Die Mohnpiele – hinreißender Genuss in Görlitz

Mohnpiele

Die Mohnpiele (oder einfach der Mohnkloß) ist eine schlesische Spezialität, die in Görlitz serviert wird. Besonders gut macht sie sich in Begleitung von Eierlikör.
© Foto: Meike Nordmeyer

An Mohnkuchen ist der Mohn das Beste. Ist ja klar. Was ich daher gar nicht leiden kann, sind diese Kuchenstücke, die vor lauter trockenem Teig mehr nach Wüste als nach Mohn schmecken. Das kann einem bei einer Mohnpiele nicht passieren. Bei dieser schlesischen Spezialität wird der Genuss einer saftig süßen Mohnspeise ernst genommen und bestmöglich umgesetzt.

In Görlitz, der östlichsten Stadt Deutschlands, stehen in vielen Restaurants und Cafés auch schlesische Spezialitäten auf der Karte. Und so bietet sich mir dort die Gelegenheit, die Mohnpiele kennenzulernen. Für mich ist das eine Sensation. Denn was ich da erleben darf, ist Mohnkuchen ohne Kuchen. Der lästige Teig wird bei der Mohnpiele einfach weggelassen. Stattdessen besteht die Spezialität aus einer Masse vor allem aus Mohn und Mandeln, die herrlich weich ist und doch fest genug, um in Form zu bleiben und einen Kloß zu bilden. Eine grandiose Idee. In klassischen schlesischen Rezepten ist als Begleiter für die Mohnpiele Vanillesoße vorgesehen. Im Café Lucullus an der Peterstraße in Görlitz wird sie sehr hübsch in Form eines kleinen Camemberts serviert und Eierlikör dazu gereicht. Eine vortreffliche Variante.

Café Lucullus - Garten

Der malerische Garten des Café Lucullus in Görlitz. Hier lässt sich hervorragend eine Mohnpiele zum Cappuccino genießen. Im Hintergrund ist der Nikolaiturm zu sehen. Der Turm wird im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, stammt aber vermutlich schon aus dem 13. Jahrhundert. © Foto: Meike Nordmeyer

„Wenn Sie Mandeln und Mohn lieben, dann ist das hier der Höhepunkt Ihrer Reise“, sagt Peter Stübner, Inhaber des Café Lucullus, mit freundlicher aber ernster Stimme, als er die Mohnpiele vor mir auf den Tisch stellt. Nun, ein herausragendes Erlebnis meiner Görlitz-Tour bildet diese kulinarische Erkundung auf jeden Fall. Und Lucullus hätte mir da sicherlich zugestimmt.

Langsam lasse ich die sonnengelbe Flüssigkeit über das körnig graue Mohntörtchen laufen. (Ich bezeichne es jetzt mal lieber als Törtchen, das Wort Kloß klingt viel zu grob.) Dann drücke ich vorsichtig die Kuchengabel hinein und probiere. Die Masse schmeckt angenehmerweise nicht zu süß, sondern bleibt durch den hohen Anteil von Mohn leicht herb. Der Eierlikör sorgt nicht nur für einen schönen Farbakzent, sondern gibt auch seine eigene cremig Note dazu. Und bei alldem ist da kein trockener Teig, der stören könne, womöglich noch mit dickem Randstück. Mohnkuchen ohne Kuchen – einfach himmlisch.

Innenhof des Café Lucullus in Görlitz

Der Innenhof des Café Lucullus in Görlitz. Das Gebäude an der Peterstraße 4 stammt aus dem 16. Jahrhundert.
© Foto: Meike Nordmeyer

Der Name Mohnpiele kommt vor allem aus Oberschlesien, sonst werden die Köstlichkeiten auch einfach Mohnklöße oder im schlesischen Dialekt Mohnkließla genannt. Sie werden traditionell zu besonderen Anlässen wie Silvester oder Weihnachten gereicht. Was für Festtage ersonnen wurde, ist bei einem Café-Besuch an einem ganz normalen Nachmittag erst recht ein Genuss. Nicht nur deshalb lohnt sich ein Besuch im Görlitzer Café Lucullus. Auch das Ambiente ist reizvoll, denn das Café befindet sich in einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert und ist stilvoll eingerichtet. Der Innenhof verfügt über mehrere Umgänge, die von massiven Brüstungen aus Sandstein begrenzt werden. Sie heben sich markant von den hellgelb gestrichenen Wänden ab. Bei schönem Wetter empfiehlt es sich, durch den Innenhof in den malerischen Garten zu gehen und dort gemütlich Platz zu nehmen. Da bietet sich auch ein schöner Blick auf den alten Nikolaiturm. Doch Ausblick hin oder her – während ich die Mohnpiele genieße, muss ich immer wieder kurz die Augen schließen. Der kräftige Cappuccino mit feinem Schaum passt da gut, der bewirkt einen steigenden Koffeinpegel, der mich allmählich wieder zu weiteren Besichtigungen animiert. Nun kann ich gestärkt und beseelt weiter die Altstadt erkunden. Da gibt es viel zu tun. In Görlitz finden sich fast 4000 Baudenkmale aus 500 Jahren europäischer Baugeschichte. Diese Stadt muss man besuchen, und die Mohnpiele ist noch ein Grund mehr.

Brunnen in Görlitz

Schönes Geplätscher aus altem Gemäuer – ein Springbrunnen am Obermarkt in Görlitz. Dahinter ist der Reichenbacher Turm zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

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Zu der Reise nach Görlitz bin ich von Best Western Hotels Deutschland und Görlitz Tourismus eingeladen worden. Gewohnt habe ich im Best Western Hotel Via Regia an der Jauernicker Straße.

Hier noch ein weiterer Artikel zu Görlitz:
Görlitz – meine zweite Zipfelstadt

Und noch ein besonderer Tipp für Genießer:
Käsekuchenglück in Potsdam

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Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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10 Antworten auf Die Mohnpiele – hinreißender Genuss in Görlitz

  1. Claudi sagt:

    Gut, dass ich einkaufen war, BEVOR ich deinen Artikel gelesen habe, sonst hätte ich jetzt den Bäcker überfallen und aus lauter Mohnkuchenstücken die Mohnmasse abgekratzt für selbstgemachte Piele! :D
    Klingt super lecker und war mir komplett unbekannt!
    Sehr gut aufgespürt!
    LG Claudi

    • meikemeilen meikemeilen sagt:

      Hihi, das ist ja auch eine schöne Idee, um für einen Mohnpielen-Ersatz zu sorgen. :-D Aber noch besser ist: bald mal nach Görlitz fahren!
      Viele Grüße, Meike

  2. Manu sagt:

    Ach wie gut, dass ich am Wochenende mal wieder nach Görlitz fahre. Da werde ich gleich mal das Café Lucullus aufsuchen und diese Köstlichkeit probieren :-)

  3. Karla Louis sagt:

    Die Mohnpiele war für mich neu und darum habe ich sie mir vor ein paar Tagen bei einem Besuch in Görlitz im Lucullus bestellt. Weil es draußen so kalt und nass war, mit einem heißen Kakao und Sahnehäubchen. Das war so gut und lecker, da habe ich mir noch eine zweite geordert und genossen. Nun habe ich zuhause mal bei Google geschaut und fühle mich bestätigt, es ist ein einfach nur köstlich.

    • meikemeilen meikemeilen sagt:

      Liebe Karla Louis,
      vielen Dank für die Rückmeldung. Das freut mich sehr, dass Ihnen die Mohnpiele auch so gut geschmeckt hat. Ja, da kann man auch gut direkt noch eine zweite von genießen!
      Viele Grüße, Meike

  4. Michael Hermann sagt:

    Leider fehlt das Rezept !!!

  5. Birgit sagt:

    Wir waren am letzten Wochenende in Görlitz und auch im Cafe Lucullus. Da ich von meiner Mutter die Mohnpielen – bei ihr heißen sie Mohnstriezel – kenne, musste ich natürlich probieren. Sie sind wirklich köstlich.
    Und Görlitz sehr sehenswert, auch zur Winterzeit mit dem gemütlichen Weihnachtsmarkt.

  6. Thomas Eisoldt sagt:

    Den Artikel haben wir erst nach dem Genuss dieser Köstlichkeit gelesen und dem Lob ist nichts hinzuzufügen. Uns ging es mit dem Rezept genau so. Peter Stübner meinte nur mit einem Augenzwinkern, dass es natürlich geheim sei, man aber sicher welche im Netz findet. Nur ob man sie so gut hinbekommt ist nicht sicher. Das ist natürlich eine Herausforderung, der ich mich gern stelle. Görlitz ist immer wieder eine Reise wert, und ab sofort gehört eine Mohnpiele im Café Lucullus einfach dazu.

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