Schau genau! Streetart sorgt für schöne Augenblicke

Streetart zeigt drei Augenblicke
Augenblicke – Streetart, die ich in Leeuwarden, Gent und Bonn entdeckt habe. © Fotos: Meike Nordmeyer

Schon beim Frühstück packt mich die Reiselust. Während ich in meinen Toast mit Frischkäse und Marmelade beiße, schaue ich auf den Spruch, der auf dem Frühstücksbrettchen zu lesen ist: „Jeder schöne Augenblick ist eine Perle, die wir auf die Kette unseres Lebens fädeln.“ Das Brettchen mit dem Spruch des Bielefelder Autors Jochen Mariss habe ich vor einiger Zeit auf einer Kreuzfahrt  geschenkt bekommen. Es ist maritim gestaltet, in der typischen Farbkombination blau-weiß und passend dazu sind kleine Anker ergänzt. Das wirkt – so denke ich gleich an viele Augenblicke auf meinen Reisen, ob auf Kreuzfahrten oder anderen Touren. Denn es ist ja klar: Auf Reisen lassen sich besonders gut schöne Augenblicke sammeln, da diese Zeit auf viele Erlebnisse angelegt ist. Dafür entfliehen wir dem Alltag, reisen in eine andere Umgebung, an Lieblingsorte oder in noch unbekannte Länder, ob in der Nähe oder in der Ferne. Es zieht uns in reizvolle Landschaften und interessante Städte, wir suchen Erholung, aber vor allem auch viele neue Eindrücke. Ja, und dann kommen die in diesen Tagen gesammelten Erinnerungen in unser inneres Schatzkästchen. Wir fädeln sie wie Perlen zu einer Kette auf – das ist ein schönes Bild.

Frühstücksbrettchen mit Spruch
Das Frühstücksbrettchen wirkt – da fange ich gleich an zu sinnieren und bekomme Reiselust. © Foto: Meike Nordmeyer

Aber nicht nur im übertragenen Sinne lassen sich auf Reisen unvergessliche Augenblicke sammeln, sondern auch im ganz wörtlichen Sinne. Dafür sorgt die Streetart, die an so vielen Orten zu finden ist und die mich immer sehr erfreut. Ich zeige hier ein paar Beispiele aus meinem Fotoarchiv. Im Bild oben habe ich drei solcher Streetart-Augenblicke zusammengestellt. Das Auge auf dem Stromkasten habe ich in Leeuwarden im niederländischen Friesland entdeckt. Das Bild daneben hat mich von einer Wand im flämischen Gent angeschaut. Das markante Augenpaar darunter findet sich auf einer Mauer in Bonn. Die großflächige von dem Künstlerteam „Lackaffen“ im Sommer 2019 gefertigte Arbeit ist eine Referenz an den Komponisten Ludwig van Beethoven, den großen, weltberühmten Sohn der Stadt. Da schaut unverkennbar ein Gigant von der Wand.

Hauswand mit Augenblicken
Eine Hauswand mit Augenblicken an der Straße Lange Reihe in Hamburg. Das Werk von 2017 stammt von den Graffiti Brothers Nulon & Fusion. © Foto: Meike Nordmeyer

Und noch ein weiteres Bild von meinen Reisen kann ich hier ergänzen: Bei einem Spaziergang durch Hamburg vor einiger Zeit bin ich auch durch die Straße Lange Reihe gelaufen. Das ist eine bunte, lebendige Meile nah beim Hauptbahnhof, durch die sich ein Bummel immer lohnt. Dort ist mir eine Hauswand mit gleich mehreren Augenpaaren aufgefallen, gestaltet wurde sie von den Graffiti Brothers Nulon & Fusion. Das zeigt einmal mehr, dass Augen und Blicke ein beliebtes und immer wirkungsvolles Motiv der Streetart bilden.

Auge auf den Boden gemalt
Ein schöner Augenblick im Herbst am Ölberg in Wuppertal. © Foto: Meike Nordmeyer

Doch nicht nur auf Reisen, auch in der eigenen Stadt lassen sich besondere Augenblicke erleben und sammeln. Man muss ihnen nur die Gelegenheit dazu geben und mit wachem Blick durch die Straßen streifen. Dieses mit Kreide gemalte Auge habe ich schon vor drei Jahren im Herbst am Ölberg entdeckt, dem schönen, kreativen Stadtviertel, in dem ich in Wuppertal wohne. Das verstreute Herbstlaub am Boden hat den Anblick besonders verziert. Ich weiß nicht, wer das Auge auf den Weg gemalt hat, und ich habe auch nicht herausgefunden, worauf der Pfeil verweisen soll, wo er die Passanten hinlocken möchte. So galt mir dieser Fund am Boden einfach als ein allgemeiner, sehr gelungener Hinweis darauf, aufmerksam zu sein beim Weitergehen. Das Bild sagte mir ganz einfach: Schau genau – nicht nur auf Reisen, auch im Alltag gibt es genug Entdeckungen zu machen.

Und während ich hier an diesem Blogartikel arbeite und die Fotos zusammenstelle, schaue ich zwischendurch mal bei Instagram rein, und da sehe ich ein neues Posting von dem Wuppertaler Streetartler Gangeule. Gemeinsam mit der Künstlerkollegin Bona_Berlin, die gerade in der Schwebebahnstadt zu Besuch war, hat Gangeule ein neues Piece an der Wuppertaler Nordbahntrasse in der Nähe der Briller Straße gestaltet und postet nun ein Bild davon auf seinem Instagram-Account. Ich sehe es gleich: Das passt gut zu meinem Artikel. Also ziehe ich direkt los, um ein Foto davon zu machen. Der angegebene Ort ist nicht weit entfernt von meiner Wohnung, in einer Viertelstunde kann ich dahin laufen. Wie schön! So habe ich auch eine ganz aktuelle Arbeit dabei, die so einige verschiedene Blicke zusammenfügt.

Streetart mit Gesicht und Eulen
Streetart an der Nordbahntrasse in Wuppertal Elberfeld – eine Gemeinschaftsarbeit der Künstler Gangeule und Bona_Berlin. © Foto: Meike Nordmeyer

So hat der Blick auf mein Frühstücksbrettchen diesen Blogartikel angeregt. Und beim Heraussuchen der Fotos habe ich es ständig gespürt: Die Reiselust ist groß, ich muss wieder losziehen und auf Tour gehen. Doch erstmal bleibt es nur bei kleinen Entdeckertouren in die Umgebung oder sogar nur bei sehnsuchtvollen Ausflügen in mein Fotoarchiv, denn die Reisen müssen derzeit warten. Das drängende Fernweh lässt mich unterdessen an ein Stück Streetart denken, das ich im vergangenen Sommer in der Universitätsstadt Leuven in Flandern entdeckt habe. Ich mag es ganz besonders, wohl auch deswegen, weil ich mich darin in gewisser Weise wiederfinde. Alles im Blick und volle Fahrt voraus – es gibt noch so viel zu entdecken!

Streetart - Mädchen auf Entdeckertour
Alles im Blick und bereit für neue Entdeckungen – ein Lieblingsbild, das ich an einer Mauer in der Universitätsstadt Leuven in Flandern entdeckt habe. © Foto: Meike Nordmeyer

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