Kartoffelkäfer auf Rädern – Dünenkartoffeln aus Zandvoort

Dünenkartoffeln in Zandvoort - Verkaufsstand mit VW-Käfer
Mobiler Marktstand mit nostalgischem VW-Käfer – hier verkauft Bram Molenaar selbst angebaute Dünenkartoffeln aus Zandvoort. © Foto: Meike Nordmeyer

In Zandvoort bin ich einem Kartoffelkäfer begegnet. Und was für einem! Riesengroß und knatschorange ist er, und der krabbelt nicht, sondern ist auf vier Rädern unterwegs. Der nostalgische VW-Käfer gehört Bram Molenaar und ist nicht nur sein Transportfahrzeug für die Ware, sondern auch entscheidender Hingucker für den Verkaufsstand, den er auf einer Garageneinfahrt am Hogeweg 52 bei schönen Wetter immer mittwochs und samstags aufbaut und an dem er seine selbst angebauten Dünenkartoffeln (Duinaardappelen) anbietet. Vorne im Kofferraum des Käfers und oben auf dem Dachgepäckträger steht der Nachschub an Kartoffeln in blauen Kisten bereit. Daneben hat Bram einen alten Holztisch als Theke platziert, mit einer passenden nostalgischen Waage darauf. Biologische Aardappels, 2 Euro das Kilo steht auf einer Holztafel.

Als ich an meiner Unterkunft Hauswirth Apartments am Hogeweg ankomme, wo ich mich für eine Woche Auszeit an der Nordsee einquartiert habe, fällt mir der schöne Verkaufsstand zwei Häuser weiter gleich auf. „Ja, nebenan kannst du jetzt auch Dünenkartoffeln kaufen, das ist echt toll“, erklärt auch Vermieter Marco begeistert nach der Begrüßung und der Übergabe der kleinen, schönen Ferienwohnung in seinem Haus. Die Gelegenheit zu einem Einkauf regionaler Lebensmittel nutze ich natürlich und lasse mir von Bram dabei noch mehr von seinen Dünenkartoffeln und weiteren Vorhaben erzählen.

Dünenkartoffeln aus Zandvoort
Dünenkartoffeln aus Zandvoort – ein besonderes Mitbringsel von der Küste. Zu Hause habe ich mich sehr an dem Genuss der aromatischen Biokartoffeln erfreut. Der Tipp, den Bram dazu gegeben hat: Nicht schälen, aber waschen. © Foto: Meike Nordmeyer

Es ist für ihn in diesem Jahr die erste Ernte von selbst angebauten Kartoffeln, so erzählt der 29-Jährige, der Inhaber des Zandvoorter Strandpavillons Ahoi ist. Gemeinsam mit seiner Frau Chantal hat er auf einem Feld in den Dünen von Zandvoort sowie auf einer Fläche nahe bei Alkmaar verschiedene Sorten von Kartoffeln angebaut, und das in Bioqualität. Zu ihrem Sortiment gehören unter anderem die Sorten Zandvoortse Duinpiepers, Lekkerlander, Vitabella, Alouette, Dutch Dakota, Kriel, Apache und Sevilla.

Zudem hat das engagierte Paar weitere Pläne, wie Bram sogleich erzählt. Die beiden möchten einen Hof übernehmen, den Bioanbau ausweiten und verschiedene Kurse und Veranstaltungen für Familien mit Kindern anbieten. Damit vor allem die Kinder mehr über die Natur und über die Landwirtschaft lernen. Dabei geht es Bram und Chantal darum, den Gedanken von Nachhaltigkeit und den biologischen Anbau von regionalen Lebensmitteln selbst umzusetzen und auch anschaulich anderen zu vermitteln. „Auch unsere einjährige Tochter Phoebe haben wir schon für unsere Kartoffeln begeistern können“, erzählt Bram und lacht. Mit dem Kartoffelanbau und dem Verkaufsstand ist nun ein Anfang der Projekte gemacht. Und der ist schon ein Volltreffer, so finde ich.

Verbindung zur Geschichte von Zandvoort

Dabei knüpfen Bram und Chantal mit ihrem Anbau von Dünenkartoffeln auch ganz bewusst an die Geschichte von Zandvoort an. Schon um 1100 gab es das Dorf Zandvoort, damals hieß es noch Sandevoerde, dieser Name setzt sich aus Sand und Voorde (Furt) zusammen. Jahrhundertelang lebten die Einwohner dort vom Fischfang. Der Ausbau des Hafens im nahegelegenen IJmuiden, der im Zusammenhang mit dem Bau des Nordseekanals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte, brachte jedoch den Niedergang des Zandvoorter Fischfangs. Die Einwohner begannen daraufhin, in den Dünen Kartoffeln anzubauen. Zur wichtigsten neuen Einnahmequelle wurde schon bald darauf der Badetourismus. Bereits 1828 wurde das erste Badehaus eröffnet. Bis heute gibt es aber noch Verbindung zu dem einstigen Kartoffelanbau in den Dünen. Dieser lebt in der Zandvoortse Duinpieper Vereniging fort, die diese Tradition weiter verfolgt und fördert. Die Vereinigung hat auch Bram und Chantal ein Stück Land für ihren Kartoffelanbau in Zandvoort zur Verfügung gestellt.

Wer also in der Erntezeit von Kartoffeln – die je nach Sorte von Ende Juli bis Oktober geht – in Zandvoort seinen Urlaub verbringt, sollte unbedingt mittwochs oder samstags am Stand von Bram am Hogeweg 52 vorbeischauen und Dünenkartoffeln einkaufen. Denn das ist ein ganz besonderes Mitbringsel von der Küste. Ich wünsche Brams und Chantal mit ihren spannenden Projekten viel Erfolg! Und ich hoffe sehr, dass ich im kommenden Jahr wieder die Gelegenheit habe, nach Zandvoort zu fahren und am nostalgischen VW-Käfer Dünenkartoffeln und vielleicht sogar schon weitere Bioprodukte einzukaufen.

Schaum einer Welle am Strand
In Zandvoort habe ich eine Woche lang eine Auszeit am Meer genossen und ausgedehnte Strandspaziergänge unternommen. Hier habe ich die Handschrift des Meeres auf dem Sand entdeckt. Was es wohl in diesen beiden Zeilen für Geheimnisse an den Strand schreibt? © Foto: Meike Nordmeyer

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Der einwöchige Aufenthalt in Zandvoort war eine Privatreise, eine Auszeit am Meer Anfang September 2020, die mir sehr gut getan hat. Die Anreise mit einem über Car-Sharing gemieteten Wagen und die genannte Ferienwohnung habe ich komplett selbst finanziert, ebenso wie den Einkauf der Dünenkartoffeln.

Die Ferienwohnung bei Hauswirth Apartments am Hogeweg von Marco und Elisabeth kann ich empfehlen. Die Lage ist sehr zentral, nah an der Ortsmitte und besonders wichtig: auch nah zum Strand. Das Apartment B, das ich mit Begleitung bewohnt habe, ist schön eingerichtet und die Küche bestens ausgestattet. Eine Parkmöglichkeit ist gegen Gebühr auch vorhanden.

Mehr Geschichten vom Meer gibt es hier zu lesen

2 Replies to “Kartoffelkäfer auf Rädern – Dünenkartoffeln aus Zandvoort

  1. Dieser Moment, wenn dich das Fernweh packt, weil du einen Blogartikel über einen Kartoffelkäfer gelesen hast! :) :) :)
    Klingt toll, das Projekt und da es ohnehin nächstes Jahr nach Amsterdam gehen soll, versuche ich einfach einen Tagesausflug nach Zandvoort einzuplanen! ;)
    Saluti aus Rom – Julia

    1. Von Amsterdam einen Ausflug nach Zandvoort einzuplanen – das ist eine gute Idee! Denn da kann man in 20 Minuten mit der Bahn hinfahren und vom Bahnhof aus ist es nicht weit zum Strand. Dann wünsche ich jetzt schon viel Spaß auf der Reise.
      Viele Grüße nach Rom, da möchte ich auch bald mal wieder hin!
      Meike

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