Die Stadt der weltberühmten Schwebebahn hat auch tolle Türme zu bieten. Hier kommen Tipps für eine Türmetour in Wuppertal.

Ob Rapunzel wohl mal ans Fenster kommt? Genauso muss er ausgesehen haben, der Turm der eingesperrten Prinzessin mit dem langen, enorm tragfähigen Haar. Das denke ich jedesmal, wenn ich in meiner Heimatstadt Wuppertal, im Stadtteil Elberfeld auf der Kaiserhöhe, oder genauer gesagt in der Parkanlage auf dem Nützenberg spazieren gehe und zu dem Platz komme, auf dem der Weyerbuschturm steht. Das so märchenhaft anmutende Bauwerk von 1898 hat einst der Elberfelder Knopffabrikant und Stadtverordnete Emil Weyerbusch der Stadt für die Parkanlage gestiftet. Knopffabrikant! Auch das ist so ein Detail, das meine Fantasie anregt. Ob der Herr immer ein paar lose Knöpfe zur Ansicht und Inspiration in seiner Jackentasche gehabt hat? Ob er mit der Hand in der Tasche gedankenverloren mit den Knöpfen spielte, wenn er spazierenging oder wenn er auf der kleinen Aussichtsterrasse des von ihm gestifteten Turms stand und zufrieden über die Baumwipfel und die Dächer von Elberfeld schaute? So stelle ich es mir jedenfalls vor.
Diesen besonders schönen Turm möchte ich euch hier vorstellen als besonderen Tipp für euren nächsten Ausflug ins Bergische Land. In Wuppertal ist natürlich eine Fahrt mit der Schwebebahn ein Muss. Aber das weiß ja jeder schon. Mit dem Weyerbuschturm hingegen verrate ich euch hier einen echten Geheimtipp für den Besuch der Stadt. Denn an dem Turm kommt man auf den üblichen touristischen Pfaden nicht vorbei. Man kann ihn auch nicht von Weitem sehen, denn das Bauwerk ist mit seinen rund 35 Metern gar nicht so hoch. Der Weyerbuschturm ragt allenfalls mit seiner Spitze über die Bäume in seinem Umfeld hinaus. Man muss also schon wirklich einen Spaziergang hinauf zum Nützenbergpark unternehmen. Und ich kann euch versichern, auch nicht alle Wuppertaler kennen den hübschen Turm. Wenn ich davon erzähle oder ein Bild davon poste, bekomme ich manchmal überraschte Rückfragen von Wuppertalern, wo dieses Schmuckstück in ihrer Stadt denn zu finden sei.
Wenn man den Nützenberg erklommen hat, dann kann man das gute Stück aber nicht verfehlen. Denn wer auf den Wegen durch den Wald dort wandelt, kommt auch bald auf dem kleinen Platz an, auf dem sich der Weyerbuschturm findet. Direkt neben dem Bauwerk toben Kinder auf einem Spielplatz. Ich bin mir sicher, dass sie den Turm als eine märchenhafte Ausstattung ihres Spielbereichs betrachten.

Der Nützenbergpark befindet sich im Westen von Elberfeld und bildet eine grüne Oase mitten im Stadtgebiet. Solche Parks und Waldstücke hat Wuppertal viele zu bieten, wie auch die Hardt, die Königshöhe, den Nordpark oder auch die Barmer Anlagen. Damit zählt Wuppertal zu den grünsten Großstädten Deutschlands. Auch in den anderen Parks finden sich noch schmucke Türme, davon zeige ich unten noch drei weitere.
Doch erstmal noch mehr zum Weyerbuschturm, der auf einer Höhe von 259 Metern über NN und etwa 115 Meter über der Talsohle von Elberfeld steht. Der Turm ist 25 Meter hoch, bis zur Spitze sind es 35,5 Meter. Die Aussichtsplattform befindet sich auf 20,5 Metern Höhe. 119 Stufen führen zur Aussichtsplattform hinauf. Eine kleine Infotafel, die an seinem Sockel angebracht ist, informiert genauer über die Entstehung der Parkanlagen und den Aussichtsturm sowie über das Leben und Wirken des Stifters Emil Weyerbusch. Dort ist auch zu lesen, dass die ursprünglich offenen Balkone des Turmzimmers unterhalb der Aussichtsplattform im Jahr 1945 von den englischen Besatzungstruppen für eine Funkstation zugemauert wurden. Bei der Renovierung 1981/82 sind sie von der Stadt Wuppertal verschiefert worden. So erhielt das Bauwerk seine heutige Gestalt.

Damit gibt es jedoch so einige Probleme. Nachdem im Jahr 2008 Teile des Dachs hinabgefallen waren, musste das Gebäude geschlossen und vorerst eingerüstet werden. Es zeigte sich, dass eine umfassende Renovierung erforderlich ist. Ein Aufstieg auf den Turm ist seitdem für Besucher*innen leider nicht mehr möglich.
Nachdem der Märchenturm damit erstmal eine ganze Weile lang im Dornröschenschlaf lag, wird er nun seit einiger Zeit aufwändig saniert. Mithilfe von Fördermitteln des Bundes konnte begonnen werden, die Schäden am Trag- und Mauerwerk sowie an den Fenstern und Türen zu beheben. Außerdem soll der Turm wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, also ohne zugemauerte Balkone. Die Sanierung erwies sich jedoch mehrfach schon als deutlich schwieriger als gedacht, die Fertigstellung verschiebt sich zeitlich immer wieder nach hinten. Derzeit geht das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal davon aus, dass der Weyerbuschturm im Juli 2027 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann. Das ist zwar noch lange hin, aber es sind immerhin endlich gute Aussichten für das besondere Bauwerk!

Ein Besuch im Nützenbergpark – oder auf der Kaiserhöhe, wie die Wuppertaler in etwas ungenauer Zuordnung sagen – lohnt sich aber trotzdem. Denn der Anblick des Weyerbuschturms ist einfach bezaubernd und er bietet sich natürlich auch als reizendes Fotomotiv an. Hat er vielleicht auch das Zeug zum Instagram-Hotspot? Bislang ist es dort diesbezüglich eher ruhig. Und das darf auch gerne so bleiben. Ich mag es dort besonders an schönen Sommerabenden. Auf den Bänken am Turmplatz lässt sich dann lange die Abendsonne genießen.
Wie kommt man zum Turm?
Hinweise, wie der Weyerbuschturm zu erreichen ist, finden sich am Ende des Artikels.
Noch mehr Türme in Wuppertal
Und weil es so schön ist, mache ich gleich mal weiter mit den Türmen. Denn Wuppertal hat nicht nur den Weyerbuschturm zu bieten, sondern noch einige weitere schöne Türme. In dem untenstehenden Reisequartett habe ich die vier schönsten zusammengebracht. Neben dem Weyerbuschturm ist oben links der elegante Elisenturm zu sehen, der auf der Hardt steht, einer zentralen Parkanlage im Stadtteil Elberfeld. Außerdem findet sich in diesem Park auch noch der etwas klobige Bismarckturm. Auch der Botanische Garten lädt auf der Hardt zum Besuch ein. Dieser ist auch der Grund, warum auf dem Foto vom Elisenturm im Vordergrund so ein markantes Gewächs zu sehen ist. Es handelt sich dabei um eine Schmucktanne aus Chile, wie auf einem kleinen Hinweisschild an ihrem Stamm zu lesen ist.

Das Bild unten links im Reisequartett zeigt den Von-der-Heydt-Turm auf der Königshöhe, ein ebenso romantisches Bauwerk wie der Weyerbuschturm, das in einem anderen Waldstück im Westen von Elberfeld und dort noch wesentlich versteckter zwischen den hohen Bäumen steht. Und ja – Kaiserhöhe und Königshöhe und zwei ähnliche Türme, da kommen auch die Wuppertaler*innen gelegentlich mal durcheinander.
Schließlich das Bild unten rechts im Fotoquartett: Auf den Südhöhen des Stadtteils Barmen am oberen Rand der Barmer Anlagen thront der Toelleturm, der 26 Meter hoch ist und den höchsten Standpunkt der hier gezeigten Türme auf 330 Metern über NN aufweist. Der Elisenturm und der Toelleturm können übrigens zu bestimmen Zeiten von Besucher*innen bestiegen werden und bieten ihnen dann tolle Ausblicke über Wuppertal. Vom Toelleturm geht der Blick bei gutem Wetter sogar weit über das Stadtgebiet hinaus, einerseits ins Bergische Land hinein bis nach Radevormwald und Remscheid, andererseits kann der Blick auch bis nach Düsseldorf reichen. Es lohnt sich also, in Wuppertal auf Türmetour zu gehen!
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Dieser Blogartikel über die schönen Wuppertaler Türme wurde im März 2025 im Hinblick auf die Sanierung des Weyerbuschturms und die zeitlich weiter verschobene Fertigstellung und Wiedereröffnung erneut aktualisiert. Und nur der Vollständigheit halber hier auch der Hinweis: Der Beitrag ist ohne Einladung oder Auftrag entstanden.
Zum Weyerbuschturm laufen oder fahren
Zu Fuß vom Zentrum Elberfeld kann man einen ausgedehnten Spaziergang zum Nützenbergpark unternehmen. Das ist aber tatsächlich noch ein ganzes Stück zu laufen und führt vor allem mächtig bergauf. Von der Briller Straße aus kann man in die Sadowastraße einbiegen und hochlaufen, dann erreicht man direkt das untere Ende des Parks. Aber Achtung, die Straße ist wirklich steil. Etwas weiter, aber angenehmer ist es, die länger gestreckte Katernberger Straße hinaufzugehen, dann nach links in die Straße Am Buschhäuschen einzubiegen. (Ein Schild weist dort zum Sportplatz Kaiserhöhe, der auch oben im Park liegt.) Nach etwa 150 Metern führt auf der rechten Seite die Straße In den Schörren (Anfangs noch Anliegerstraße, schon bald nur Fußweg) in die Parkanlage hinein. Der Weg windet sich weiter hinauf, diesem muss man folgen und sich immer links halten.
Die Anfaht mit dem Auto ist auch über die Straße Zum Buschhäuschen möglich. In dieser an der Straße In den Schörren vorbeifahren und nach etwa 150 Metern nach rechts abbiegen. An der Stelle steht auch nochmal ein Straßenschild, das auf den Sportplatz Kaiserhöhe verweist. Es geht dort in einer engen Kurve hinauf und dann noch ein Stück in den Park hinein. Dort gibt es dann einige Parkplätze im Waldgebiet. Von daaus sind es nur noch wenige Schritte hinauf bis zum Weyerbuschturm.
Mit dem Linienbus kann man zum Beispiel vom Hauptbahnhof oder auch vom Robert-Daum-Platz aus mit der Linie 601 bis zur Haltestelle Otto-Hausmann-Ring fahren. Das ist bequem, denn die Haltestelle liegt schon weit oben auf dem Berg. Dann einfach ein Stück weiter in Fahrtrichtung gehen, links in die Kriegerheimstraße einbiegen und diese durchgehen bis zum Park, oder vorher nach links durch den Hackmannweg. Das bleibt zum Turm in etwa gleich.
Zum Weiterlesen zu den Türmen:
Mehr Infos zu den Aussichtstürmen in Wuppertal
finden sich auf der Webseite der Stadt
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