Auf der Suche nach der erfüllten Zeit auf Reisen

Wenn wir auf Reisen sind, fühlt sich die Zeit anders an. Sie rast nicht so vorbei wie eine Arbeitswoche, in der sich ein hektischer Tag an den anderen reiht und viele davon sehr gleich sind. Die Tage einer Reise sind voll von neuen Eindrücken und daher werden sie als erfüllte Zeit empfunden und sind besonders wertvoll. Es sind Tage, an die wir uns noch lange sehr genau erinnern, weil sie intensiv erlebt wurden. Und nicht selten ergibt es sich da, dass wir auch dem Thema Zeit begegnen, in Form von einem Kunstwerk, einer gewitzten Gestaltung eines Schaufensters oder auch explizit in einem Museum – genannt sind damit die drei Beispiele, die ich hier zeigen möchte.

Zeitfeld - Skulptur in Düsseldorf
Zeitfeld – eine Installation mit 24 Uhren von Klaus Rinke am westlichen Eingang des Volkspark in Düsseldorf. © Foto: Meike Nordmeyer

Manchmal reicht auch schon ein kleiner Ausflug oder sogar nur ein Abstecher nach einem dienstlichen Termin, um den Alltag zu entfliehen und in diesen Modus der intensiver erlebten Zeit zu kommen. Daran wurde ich einmal mehr erinnert, als ich kürzlich in Düsseldorf nach dem Besuch einer Konferenz den verbliebenen sonnigen Spätnachmittag genutzt habe, um endlich einmal das “Zeitfeld” aufzusuchen, ein Kunstwerk von Klaus Rinke, das am Eingang des Düsseldorfer Volksparks platziert ist. Es entstand anlässlich der Neugestaltung des Volksparks zur Landesgartenschau 1987.

Zu diesem “Zeitfeld” wollte ich immer schon mal hinfahren und nun stehe ich ganz fasziniert vor dieser Installation, die aus einem Feld von 24 auf Stahlstäben 6 Meter hoch aufragenden Bahnhofsuhren besteht, die auf einer Wiese aufgestellt sind. Sie zeigen alle exakt die aktuelle Uhrzeit an, dafür stehen sie über Funk mit der Braunschweiger Atomuhr in Verbindung. Doch so genau die Uhren auch sind, sie lassen sich nicht alle gleichzeitig wahrnehmen und ablesen. Der Blick lässt sich immer nur auf verschiedene Gruppen der Uhren fokusieren. Und während ich schaue, hin- und herlaufe und das Kunstwerk aus verschiedenen Blickwinkeln betrachte, ist schon wieder etwas von der Zeit vergangen, die da vielfach so genau angezeigt wird. Und dann haben sich die Zeiger auf den Zifferblättern unausweichlich schon wieder etwas weiter bewegt.

Obwohl die Uhren auf einer Wiese stehen, lassen sie mit ihrem typischen Zifferblatt in dem ikonischem Design der Bahnhofsuhren aber auch sogleich an den Anblick auf einem Bahnsteig denken. Es ist dieses Warten auf den eintreffenden Zug, an den sie mich unmittelbar erinnern. Und dann denke ich an dieses selige Gefühl, gleich in den Zug zu steigen und eine Reise zu beginnen. Das Kunstwerk, das in seinem Aufbau so klar und einfach ist, erweist sich als ungeheuer wirkungsvoll. Es weckt Assoziationen und sorgt für gedankenvolle Momente.

Wecker im Vogelkäfig
Die Zeit im Käfig – gewitzte und hintersinnige Schaufensterdekoration in der Altstadt von Brügge © Foto: Meike Nordmeyer

Auch eine gewitzte Schaufensterausstattung in der flämischen Stadt Brügge konnte das bei mir bewirken. Ich entdeckte sie beim Bummeln durch die Altstadt und blieb überrascht stehen. Im Fenster eines Bistros zeigte sich eine originelle Dekoration hinter einer großflächigen Fensterscheibe. Zwei nostalgische Vogelkäfige waren da aufgestellt – vollgestopft mit alten Weckern. Ob sich die Zeit so einfangen und festhalten lässt? Wohl kaum. Aber zumindest kann es wohl helfen, diesen lärmenden Weckern gelegentlich mal Einhalt zu gebieten, wenn sie uns immer wieder an den Arbeitstagen so unsanft aus dem Schlaf klingeln und damit zum Tagewerk kommandieren. Soll das hier in dem Schaufenster eine Mahnung und eine Einladung zum Pausieren sein? Für einen Überaschungseffekt und ein kurzes Innehalten hat die Dekoration auf jeden Fall gesorgt.

Wer über die Zeit sinniert, tut auch gut daran, an die Zukunft zu denken. Wie wollen wir leben in der Zukunft? Was kommt da wohl auf uns zu und wie können und wollen wir die kommende Zeit gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das “Futurium” in Berlin, ein Museum, das eine interaktive Ausstellung zu wichtigen Zukunftsthemen wie Klima, Wohnen, Ernährung und Technologie präsentiert. Das Futurium lädt ein in drei große Denkräume zu den Themenfeldern Technik, Mensch und Natur.

Zeit im Raum im Futurium
Zeit im Raum – Installation im Museum “Futurium” in Berlin © Foto: Meike Nordmeyer

Im Themenbereich Mensch geht es natürlich auch um die Zeit und um die Frage, was für einen Umgang mit der Zeit wir uns vorstellen und wünschen in der Zukunft. Ein eigener Raum ist dafür gestaltet und erinnert in der Vielzahl der Uhren an das “Zeitfeld” in Düsseldorf. Allerdings zeigen die einzelnen Uhren dort unterschiedliche Zeiten an, denn es geht im Futurium um verschiedene Möglichkeiten der Ausgestaltung und darum bezeichnet es sich auch selbst als ein “Haus der Zukünfte”.

Ein Besuch im Futurium ist auf jeden Fall ein sehr lohnender Programmpunkt für einen Aufenthalt in Berlin, für den sich der Reisende Zeit und Aufmerksamkeit nehmen sollte. Denn das außergewöhnliche Museum ist nicht bloß ein Ort zum durchlaufenden Besichtigen, sondern als ein Mitdenkhaus zu verstehen. Es liefert Informationen, Ausblicke und viele Fragen zu neuen Technologien, Konzepten und Lebensentwürfen und bietet damit jede Menge Denkanstöße.

Sehr spannend ist übrigens auch der Raum, der zum Thema Robotik informiert. Und zur Einstimmung darauf werden die Besucher:innen schon vor dem eigentlichen Ausstellungsbereich von Roboter Pepper charmant begrüßt. “Hallo Menschlein”, ruft er den Personen zu, die in sein Blickfeld kommen. Ich bin ja schon länger verliebt in den kleinen weißen Kerl mit den großen Kulleraugen und habe auch schon einen eigenen Blogartikel über Pepper und generell über meine Begegnungen mit Robotern auf Reisen geschrieben. Dort könnt ihr also gleich weiter lesen von meiner Zeit auf Reisen.

 

Weitere Informationen
Das Futurium ist in einem imposanten Gebäude am Alexanderufer nahe beim Berliner Hauptbahnhof untergebracht. Der Eintritt in das Museum ist frei. Der Andrang an Besucher:innen ist groß, daher bilden sich oft Warteschlangen vor dem Futurium.  Mehr Infos über das Futurium

Zum Weiterlesen

Mehr über mein Zusammentreffen mit Pepper:
Roboter auf Reisen – Begegnungen der besonderen Art

Um einen besonderen Moment in Riga geht es hier:
Ach, die Zeit – Innehalten in Riga

Mehr über Brügge berichte ich in diesem Artikel:
Geheimtipp für Brügge: die Adornes-Domäne – eine Zeitreise

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Der Ausflug zum Kunstwerk “Zeitfeld” in Düsseldorf ergab sich spontan im Anschluss an einen dienstlichen Besuch einer Konferenz. Der Aufenthalt in Berlin war ein Privatbesuch bei einer Freundin. Eine Einladung bestand bei dieser Reise nicht. Die Entdeckung der besonderen Schaufenstergestaltung in Brügge habe ich auf einer Recherchereise gemacht, zu der ich von Visit Flandern eingeladen wurde.

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