Werfenweng: Fangfrisch auf der Seealm

Das Seealmstüberl in Werfenweng

Die Hütte auf der Seealm in Werfenweng. Darin befindet sich das Restaurant Seealmstüberl. © Foto: Meike Nordmeyer

Feine Flocken tanzen vor dem schwarzen Nachthimmel und rieseln dann doch zu Boden. Der frische Schnee knirscht unter den Schuhsohlen. Bei einem Abendessen in der Hütte auf der Seealm ist ein kleiner Spaziergang als Aperitif inklusive. Denn vom Dorfplatz in Werfenweng zum Seealmstüberl sind es etwa zehn Minuten zu Fuß durch die frische Bergluft. Der Weg führt vorbei an dem Platz, an dem tagsüber die Pferdeschlitten starten. Dort, wo sonst die Pferde schnauben, die Kinder quietschen vor Vergnügen und die Glöckchen an den Schlitten bimmeln, ist jetzt Ruhe eingekehrt. Kaum ein Fußgänger ist weit und breit zu sehen. Die Gäste im Ort sitzen längst beim Abendessen in den Gasthöfen und Hotels. Noch ein paar Schritte weiter raus ist es bis zur Alm mit dem kleinen künstlich angelegten Badesee, der im Winter zum Schlittschuhlaufen genutzt wird. Eine Holzbrücke führt über einen kleinen Gebirgsbach, und dann liegt da schon die Hütte neben dem See. „Im Seealmstüberl kann man sehr gut essen“, hat mir ein Ehepaar aus Mainz schon bei der Pferdeschlittenfahrt am Nachmittag erzählt.

So unscheinbar die Hütte mit dem Seealmstüberl von außen wirkt, so gemütlich und heimelig ist sie von innen. Holzvertäfelt sind die Wände im Gastraum, teilweise sind dicke Balken von alten Bauernhäusern eingepasst. Rustikale Stühle und Barhocker gehören zur Ausstattung sowie nostalgische Gardinen an den Fenstern. Ein ausgestopfter Fasan thront über dem Kamin. Es herrscht ein fröhliches Stimmengewirr, denn fast alle Tische sind besetzt. Stammgäste des Ortes und Einheimische sitzen hier zusammen. Wie gut, dass ein Platz für mich reserviert ist. Ich studiere die Speisekarte, und die Pongauer Käse-Cremesuppe weckt mein besonderes Interesse. Diese ist offenbar eine Spezialität hier im Pongau, im Salzburger Land. Was denn sonst noch zu empfehlen sei, frage ich Inhaberin Ismeta Velic, die im stilvollen Dirndl die Gäste bedient. Sie nennt die fangfrischen Forellen. Käse-Cremesuppe oder Forellen? Eine schwierige Entscheidung. Ob ich auch eine kleine Portion Suppe bekommen kann, frage ich, denn ich möchte beides probieren. „Die Suppe ist nicht so viel, das passt schon“, meint Ismeta. Was diese Einschätzung angeht, habe ich so meine Zweifel, aber ich bestelle trotzdem beides.

Schon bald stellt sich heraus, dass meine Bedenken berechtigt waren, denn das mit der kleinen Portion hat nicht geklappt. Vor mir steht ein großer tiefer Teller, randvoll gefüllt mit blassgelber Suppe, die ebenso wie die Hütte erst ganz unscheinbar wirkt. Doch diese Cremesuppe kann richtig was. Sie schmeckt kräftig käsig, würzig und dabei schaumig fein. Während ich dem intensiven Geschmack nachsinne, kommt eine Mitarbeiterin aus der Küche an meinem Tisch vorbei, bewaffnet mit Taschenlampe, Handschuhen und Eimer. Sie wird sich draußen den Kescher schnappen, zum kleinen Forellenteich runtergehen und ein Exemplar für mich fangen. Noch eine weitere Bestellung hat es offenbar gegeben. Denn als die Forellenbeauftragte zurückkommt, zappeln zwei Fische in dem Eimer. Das mit dem Fangfrisch war wirklich ernst gemeint.

Zlatko Velic, Chefkoch im Seealmstüberl in Werfenweng

Zlatko Velic, Inhaber und Chefkoch des Seealmstüberl in Werfenweng, bei der Zubereitung von Kaiserschmarrn.
© Foto: Meike Nordmeyer

Nun zwinge ich mich, die Suppe nicht ganz aufzuessen, um den frischen Fisch gebührend würdigen zu können. Was für ein Käse verwendet werde, frage ich Ismeta. „Gorgonova“, ruft sie im Vorbeilaufen rüber, denn sie hat viel zu tun. Als sie mir kurz darauf die Forelle serviert, frage ich nochmal nach. „Nein, mit Gorgonzola hat das nichts zu tun“, erklärt sie. „Das ist ein Schmelzkäse. Der Chef kommt nachher mal raus und erklärt dir genauer, wie er die Suppe macht“, fügt sie noch hinzu und eilt weiter. „Das ist ein sehr guter Vorschlag“, denke ich und befasse mich mit der Forelle, die mit Mandeln garniert und mit Kartoffeln und Salat ergänzt vor mir auf dem Teller liegt und sich als perfekt zubereitet erweist.

Rein theoretisch könnte es dann noch mit einem Dessert weitergehen. Doch ich kapituliere und frage nach einem heimischen Schnaps. Ismeta bringt mir den Vogelbeeren-Brand vom Bauer Steiger aus der Nachbarschaft. Das ist recht. Während ich den Schnaps mit der fruchtig herben Note genieße, kommt auch schon Chefkoch Zlatko Velic aus der Küche. Leicht verschwitzt, zufrieden lächelnd setzt er sich zu mir. Eine fingerdicke Scheibe Gorgonova hat er mitgebracht. Es handelt sich um einen festen Schmelzkäse, der in Form von großen Würsten angeboten wird. Auch Österkron, ein Grünschimmelkäse aus der Steiermark, ist in der zu Schmelzkäse verarbeiteten Mischung enthalten. Das macht den Gorgonova so interessant. „Den Käse gibt es nur hier in dieser Region, man bekommt ihn aber nicht in jedem Supermarkt“, sagt Zlatko, der aus Bosnien stammt, aber schon seit langer Zeit in Österreich lebt. Ich probiere ein Stück. Es schmeckt würzig, aber auch deftig fett. Zum puren Verzehr nicht so verlockend, aber der perfekte Suppenkäse – das ist klar. Zlatko plaudert begeistert weiter. „Du darfst die Suppe niemals mit Mehl binden. Das klebt so unangenehm im Hals. Du musst Weißbrot nehmen, einfach ein paar Scheiben Toast“, erklärt er, und es sprudelt nur so an Tipps aus ihm heraus. Rinderbrühe, Milch, Sahne und Weißwein kommt in die Suppe. „Und erst kurz vorm Servieren alles mit dem Mixer pürieren“, betont er.

Kartoffelpilz

Blitzschnell hat Chefkoch Zlatko Velic den dekorativen Kartoffelpilz geschnitzt.
© Foto: Meike Nordmeyer

„Ist die Suppe denn nun eine regionale Spezialität oder eine Eigenkreation?“, möchte ich wissen. „Nun, sie wird mit heimischen Käse gemacht. Das Rezept ist jedoch mein eigenes. Aber Zlatkos Suppe – das klingt nicht so schön. Da nenne ich sie lieber Pongauer“, sagt er und grinst. Dann springt er auf. „Komm mit. Ich mache jetzt ganz frisch einen Kaiserschmarrn. Das zeige ich dir!“ Ich folge ihm in die Küche und bekomme einen spontanen Kochkurs. „Der Kaiserschmarrn muss atmen“, sagt Zlatko während er die Pfanne mit den Stücken darin schwengt. Dann dreht er sich um, greift eine Kartoffel und schnitzt blitzschnell einen Pilz daraus. „Ich spiele gerne mit dem Essen. Es soll auch alles anregend aussehen.“ Nun greift er wieder zur Pfanne. Behutsam schüttelt er die fluffigen, goldbraunen Stücke der Mehlspeise auf die schon bereitstehenden Teller. Die Küchen-Assistentin reagiert sofort, bestäubt das Dessert sogleich mit Puderzucker. Mir ist klar: Diese Spezialität des Hauses muss ich beim nächsten Mal probieren. Für heute Abend bin ich froh, dass ich mit den Rückweg noch einen kleinen Spaziergang durch die frische Bergluft inklusive habe.

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Werfenweng liegt im Pongau im Salzburger Land und gehört zu dem Kooperationsprogramm Alpine Pearls. 28 Urlaubsorte in den Alpen setzen sich unter dieser Dachmarke für das sanft-mobile Reisen und generell für Umwelt und Nachhaltigkeit ein. Zu meinem Aufenthalt in Werfenweng hat der Verbund Alpine Pearls und der Tourismusverband Werfenweng eingeladen. Gut untergebracht war ich im Wenger Alpenhof.

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.

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4 Kommentare zu Werfenweng: Fangfrisch auf der Seealm

  1. Ingo sagt:

    Toller Artikel und super geschrieben! Da bekomme ich direkt Hunger…

  2. Simone sagt:

    So geht’s mir auch. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen.

    LG Simone

  3. meikemeilen meikemeilen sagt:

    Jaja, so ging’s mir beim Schreiben auch!

  4. Pingback: Monatsrückblick Januar 2013

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