Windmühlen – vom kühnen Kraftwerk zum nostalgischen Kleinod

Vier Windmühlen
Alte Windmühlen in Flandern und Brabant, auf Lanzarote und Terschelling – ein Reisequartett. © Fotos: Meike Nordmeyer.

Warum gegen Windmühlen kämpfen? Auf die Idee eines wirren Ritters würde heute wohl keiner der Umherziehenden mehr kommen. Denn die markanten Bauwerke mit hohem Nostalgiefaktor erfreuen die Reisenden. Sie sind als Fotomotive wie Trophäen anzusehen und machen sich immer gut bei Instagram. Ja, auch ich gehöre zu den Fans. Windmühlen kommen öfters in meinem Reiseblog vor. Sie sind ein willkommener Blickfang für einen Artikel und bieten immer einen schönen Anlass, von besonderen Orten und ihrer Geschichte zu erzählen. Da ich derzeit aufgrund der Pandemie nicht reisen kann, stöbere ich häufig sehnsüchtig in meinem Fotoarchiv. Und da habe ich nun erneut vier schöne Mühlen herausgefischt und ein Reisequartett zusammengestellt. Es ist schon das zweite Mühlenquartett. Denn es gibt bereits einen Blogartikel, in dem ich Reisequartette mit Leuchttürmen und Windmühlen zeige.

Die Windmühlen, die hier zu sehen sind, stehen in Belgien, Holland und Spanien. Das anmutige  Exemplar im Quartett oben links habe ich in Brügge in Flandern fotografiert. Es ist eine von vier alten Mühlen, die heute noch auf dem äußeren Stadtwall stehen. Eine davon, die Sint-Janshuismühle, stammt von 1770 und steht noch auf ihrem ursprünglichen Platz. Sie ist die einzige von den vieren dort, die besichtigt werden kann. Ich zeige hier eine von den anderen dreien, denn diese ist nicht von einem Zaun umgeben und das sieht einfach schöner aus.

Auf dem Foto rechts daneben ist eine Kornmühle in dem kleinen Ort Hapert in Nordbrabant zu sehen. Dieses stolze Exemplar ist deutlich jünger, es wurde im Jahr 1896 gebaut. Das Bild unten links zeigt eine dagegen rustikal wirkende Windmühle auf der Kanareninsel Lanzarote. Sie steht in einem ehemaligen Steinbruch und wurde dort einst zum Mahlen von Mais genutzt. Das Gelände des Steinbruchs am nördlichen Ortsrand von Guatiza wurde 1970 von dem Künstler César Manrique zu einem Kakteengarten umgestaltet und die Mühle ist dort als historisches Bauwerk und Schmuckstück des Gartens erhalten geblieben. Ebenfalls auf einer Insel steht die Windmühle, die auf dem Viererbild unten rechts zu sehen ist. Sie steht im Ort Formerum auf der niederländischen Watteninsel Terschelling. Ursprünglich wurde sie in der Ortschaft Dellewal bei West-Terschelling gebaut. Im Jahr 1876 hat sie dann der Müller aus Formerum aufgekauft und in seinen Ort transportiert. Sie wird heute Koffiemolen genannt, denn darin und im Garten davor ist schon seit einigen Jahren ein Café eingerichtet – ein perfekter Ort für eine Pause während einer Fahrradttour über die Insel.

Souvenir aus Delft – eine Dose zeigt verschiedene Windmühlen

Dose mit Windmühlen drauf
Windmühlen in Delfter Blau – eine Dose aus Keramik zeigt verschiedene Typen von Windmühlen. Dieses Souvenir habe ich von einem Besuch in Delft mitgebracht. Ich hebe darin Muscheln auf, die ich auf verschiedenen Reisen an verschiedenen Stränden gesammelt habe. © Foto: Meike Nordmeyer

Passend zum Thema zeige ich hier auch noch ein Souvenir aus Delft, bei dem sich alles um Windmühlen dreht. Die Bauwerke mit ihren weiten Flügen gelten nicht nur heute als beliebtes Fotomotiv. Sie waren mit ihrer markanten Gestalt und sicherlich auch als Insignien des Fortschritts schon auf den Gemälden der alten Meister präsent. Auch beim traditionellen Delfter Blau wurden sie gerne abgebildet, und das ist auch heute noch so. Als ich die Stadt Delft besucht habe, wollte ich mir natürlich ein Stück Keramik in Blau-Weiß als Souvenir mitnehmen. Da entdeckte ich hocherfreut diese schöne Dose, auf der rundum sechs und mit den beiden auf dem Deckel insgesamt acht Windmühlen abgebildet sind. Zu sehen sind unterschiedliche Typen von Windmühlen mit ihrer jeweiligen Bezeichnung. So ist diese Dose nicht nur schön anzusehen, sondern auch lehrreich.

Deckel der Dose mit Poldermolen
Der Dosendeckel zeigt zwei Poldermühlen. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Darstellung und Benennung der verschiedenen Mühlen auf der Delfter Dose verdeutlichen, dass diese Bauwerke in den Niederlanden nicht nur zum Mahlen von Getreide, oder auch von Senfkörnern oder anderen Gewürzen eingesetzt wurden. Man hat sie schon bald grundsätzlich als nützliche Kraftwerke geschätzt und auch bei der Verarbeitung von Werkstoffen, also zum Beispiel als Antrieb für ein Sägewerk genutzt. Eine sehr wichtige Funktion kam ihnen auch als Pumpwerk zu. Die Windmühlen mit ihrer bereits bewährten Technik wurden dafür jeweils mit einem Schöpfrad kombiniert und so im Verbund von mehreren so ausgestatteten Exemplaren zur systematischen, ständigen Entwässerung von tiefergelegenem Polderland eingesetzt. Eine solche Wind-Wasser-Mühle wurde daher auch Poldermühle genannt. Auf niederländisch heißt es Poldermolen, und mit dieser Bezeichnung sind zwei auf dem Deckel meiner Dose abgebildet. Einen solchen Verbund von Poldermolen kann man heute noch in Kinderdijk bei Rotterdam besichtigen. Die beeindruckende Anlage mit insgesamt 19 historischen Windpumpen gehört seit 1997 zum Unesco-Welterbe.

Abbildung einer Holzsägemühle
Auf der Dose ist auch eine Holzsägemühle zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

Auch eine Houtzaagmolen, eine Holzsägemühle ist auf der Keramikdose zu sehen. Ein solche Mühle findet sich zum Beispiel im Städtchen IJlst in der niederländischen Provinz Friesland. Auf einer Tour mit einem Hausboot durch Friesland bin ich an dieser Holzsägemühle in IJlst vorbeigeschippert. So konnte ich das folgende Foto vom Fluss Geeuw aus aufnehmen. Die Mühle samt Sägewerk wurde im Jahr 1683 gebaut und ist heute noch im Betrieb. Nach Voranmeldung kann die Anlage besichtigt werden.

Die Holzsägemühle „De Rat“ in IJlst vom Fluss Geeuw aus gesehen. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Windmühlen, Wassermühlen und Windpumpen früherer Zeiten erfüllten wichtige Funktionen. Es waren fortschrittliche, seinerzeit kühn konstruierte Kraftwerke, angetrieben von Wind und Wasser und somit von unerschöpflichen Energien. Und erst heute wissen wir aus ganz anderer Perspektive und Dringlichkeit, wie bedeutend es ist, erneuerbare Energien zu nutzen. Und so können diese Bauwerke auch als Ikonen der Nutzung von erneuerbaren Energien angesehen werden. Abgesehen davon sind die noch erhaltenen historischen Windmühlen heute zu architektonischen Kleinoden geworden, die ein markantes Bild in der Landschaft bilden oder eine Zierde im Ort darstellen. Sie erzählen von der Geschichte der Region und erfreuen mit ihrem nostalgischen Anblick sowohl Einheimische wie Reisende.

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Kleine Ergänzung zur Dose: (Unbezahlte, völlig ungeplante Werbung) Nachdem dieser Artikel frisch erschienen ist, habe ich ein Bild bei Instagram von meiner Windmühlen-Dose gepostet, um auf den Beitrag aufmerksam zu machen. Dort hat sich daraufhin Remco Montagne, Inhaber der Montagne Aardewerkfabriek in Gouderak (einem Dorf bei Gouda), bei mir gemeldet und mir anhand von einem Foto gezeigt, dass die Dose mit den Windmühlen aus seinem Sortiment stammt. Das war eine schöne Überraschung und eine interessante Information. Ich liebe das Internet für solchen spontanen Austausch! Auf der Instagram-Seite der Aardewerkfabriek habe ich dann auch erfahren, dass die Keramikdosen in diesem Format vor allem dafür gedacht sind, die typischen Stroopwafels (Sirupwaffeln) darin zu lagern. Die beliebte holländische Spezialität wurde im 19. Jahrhundert in Gouda erfunden, wie ich nun gelernt habe. Die Montagne Aardewerkfabriek ist auf Kreamik im Stil von Delfter Blau spezialisiert und man kann die Manufaktur auch besichtigen. Wenn das Reisen wieder möglich ist, werde ich bald mal dorthin fahren. Ich wollte immer schon mal nach Gouda und das ist nun ein Grund mehr.

Hinweis zum Artikel
Die Fotos von den Windmühlen sind auf verschiedenen Reisen entstanden. Die Aufenthalte auf den Inseln Terschelling und Lanzarote waren Privatreisen, die ich komplett selbst finanziert habe. Nach Brügge führte mich eine Recherchereise, die von Visit Flanders unterstützt wurde, nach Nordbrabant bin ich auf Einladung von Visit Brabant gereist. Die Tour mit dem Hausboot durch Friesland wurde von Le Boat unterstützt.

Zum Weiterlesen über Windmühlen
Auf der Seite von Holland Touristik finden sich weitere Infos zu Windmühlen in Holland

Viele passende Artikel auf meikemeilen

Mehr Windmühlen und Leuchttürme sind in diesem Artikel zu sehen.

Hier geht’s um die Windmühle auf der niederländischen Insel Ameland.

Ein Lieblingsort ist für mich die niederländische Insel Terschelling.

Einen Artikel über meinen Besuch in Delft habe ich natürlich auch.

Die Windmühle in Hapert habe ich auf einer Tour durch Nordbrabant fotografiert.

Nuenen in Brabant – wo Vincent Van Gogh die Mühlen malte.

Geheimtipp für einen Besuch in Brügge: die Adornes-Domäne.

Hier berichte ich von der Hausboot-Tour durch Friesland.

Eine Windmühle auf Fuerteventura hat mich zu einem Dessert inspiriert.

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