Entenhausen liegt in Oberfranken

Donald in Entenhausen

Donald fährt in seinem roten Auto durch Entenhausen. Um den fröhlichen Entenkosmos geht es in dem neuen Comic-Museum im oberfränkischen Schwarzenbach an der Saale.
© Foto: Meike Nordmeyer

Klatsch, klatsch, jubel – Entenhausen wird jetzt in einem Museum geehrt, und das liegt in Oberfranken. Das Erika Fuchs-Haus, Museum für Comic und Sprachkunst in Schwarzenbach an der Saale, wurde am 1. August 2015 eröffnet. Donaldisten haben jetzt einen Grund, nach Schwarzenbach zu pilgern. Aber nicht nur sie werden dorthin eilen, auch allen anderen Fans der Bewohner von Entenhausen wird das Museum helle Freude bereiten. Also, nichts wie hin nach Oberfranken!

Ich habe Glück, nur wenige Tage nach der Eröffnung bietet sich mir schon eine gute Gelegenheit, das Museum zu besuchen. Nachdem ich Anfang August ein paar Tage in Bayreuth verbringe und die Richard-Wagner-Festspiele besuche, unternehme ich auf dem Heimweg einen Abstecher nach Schwarzenbach, denn der Ort liegt nur etwa 40 Kilometer von der Festspielstadt entfernt. Von Wotans Walhall zu Donalds Entenhausen – eine vortreffliche Programmergänzung!

Donald - Bewohner von Entenhausen

Alle lieben Donald Duck. Er ist der Star im Erika Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale. © Foto: Meike Nordmeyer

Aber warum ist dieses Museum gerade in dem kleinen, unbekannten Ort in Oberfranken entstanden? Das liegt an Dr. Erika Fuchs, der genialen Übersetzerin der Comics aus dem Amerikanischen ins Deutsche. Sie lebte und arbeitete mehr als 50 Jahre lang an diesem Ort. Mehr als 30 Jahre lang übertrug sie für den Ehapa-Verlag die Geschichten von Micky Maus und Donald Duck ins Deutsche. 1951 erschien das erste deutschsprachige Micky-Maus-Magazin mit den Übersetzungen von Erika Fuchs in den Sprechblasen. Sie steht von nun an als Chefredakteurin der deutschen Ausgabe im Impressum. Denn sie ist weit mehr als nur Übersetzerin. Fuchs bildet aus der amerikanische Vorlage namens Duckburg kreativ und geistreich den deutschsprachigen Kosmos von Entenhausen. Das fröhliche Entenvolk wächst ihr dabei besonders ans Herz. Die Mäuse treten für sie immer mehr in den Hintergrund. Ab Mitte der 1970er Jahre konzentriert sie sich ganz auf Entenhausen und damit auf die Geschichten des Zeichners Carl Barks.

Das Museum ehrt Erika Fuchs (1906-2005) nun am Ort ihres Schaffens. „Willkommen in Entenhausen“, so werden die Autofahrer von einem Transparent in einem Kreisverkehr am Ortseingang von Schwarzenbach begrüßt. Entenhausen liegt in Franken, diese Idee hat Fuchs mit Witz in ihre Übersetzungen einfließen lassen. So hat sie Orte in der Umgebung von Entenhausen mit fränkischen Ortsnamen benannt wie beispielsweise Schnarchenreuth oder Kleinschloppen. Dagobert Duck etwa besitzt einen Skilift auf dem Ochsenkopf, so heißt die höchste Erhebung im nahegelegenen fränkischen Fichtelgebirge, die Familie Duck macht passenderweise Urlaub am Fichtelsee.

Willkommen in Entenhausen

Transparent am Ortseingang von Schwarzenbach an der Saale: Willkommen in Entenhausen!
© Foto: Meike Nordmeyer

„Fluss ohne Wiederkehr! Wie das rauscht und rauscht! Ach, ich bin des Lebens müde!“ – Wehklagen, das kann Donald besonders gut. Aber er kann auch recht schnell wieder in höchsten Tönen jubilieren und etwa ausrufen: „Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie sauber strahlt jedwede Kreatur! Ach, es ist eine Lust zu leben!“ Solche feinen Worte legt ihm seine deutsche Übersetzerin in den Schnabel. Statt einfach nur ein „No“, wie oftmals in der amerikanischen Vorlage, schnattert der Enterich im Matrosenanzug nun ein gehobenes „mitnichten, mitnichten“. Dagobert sinniert unterdessen in seinem Geldspeicher und murmelt „Etwas ist faul im Staate Dänemark!“ In die Sprechblasen der Entenhausener fügt die sprachgewandte Übersetzerin ganz lässig Filmzitate, Schlagertexte, Sprichworte oder auch Zitate und Paraphrasen von Shakespeare, Goethe, Schiller, Mörike, Wilhelm Busch und anderen Dichtern ein. Krawumm, peng, platsch, zisch und rumpel klingt es dabei auch immer wieder – im Comic geht es geräuschvoll zu. Die entsprechenden Lautmalereien passt Fuchs kreativ dem Deutschen an. Einer der herausragenden Einfälle der Chefredakteurin ist zudem die Verwendung des Inflektivs. Gemeint ist die Verwendung der Verben ohne ihre Infinitvendung -en. In dieser Form nutzt Fuchs die Verben als begleitende Tätigkeitsbeschreibung zu der direkten Rede der Sprechblasen. Das Ergebnis ist jedem bekannt: Grübel, grübel, studier, jammer, grins, seufz und kicher. Diese Verbform wird zum eigenen Entenhausener Kasus. Längst ist die Ausdrucksweise in unsere Alltagssprache eingegangen. Zu Ehren der kreativen Erfinderin wird das Stilmittel heute auch gerne Erikativ genannt.

Onkel Dabobert in Entenhausen

Ein erfrischendes Talerbad – Onkel Dagoberts Lieblingsbeschäftigung. Eine zentrale Szene im Erika Fuchs-Haus. © Foto: Meike Nordmeyer

Talerbad im Museum

Die Museumsbesucher können auch ein Talerbad nehmen, zumindest ein Fußbad.
© Foto: Meike Nordmeyer

Spring, schwimm, schwimm und träller – das Schönste, was sich Onkel Dagobert vorstellen kann, ist ein erfrischendes Talerbad in seinem gut gefüllten Geldspeicher. Im Museum treffen die Besucher den Multi-Milliardär bei seiner Lieblingsbeschäftigung an. Sie können sogar selbst ein Talerbad nehmen, zumindest ein Fußbad. Denn ein großer Kasten mit vielen gelben Talern steht zum Eintauchen bereit. In einem großen Raum ist die Welt von Entenhausen durch bunte Stellwände nachgebildet. Neben Dagoberts Geldspeicher findet sich dort auch das Haus von Donald, der gerade in seinem knuffigen roten Auto unterwegs ist. Daniel Düsentrieb ist in seiner Werkstatt zu sehen, bei ihm ist auch das kleine Helferlein. Tick, Trick und Track, Daisy und Gustav Gans, Gundel Gaukeley, Oma Duck und die Panzerknacker – alle sind sie vertreten. Kurze Erläuterungen stehen zu den einzelnen Orten und Personen an der Wand, spielerische interaktive Elemente sorgen für weitere Information und für quietschfröhliche Geräusche. Faszinierend ist auch die große interaktive Landkarte zu Entenhausen und Umgebung, die an einem großen Bildschirm erkundet werden kann.

Doch das Museum widmet sich nicht nur der Bilderwelt von Entenhausen, sondern auch allgemein der Entwicklung des Comics. Daher beginnt die Schau in einem kleinen Raum, in dem ein kurzer Film einen Überblick über die internationale Entwicklung des Comics gibt. Ein weiterer Ausstellungsteil informiert über das Leben und das Arbeiten von Erika Fuchs – das wird passend in Comicbildern erzählt. Der preisgekrönte Zeichner Simon Schartz hat diese für das Museum angefertigt.

Schreibmaschine von Erika Fuchs

Die Schreibmaschine der Übersetzerin und Sprachkünstlerin Dr. Erika Fuchs.
© Foto: Meike Nordmeyer

Ein weiteres Herzstück des Museums ist ein großer Raum mit diversen interaktiven Stationen, an denen die Besucher selber kreativ mit der Sprache spielen können. Dort ist passenderweise auch in einer Vitrine die Schreibmaschine von Erika Fuchs ausgestellt. Inmitten eines großen Sprach-Spielplatzes – das ist genau der richtige Ort dafür. Rings um können die Besucher mit großen Buchstabenkarten Erikative verfassen, eigene Lautmalereien zu bestimmten Comicszenen ersinnen oder an einem Wortkombinator verschiedene Begriffe zusammenstellen. An einer Tafel mit einzelnen Bildern aus dem Comic können sie einige der von Fuchs verwendeten Zitate aus der Literatur bestaunen.

Ohje ohje, im ersten bunten Entenhausen-Raum kann ich mich schon kaum von der Szenerie trennen. Aus dem Sprachspiel-Saal will ich dann gar nicht wieder weg. Ach und seufz, in der Bibliothek, über die das Museum natürlich auch verfügt, möchte ich nun noch stundenlang stöbern und Comics lesen. Eins ist klar: Beim nächsten Bayreuth-Aufenthalt unternehme ich wieder einen Ausflug nach Schwarzenbach, denn ich möchte noch einmal ganz in Entenhausen eintauchen. grins grins.

Maibaum in Schwarzenbach

In Schwarzenbach ist man ganz auf Micky, Donald und seine Freunde eingestellt. Das zeigt auch dieser Maibaum, der gegenüber des neuen Comic-Museums steht. © Foto: Meike Nordmeyer

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Viele weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Erika Fuchs-Hauses, Museum für Comic und Sprachkunst.

Freu, freu – als mein Bruder Jörn, überzeugter Donaldist, mir kurze Zeit vor meinem Bayreuth-Besuch erzählt, dass das Erika Fuchs-Haus am 1. August 2015 eröffnen wird, habe ich sofort einen Abstecher dorthin eingeplant. Vielen Dank an den Bruder für den tollen Tipp zur rechten Zeit. Danke an das Museum für den freien Eintritt zur Berichterstattung.

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf Entenhausen liegt in Oberfranken

  1. lena sagt:

    Da muss ich mit meinen Kids aber schnell nach Oberfranken. Wir sind alle große Mickey Maus Fans und das Museum scheint echt toll zu sein.
    Liebe Grüße von der Seiser Alm

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