zum ersten Leuchtfeuer.

Die erste Station ist der weitläufige Willi-Brandt-Platz vor der Bäderkaje, denn dort steht das markante rot-weiße Unterfeuer Bremerhaven. Der rund 22 Meter hohe Turm wurde im Jahr 1893 errichtet. Im Volksmund erhielt er aufgrund seiner Form den Spitznamen Minarett und der erklärt sich von selbst. Seitlich vom Unterfeuer fallen sogleich die Mauer mit der großflächigen Aufschrift Willy-Brandt-Platz ins Auge und auch die künstlichen Felsen dahinter. Mit den Felsbausteinen wird der kleine “Zoo am Meer” eingerahmt, ein Themenzoo mit Spezialisierung auf wasserlebende und nordische Tierarten. Auch Eisbären leben beispielsweise dort. Es ist der kleinste wissenschaftlich geleitete Zoo Europas.

Unterfeuer von Bremerhaven
Es gibt viele Leuchttürme in Bremerhaven. Das Unterfeuer auf dem Willy-Brand-Platz vor der Seebäderkaje gehört auch dazu. © Foto: Meike Nordmeyer

Im Hintergrund auf dem obigen Foto ist zudem ein Semaphor zu sehen. Der fast 20 Meter hohe Zeichenträger mit den großen Buchstaben B und H daran steht auf der anderen Seite der Schleuseneinfahrt zum Neuen Hafen, die am Ende des Platzes entlangführt. Der Semaphor zeigt weithin sichtbar die Windstärke und die Windrichtung von Borkum und Helgoland an. Die entsprechenden meterologischen Daten werden vom Deutschen Wetterdienst alle zwei Stunden online gesendet.

Simon-Loschen-Leuchturm in Bremerhaven
Ein prächtiges Bauwerk: Der Simon-Loschen-Leuchtturm am Neuen Hafen. © Foto: Tanja Mehl / Erlebnis Bremerhaven

Wir fahren nun zum Ende des Platzes, biegen nach rechts ab und radeln an der Hafeneinfahrt und seitlich am Zoo entlang. Nachdem wir dann die Schleuse zum Neuen Hafen überquert haben, halten wir vor dem  Simon-Loschen-Leuchtturm, einem Wahrzeichen von Bremerhaven. Der rund 39 Meter hohe Backsteinbau im reich verzierten neugotischen Stil mit grüner Laterne stammt von 1853 und ist der älteste Festland-Leuchtturm an der Nordseeküste. Der seitlich angebrachte Ausleger mit Kugeln und Seelaternen diente als Anzeige für Sturmwarnungen.

Doch leider ist dieser besonders schöne Leuchtturm für mich nicht in seiner ganzen Pracht zu sehen, denn zu der Zeit meines Aufenthaltes in Bremerhaven ist der obere Teil des Bauwerkes zur Restauration blickdicht eingerüstet. Daher zeige ich hier kein eigenes Foto, sondern eins vom Leuchtturm ohne Gerüst, das mir Erlebnis Bremerhaven freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Pingelturm in Bremerhaven
Auch ein Schmuckstück: Der Pingelturm in Bremerhaven © Foto: Meike Nordmeyer

Weiter geht es dann zum Lohmanndeich. Guide Keller radelt voraus und ruft schnell nach hinten: “Achtung, das E-Bike jetzt auf eine höhere Stufe stellen, es geht hinauf auf den Deich!” Ein guter Tipp, der rechtzeitig kommt, denn natürlich ist es hilfreich, beim Hinaufradeln unterstützt zu werden. Unweit vom Deich, östlich an der Mole zur Einfahrt des Kaiserhafens steht der Leuchtturm Kaiserschleuse, der von den Einheimischen nur Pingelturm genannt wird. Das Bauwerk von 1900 ist nur etwa 15 Meter hoch, aber ebenfalls ein Schmuckstück mit seinem Korpus aus rotem und weißem Stein, von dem sich die grüne Laterne absetzt. Eine Besonderheit ist die große, außen angebrachte Glocke für das Nebelsignal.

Woher der Spitzname Pingelturm kommt, frage ich Guide Keller. Er vermutet, dass dieser sich auf die markante Glocke bezieht. Hm, da bleiben bei mir ja Fragen offen. Später googele ich dazu und werde bei Wikipedia fündig: Pingel ist ein Wort aus der mittelniederdeutschen Sprache, das so viel bedeutet wie Klingel, Glöckchen, kleine Schelle.

Museumsstück: Unterfeuer Sandstedt
Zu den Leuchttürmen in Bremerhaven gehört auch ein Museumsstück: das Unterfeuer Sandstedt. © Foto: Meike Nordmeyer

Vom Pingelturm führt die Strecke unserer Tour nun erstmal wieder zurück, am Neuen Hafen entlang, diesmal aber an der Innenstadtseite.  Es geht vorbei an den großen Museen der Havenwelten, dem Deutschen Auswandererhaus, dem Klimahaus Bremerhaven und dann auch am Deutschen Schifffahrtsmuseum entlang. Auf dem Gelände vor dem Schifffahrtsmuseum finden sich einige historische maritime Objekte, die auch zur Ausstellung gehören. Da bietet sich ein kurzer Stopp an, denn dabei ist auch ein ausgedientes Leuchtfeuer, das Unterfeuer Sandstedt. Eine Infotafel gibt Auskunft: Das Seezeichen wurde 1898 gebaut und stand bis 1981 auf dem Deich bei Sandstedt, eine Ortschaft, die rund 20 Kilometer südlich von Bremerhaven liegt. Das Unterfeuer ist etwa 11 Meter hoch und in seiner Ausführung typisch für den damaligen Leuchtfeuerbau an der Unterweser.

Von diesem Standpunkt aus am Ende der Havenwelten ist es nun nicht mehr weit bis zur Nordmole der Geestemündung. Doch der Weg auf die Nordmole ist leider gesperrt, bis zum Leuchtfeuer darauf können wir nicht radeln. Die Fotos vom Absperrzaun aus hinüber zum Leuchtfeuer sind auch nicht sonderlich lohnend. Wie gut, dass ich das schöne Stück schon am Morgen vom Weserstrand aus fotografiert habe. Doch es ergibt sich später, nach einigen anderen Etappen und Schlenkern der Fahrradtour, noch eine andere interessante Perspektive auf die Mole. Es bietet sich der Blick über die Geestemündung hinweg auf die Unterweser und damit auch auf die Nord- und die Südmole und die beiden unterschiedlichen Leuchtfeuer, die darauf stehen.

Leuchtfeuer an der Nordmole und der Südmole
Die beiden unterschiedlichen Leuchtfeuer an der Nordmole und der Südmole der Geestemündung © Foto: Meike Nordmeyer

Die Leuchtfeuer sichern auf beiden Seiten die Einfahrt von der Unterweser in den Geestevorhafen und zum Fischereihafen, der seitlich davon über eine Schleuse zu erreichen ist. Der aus Backstein errichtete Turm auf der Nordmole stammt von 1914. Für das Gegenstück auf der Südmole war seinerzeit Geestemünde zuständig, damals eine eigene Gemeinde und noch nicht ein Stadtteil von Bremerhaven. Dort hatte man nicht so viel Geld für das Bauwerk, daher ist es auch, als es 1924 nochmal erneuert wurde, wieder nur eine einfache Gitterbake mit einer Laterne darauf geworden, so berichtet Guide Keller.

Unsere Fahrradtour führt schließlich auch noch zum Fischereihafen, ein Abstecher dahin darf natürlich nicht fehlen bei einer Stadtrundfahrt. Dort gibt es noch zwei weitere Leuchttürme zu sehen. Das ist zum einen das Oberfeuer mit 44 Metern Höhe in markanter, funktionaler Form mit zwei auf der Spitze stehenden roten Kegeln als Toppzeichen. Auch dieses Leuchtfeuer hat seinen Spitznamen erhalten. Ausgehend von dem zweifachen Kegelzeichen wird es Doppelkorn genannt.

Oberfeuer Fischereihafen
Das Oberfeuer im Fischereihafen von Bremerhaven reckt sich hinter dem Ausflugsschiff Hansa in die Höhe. © Foto: Meike Nordmeyer
Kleiner Leuchtturm im Fischereihafen
Leuchtturm auf Rädern im Fischereihafen: An diesem maritimen Büdchen gibt es vorzügliche Fischbrötchen. © Foto: Meike Nordmeyer

Und dann steht da noch ein weiterer Leuchtturm, ein kleiner, bauchiger, ebenfalls in Rot-Weiß. Der sieht putzig aus und erfüllt dabei eine sehr wichtige Aufgabe: Denn an seiner Theke sind vorzügliche Fischbrötchen zu bekommen. Die Versorgung mit Fischbrötchen ist an der Küste eine wirklich wichtige Funktion. Und da ist es natürlich gut zu wissen, wo dieses sehr hilfreiche und schöne Büdchen zu finden ist.

Vom Fischereihafen geht es nun wieder zurück zum Anfangs- und Endpunkt der Tour an der Touristeninfo Hafeninsel. Die Fahrradtour mit Touristenführer Keller hat großen Spaß gemacht. Es gibt viele, ganz unterschiedliche Leuchttürme zu sehen und für so Landratten wie mich auch einige nautische Details zu lernen, die der Guide in seine Erläuterungen locker einflechtet und auf Nachfrage auch gerne noch genauer erklärt. Das sorgt für so manchen Aha-Effekt. Auch über die anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt, über die verschiedenen Bereiche des Hafens, die historischen Schiffe, über Brücken, Museen, Institute und einige Details der Stadtgeschichte berichtet Keller. Und zum Abschluss erklingt auch noch das versprochene Ständchen. Fröhlich und mit kräftiger Stimme trägt der Seebär das Lied von Hein Mück aus Bremerhaven vor: “Er ist ein Matrose, mit ‘ner weiten Hose. Die Mädchen sind außer Rand und Band, seh’n sie Hein Mück von der Waterkant.”

Leuchttürme in Bremerhaven
Eins ist klar, die Fahrradtour “Hein Mück kiekt Leuchttürme” in Bremerhaven mit Guide Ulrich Keller lohnt sich. Derzeit ist zwar Winterpause, aber im Frühjahr geht es damit wieder los. Die Tour dauert etwa 3 Stunden und die Strecke ist rund 15 Kilometer lang. Teilnehmen lässt sich entweder mit dem eigenen Fahrrad, oder es kann dafür ein Fahrrad oder ein E-Bike bei der Touristeninfo gemietet werden.
Weitere Infos zur Tour finden sich auf der Webseite von Erlebnis Bremerhaven. Dort gibt es im Frühjahr wieder die Angabe zu den neuen Terminen sowie zu der möglichen Teilnehmerzahl (auch abhängig von der Pandemie-Situation), zur Buchung sowie zu den Preisen für die Tour und für Mietfahrräder, wenn gewünscht.

_____________

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung 2021 der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ) habe ich für ein verlängertes Wochenende Bremerhaven besucht. Unterstützt wurde der Aufenthalt in der Seestadt mit touristischem Programm von Erlebnis Bremerhaven. Zu der Fahrradtour “Hein Mück kiekt Leuchttürme” bin ich zur Recherche eingeladen worden. Die Anreise mit der Bahn nach Bremerhaven sowie die Übernachtungen im Hotel The Liberty habe ich selbst finanziert.

Mehr über Bremerhaven lesen
Polarforschung in Bremerhaven – Streetart macht neugierig

Mehr Leuchttürme gibt es hier zu sehen
Leuchttürme in Travemünde – alt, hochhaushoch und verspielt
Leuchttürme – Wegweiser und Schmuckstücke am Meer
Große Liebe – Leuchttürme und Windmühlen
Am Kemnader See – auch das Ruhrgebiet kann Leuchtturm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.