Käsekuchenglück in Potsdam

Das Holländische Viertel

Idyllisch, dabei frisch und lebendig: Das Holländische Viertel in Potsdam.
© Fotos: Meike Nordmeyer

Wenn ich in Potsdam bin, kann ich es kaum erwarten, ins Holländische Viertel zu gehen. Ich liebe diese Straßenzüge mit den roten Backsteinhäusern. Kleine Gruppen von gleichförmigen Giebelhäusern reihen sich dort aneinander. Von ihren braunroten Fassaden heben sich die weiß lackierten Fensterrahmen, die grün-weißen Türen und Fensterläden deutlich ab. Dazu finden sich auch breitere, repräsentativere Traufenhäuser. Sie sind mit den typischen hölzernen Portaldekorationen versehen, die sich auch um das darüberliegende Fenster und bis hinauf an das Hauptgesims ziehen. Insgesamt besteht das Viertel aus 134 Hollandhäusern in 4 Karrees. Es wurde in den Jahren 1733 bis 1742 errichtet und stellt das größte geschlossene holländische Bauensemble außerhalb der Niederlande dar.

Blumentöpfe, bunte Stühle und kleine Tische sind vor den Häusern aufgestellt, Fahrräder lehnen an der Wand – es ist ein Holland wie aus dem Bilderbuch. Ein Bummel durch das Viertel lohnt sich auch deshalb immer wieder, weil sich dort kleine inhabergeführte Geschäfte mit individuellem Angebot angesiedelt haben. Es gibt diverse Läden mit Kunsthandwerk, Modeboutiquen mit Selbstgeschneidertem oder auch Designerkollektionen, Second-Hand-Läden, Buchhandlungen und Antiquariate, Schmuckgeschäfte, einen Spielzeugladen, eine Meisterwerkstatt für Blechblasinstrumente, einen Weinladen sowie zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants.

Als ich nun wieder einmal nach Potsdam reise, bekomme ich einen fatalen Tipp von einem Kenner. „Geh ins Käsekuchen-Café im Holländischen Viertel. Das lohnt sich“, lautet die Empfehlung. Der bin ich natürlich gefolgt. Zielstrebig steuere ich also das Café Guam an der Mittelstraße an. Käsekuchen-Café – so steht es einladend an der Backstein-Fassade.

Im Käsekuchen-Café

Verlockend: Ein Besuch im Käsekuchen-Café im Holländischen Viertel. © Foto: Meike Nordmeyer

Und was soll ich sagen – nun ist es vollends um mich geschehen. Zehn verschiedene Kuchen stehen da auf der Theke. Sie sind fein säuberlich aufgereiht wie die Giebelhäuser. Die einzelnen Sorten muss ich euch aufzählen, damit ihr euch die Qual der Wahl vorstellen könnt: Neben der klassischen Variante gibt es an diesem Tag Käsekuchen mit Blaubeeren oder mit Kirschen, mit Eierlikör, Nougat, Birne und Schoko, Mohn, Brombeeren oder Himbeeren. Außerdem ist ein Florentiner Bienenstich dabei. Da brauche ich eine ganze Weile, bis ich mich entscheiden kann und ein Stück mit Birne und Schoko bestelle.

Jeden Tag stehen zehn verschiedene Kuchensorten in dem Café zur Auswahl, so erfahre ich auf Nachfrage. Die Zusammenstellung variiert auch nach Saison. Bis zu 30 Sorten Käsekuchen gibt es insgesamt. Ich bin froh, dass ich meine Wahl nun getroffen habe, bestelle noch einen Cappuccino dazu und nehme an einem der kleinen runden Holztische platz. Eine kleine Vase mit einer gelben Rose steht auf dem Tisch. Kurz darauf bringt mir die Bedienung mein Stück Kuchen und den Cappuccino. Langsam lasse ich die Kuchengabel in die helle Quarkmasse einsinken. Sie schmeckt cremig frisch. Fruchtig süß dazu die Birnenstücke und die Schoko-Akzente – eine perfekte Kombination. Auch der Cappuccino schmeckt gut, könnte aber noch etwas besser sein. Darüber bin ich fast froh, denn sonst wäre es vielleicht doch zu viel des Guten.

Fassade im Holländischen Viertel

Eine typische Häuserfassade im Holländischen Viertel in Potsdam.
© Foto: Meike Nordmeyer

Am Nachbartisch sitzt ein Studentenpärchen. Die beiden sprechen darüber, dass sie eigentlich heute lernen müssten. Doch sie haben sich offenbar erstmal für eine Stärkung mit Kuchen entschieden. An dem Tisch an der anderen Seite diskutieren fünf Gäste aus Österreich während sie ihr erstes Stück genießen, ob sie wohl noch ein zweites schaffen werden und welches es dann sein sollte. Auch ich denke gerade darüber nach. Eins ist jedenfalls sicher: Wenn ich das nächste Mal nach Potsdam fahre, werde ich noch ungeduldiger sein, wieder ins Holländische Viertel gehen zu können.

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Das auf Käsekuchen spezialisierte Café Guam an der Mittelstraße 38 in Potsdam hat täglich ab 11 Uhr geöffnet.

Zu der Reise nach Potsdam bin ich von Brandenburg Tourismus eingeladen worden. Gewohnt habe ich im Rahmen dieser Einladung im Hotel am Großen Waisenhaus an der Lindenstraße, das einen guten Ausgangspunkt für die Besichtigung der Stadt sowie Schloss und Park Sanssouci bietet.

Weitere Artikel über Potsdam:
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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Meike Nordmeyer ist freie Journalistin und Bloggerin. Auf meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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4 Antworten auf Käsekuchenglück in Potsdam

  1. Ganz meine Wahl! Schoko-Birne sprang mich auch gleich an, als du es aufgezählt hast :D
    Fragt sich also, wann fahre ich nach Potsdam und wann kommst du wieder nach Berlin? Wir müssen unbedingt noch ins Kuchenrausch! Vor allem, um zu vergleichen ;)
    LG Claudi

  2. Olli sagt:

    Toller Artikel und ich liebe Käsekuchen. :)
    Danke für diesen Tipp. Wenn ich in Postdam bin werde ich diesen befolgen.
    LG Olli

  3. Jutta sagt:

    So schön, das Viertel ist fabelhaft! Und ich bin ein Käsekuchenliebhaber. :)

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