Tiger & Turtle in Duisburg – eine Achterbahn für Fußgänger

Skuptur Tiger & Turtle
Das begehbare Kunstwerk Tiger & Turtle ist eine Achterbahn für Fußgänger. Es macht riesig Spaß, darauf herumzulaufen – und das im ganz eigenen Tempo. © Foto: Meike Nordmeyer

Wenn das meist graue, nasskalte Winterwetter mal wieder auf die Stimmung drückt und die Sehnsucht nach Frühling immer größer macht, dann hilft es, schon mal Pläne zu schmieden für schöne Ausflüge. Die stehen dann wieder an, sobald das Wetter milder wird und der erste Hauch von Frühling durch die Lüfte weht. Hier kommt ein Tipp für einen solchen Ausflug, der garantiert für gute Laune sorgt: Eine Tour zum Magic Mountain im Süden von Duisburg lohnt sich. Denn darauf steht die Skulptur Tiger & Turtle und die ist nicht nur sehenswert, sondern lässt sich auch begehen und sorgt damit für Spaß, Bewegung und schöne Ausblicke auf den Rhein und die Umgebung, die von Industrie, aber ebenso von viel Grün geprägt ist.

Skulptur Tiger & Turtle
Die faszinierende Skulptur Tiger & Turtle – eine Landmarke im Angerpark in Duisburg. © Foto: Meike Nordmeyer

Tiger & Turtle, das ist eine originelle Konstruktion aus verzinktem Stahl, die im Angerpark weithin sichtbar auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe thront und damit auf einer Halde, einer ehemaligen, nunmehr begrünten Industriebrache. Mit dem Material, aus dem die Skulptur geschaffen ist, nimmt sie Bezug auf den Standort und die Region, die von der Stahlindustrie geprägt ist. In seiner schwungvollen, kurvenreichen Form ist das Kunstwerk einer Achterbahn nachempfunden, und das mitsamt Looping. Da kommt sogleich der Gedanke an sausende Bahnen in rasanter Bewegung auf. Doch solche gibt es dort nicht. Beim näheren Betrachten sind auf den vermeintlichen Fahrspuren Stufen zu erkennen und damit wird deutlich: Dies ist eine Achterbahn für Fußgänger. Es ist ein Kunstwerk, das es zu erklimmen und zu erleben gilt. Es lädt dazu ein, Schritt für Schritt die vertraute Form einer Achterbahn in einer dafür ganz ungewöhnlichen Fortbewegungsart zu erkunden.

Die verblüffende Idee zu dieser Außenraumskulptur stammt von Heike Mutter und Ulrich Genth. Die beiden Künstler haben mit ihrem Entwurf den internationalen Wettbewerb zur Gestaltung einer Landmarke im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gewonnen. Im November 2011 ist ihr Werk unter dem Titel “Tiger & Turtle – Magic Mountain” nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet worden. Die markante Konstruktion im Angerpark ist längst weltberühmt und zieht Besucher:innen von nah und fern an. Sie bildet ein beliebtes Fotomotiv bei Tag und auch in der Nacht. Denn bei Dunkelheit ist das Bauwerk mit 880 im Handlauf platzierten LED-Leuchten illuminiert, was für einen ganz eigenen, ebenfalls beeindruckenden Anblick sorgt.

Looping
Ein Looping gehört bei Tiger & Turtle auch dazu. Der ist natürlich nicht komplett begehbar. Wer genau hinschaut, sieht die Tore, die den Durchgang auf den oberen Teil der Schlaufe versperren. © Foto: Meike Nordmeyer

Nicht nur Kunstwerk und Fotomotiv – die Skulptur ist auch eine einzigartige und dabei ganz einfache Fitnessanlage mit den vielen Stufen, die zum Hin- und Herlaufen in allen Windungen locken. Nur der Looping ist natürlich nicht komplett begehbar. Kleine, recht unauffällige geschlossene Tore verhindern auf beiden Seiten den Durchgang in den oberen Teil der Schleife. So sind von den insgesamt 349 Stufen aus Gitterrost nur 220 begehbar. Aber die genügen für viel Bewegung und Spaß auf der Skulptur.

Doch warum heißt das Kunstwerk eigentlich Tiger & Turtle? Mit dem Verweis auf zwei so unterschiedliche Tiere spielt dieser Name auf die verschiedenen Geschwindigkeiten an, in denen einerseits normalerweise die Wagen über die Fahrspuren einer Achterbahnen sausen und in denen andererseits in diesem Fall die Fußgänger die Stufen Schritt für Schritt erklimmen. Rasend schnell und beschaulich langsam – so unterschiedlich eben, wie der Tiger rennt und die Schildkröte kriecht.

Mit dem Bezug auf das Thema Geschwindigkeit thematisiert die Skulptur aus Sicht des Künstlerduos aber noch viel mehr. Das geht aus einer Pressemitteilung der beiden vom 19.11.2011 zur Eröffnung der Skulptur hervor, in der Folgendes formuliert ist: “Tiger and Turtle nimmt über die in ihm angelegte Dialektik von Geschwindigkeit und Stillstand Bezug auf die Umbruchsituation in der Region und deren Wandel durch Rückbau und Umstrukturierung. Indem die Skulptur die dem Bild der Achterbahn anhaftenden Erwartungen ad absurdum führt, reflektiert sie ihre eigene Rolle als potentielles überregionales Wahrzeichen, welches zwangsläufig als Bild vereinnahmt wird. Sie stellt der Logik des ewigen Wachstums eine absurd-widersprüchliche Struktur entgegen, die sich einer eindeutigen Interpretation widersetzt.”

Tiger & Turtle mit Ausblick auf die Landschaft
Flexible Fußgänger: Anders als die rasanten Fahrgeschäfte auf einer Kirmes bietet diese Achterbahn die Möglichkeit, stehen zu bleiben und die gute Aussicht zu genießen. © Foto: Meike Nordmeyer

Besonders reizvoll ist auch der Ausblick, der sich von dem Bauwerk bietet. Die Konstruktion hat eine Grundfläche von 44 mal 37 Metern und ist etwa 21 Meter hoch, gemessen bis zur Oberkante des Loops. Der maximal erreichbare Punkt für die Fußgänger:innen hat eine Höhe von 13 Metern. Die Halde, auf der die Skulptur steht, erhebt sich circa 33 Meter über dem umliegenden Straßenniveau, sodass die Besucher:innen am höchsten Punkt der Skulptur aus 46 Metern Höhe auf die Landschaft schauen und eine hervorragende Aussicht genießen können. Zu sehen sind im näheren Umfeld diverse Industrieanlagen wie die Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Hüttenheim, ebenso Lagerhallen, Lagerflächen, aber auch Wohnsiedlungen und Waldgebiete. Natürlich ist auch der nahegelegene Rhein zu sehen und der Blick geht hinüber zum Stadtzentrum von Duisburg. Zu anderen Seite lässt sich bei guter Sicht bis nach Düsseldorf blicken.

Tiger & Turtle mit Ausblick auf die Landschaft
Tiger & Turtle – ein Kunstwerk für einen Spaziergang in luftiger Höhe. © Foto: Meike Nordmeyer
Tiger & Turtle - der Blick hinab
Der Blick hinab – wer auf der Achterbahn herumlaufen möchte, sollte trittsicher und schwindelfrei sein. © Foto: Meike Nordmeyer

Aber Achtung! Der Fußweg dieser Achterbahn besteht durchgehend aus Gitterrostböden und diese sorgen für einen freien Durchblick nach unten und damit teilweise weit in die Tiefe. Wer über die Skulptur laufen möchte, sollte schwindelfrei sein, sonst könnte es unangenehm dort oben werden. Daher lässt sich vor Ort beobachten, dass manche Besucher:innen, die sich da nicht so sicher sind, lieber unten warten, während die anderen über die Skulptur spazieren. Warum auch nicht, das Kunstwerk ist ja auch von unten beeindruckend und gut zu besichtigen. Außerdem findet sich an Wochenenden mit schönem Ausflugswetter meist ein Imbisswagen unweit der Skulptur ein, der Getränke, Eis und andere Snacks wie etwa Hot Dog bereit hält und damit die Wartezeit bei Bedarf schmackhaft werden lässt.

Infotafeln zum Bauwerk, zum Standort auf der Halde und zum Angerpark stehen ebenfalls dort parat. Auf denen finden sich auch einige Hinweise zur Nutzung, die zu beachten sind, wie zum Beispiel: Die Skulptur ist für 195 Personen zugelassen, für Kinder im Alter von unter 3 Jahren ist der Zutritt nicht erlaubt. Bei Unwetter ist das Betreten verboten. Bei Gewitter, Sturm, Schnee und Eis wird das Bauwerk geschlossen. Es ist videoüberwacht und alarmgesichert. Bei Ertönen eines Warnsignals muss es umgehend verlassen werden.

Anreise mit der Straßenbahn zur Haltestelle “Tiger & Turtle”

Die Anreise zum Magic Mountain mit der Skulptur Tiger & Turtle ist ganz unkompliziert mit der Straßenbahn vom Duisburger Hauptbahnhof aus machbar. Dort die Straßenbahnlinie 903 in Richtung Hüttenheim nehmen und bis zur Haltestelle “Tiger & Turtle” fahren. Rund 20 Minuten beträgt die Fahrtzeit. Von der Haltestelle aus, die an der Ehringer Straße liegt, ist die Skulptur schon zu sehen, wie sie im Angerpark auf der Höhe der Halde thront. Ein breiter Fußweg führt in rund 15 Minuten auf den Magic Mountain hinauf. Wer mit dem Auto anreist, fährt am besten ebenfalls zur Ehringer Straße, dort finden sich kostenfreie Parkplätze entlang der Straße.

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Hinweis bezüglich Corona: Den Ausflug zum Angerpark und zur Skulptur Tiger & Turtle habe ich bereits im Sommer 2019 unternommen, also noch vor der Corona-Zeit. Daher tragen die auf den Fotos zu sehenden Personen keine Mund-Nasen-Masken. Während der Pandemie war die Skulptur zeitweise gesperrt. Seit Juli 2021 ist sie wieder geöffnet. Für den Rundgang auf der Skulptur galt noch längere Zeit Maskenpflicht, inzwischen nicht mehr. Doch das Maskentragen auf der Skulptur ist durchaus zu empfehlen. Denn die Wege auf dem Bauwerk sind schmal zwischen den Geländern, sodass die Besucher:innen recht eng aneinander vorbeigehen müssen und dann keinen Abstand halten können.

Den Ausflug zur Skulptur Tiger & Turtle in Duisburg habe ich auf eigene Kosten unternommen, eine Einladung gab es nicht.

Zum Weiterlesen kommt hier noch ein Ausflugstipp zu einer anderen spannenden Außenraumskulptur, die sich ganz in der Nähe von Tiger & Turtle befindet:
Ein tanzender Strommast – der Zauberlehrling in Oberhausen

Und weitere Ausflugstipps für NRW – für eine schöne Zeit im Grünen

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