In Schleswig mit Nolde in die Südsee reisen

Blick auf Schleswig

Blick von Busdorf über den Ostseefjord Schlei hinweg auf Schleswig. © Foto: Meike Nordmeyer

Werbung – Dieser Artikel wurde gefördert von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein.

Der Wind kräuselt das dunkelblaue Wasser. In kleinen Wellen platscht es an die Pfosten des Holzstegs und lässt das weiße Boot davor schaukeln. Ich stehe auf dem Holzsteg und blicke von der Ortschaft Busdorf über die Schlei hinweg nach Schleswig hinüber. Der hohe Turm des Doms von Schleswig ist gut zu erkennen. Die Schlei, das ist ein weit ins Land hineinragender Meeresarm der Ostsee, der geologisch etwas ungenau aber dafür wohlklingend auch als Ostseefjord bezeichnet wird. Ich bin zum ersten Mal an der Schlei und bin sogleich begeistert von der Landschaft. Doch gekommen bin ich nicht für die Ostsee, sondern für das Thema Südsee. Der Anlass für meinen Besuch ist eine Ausstellung im Nolde-Jahr zum 150. Geburtstag des berühmten Malers. „Nolde in der Südsee“, so lautet der Titel der Ausstellung, die ich mir am nächsten Tag im Gottorfer Schloss von Schleswig anschauen will.

Die Schei im Abendlicht

Zauberhaft: Die Schlei im Abendlicht. © Foto: Meike Nordmeyer

Nun stehe ich aber erstmal hier am Fjord und genieße die aufziehende Abendstimmung. In Busdorf lässt es sich gut speisen. Das Restaurant Odins Haddeby liegt nah am Ufer und bietet eine Küche, die vor allem auf regionale Produkte setzt. Natürlich habe ich hier am Wasser Lust auf Fisch und so bestelle ich den Fang des Tages. Der ist an diesem Tag der Schlei-Butt, eine kleine Schollenart, die es nur hier im Gewässer gibt. Dazu wird warmer Kartoffelsalat und eine Soße aus Wikingersenf serviert. Einen vorzüglichen kulinarischen Auftakt für meinen Besuch an der Schlei bildet dieses Abendessen. Der Wikingersenf auf dem Teller hat seinen Grund, denn in Schleswig und Umgebung verweist man gerne auf die Wikinger, die hier in alten Zeiten durch die Landschaft zogen. In Busdorf lädt das Wikinger Museum Haithabu zum Besuch ein – das ist sicherlich auch sehr interessant. Doch ich bin für dieses Mal in Sachen Kunst angereist.

Plakat zur Nolde-Ausstellung

Farbkräftiger Hinweis vor dem weißen Schloss Gottorf – das Plakat zur Nolde-Ausstellung. © Fotos: Meike Nordmeyer

Am nächsten Morgen kann ich von meinem Hotel F.Ritz garni an der Friedrichstraße in etwa 20 Minuten zum Schloss Gottorf laufen. Verheißungsvoll steht das Plakat mit dem Titel „Nolde in der Südsee“ vor dem Portal des schneeweißen  Schlossgebäudes. Es behauptet sich gut mit seinen leuchtenden Farben vor den großen Sandsteinquadern, auf denen das mächtige beigefarbene, säulengerahmte Portal des Schlosses ruht. Das Plakat weist den Weg in die  Reithalle, eine von mehreren Ausstellungsorten des weitläufigen Schlossgeländes. Auch in der Ausstellung der Stiftung Horn sind ergänzend weitere Werke von Nolde und anderen Expressionisten zu besichtigen. Ich folge dem Plakat. Auf geht’s in die Südsee!

Dschunken auf dem Jangtse

Dschunken auf dem Jangtse – Bilder wie diese malte Nolde, während seine große Reise durch China führte. Emil Nolde, Dschunken (gelb), Aquarell und Tusche, China 1913, © Nolde Stiftung Seebüll

Zu Beginn der Ausstellung in der Reithalle erwartet den Besucher erstmal eine große Landkarte. Die dient dazu, die Route der weiten Reise darzustellen, die Emil Nolde gemeinsam mit seiner Frau Ada von Oktober 1913 bis zum Spätsommer 1914 unternahm. Die beiden hatten sich einer „medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“ des Deutschen Reiches angeschlossen. Diese führte über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Korea, Japan, China und Hongkong, dann über die Philippinen weiter in das damalige Deutsch-Neuguinea. Schon unterwegs entstanden erste Kunstwerke, denn Nolde führte Aquarellfarben, Tusche, Kreiden und Stifte im Reisegepäck mit sich. So fertigt er beispielsweise stimmungsvolle Bilder in Aquarell oder Tusche von den zahlreichen Dschunken auf dem Jangtse.

In der Nolde-Ausstellung

In der Nolde-Ausstellung in Schleswig. Es ist immer faszinierend, vor den Originalen zu stehen. Emil Nolde, „Palmen am Meer“, Gemäde 1914, © Nolde Stiftung Seebüll. Foto: Meike Nordmeyer

Seine Staffellei, Ölfarben und Leinwand hatte Nolde bereits vorausgeschickt. So kann er sich nach Ankunft in Deutsch-Neuguinea schon bald an die Arbeit machen. Er malt die Landschaften der Inseln, atmosphärisch dichte Bilder von Himmel, Wolken, Meer, Wellen, Strand und Palmen in intensiven, flammenden Farben. 19 Ölgemälde sind auf der Reise insgesamt entstanden.

Auch die Einheimischen dort hat Nolde genau beobachtet und in zahlreichen Einzelstudien auf Papier portraitiert. Deutlich arbeitet er dabei markante, individuelle Gesichtszüge heraus. Beeindruckend ist, was für einen Stolz, für eine innere Ruhe die portraitierten Personen ausstrahlen. Bei den Gemälden findet sich hingegen auch mehrfach die Darstellung von Menschengruppen.“Südseekrieger“, „Erregte Unterhaltung“ oder „Wilde“ lauten dann die Titel. Diese Bilder weisen eine auffallend düstere, mitunter unheimlich wirkende Stimmung auf. Das Gefühl der Fremdheit schwingt da durchaus mit. Auch das hat Nolde offenbar in der Südsee empfunden. So hat er auch einmal von einer bedrohlichen Lage berichtet. In die war er geraten, als die Inselbewohner zunächst nicht mit der Situation zurechtkamen, dass sie beobachtet und gemalt wurden. Es kam zu einer feindseligen Situation, die sich mit dem Rückzug des Malers wieder auflösen ließ. Ein Erlebnis, das sicherlich starken Eindruck bei Nolde hinterlassen hat.

Gemälde von Nolde

Emil Nolde, „Eingeborene am Strand“, Gemälde 1914,
© Nolde Stiftung Seebüll

Der Künstler suchte in der Südsee die ursprüngliche Existenz des Menschen, das Leben im Einklang mit der Natur. Vieles davon fand er dort. So schreibt er: „Die Urmenschen leben in ihrer Natur, sind eins mit ihr und ein Teil vom ganzen All.“ Doch Noldes wachsamer Blick beobachtet auch, wie diese Natürlichkeit durch die Präsenz der Europäer, durch ihren Einfluss, durch Belehrungen und Eingriffe, und auch allein schon durch die Beobachtung verändert und gefährdet wird. „Wir leben in der Zeit, wo die ganzen Urzustände und Urvölker zugrunde gehen, alles wird entdeckt und europäisiert“, stellt Nolde mit Sorge fest. Die Reise und alle damit verbundenen Eindrücke bleiben jedenfalls ein zentrales Erlebnis im Leben Noldes, das ihn bewegt, herausgefordert und inspiriert hat. „Der ganze Reichtum des während dieser Reise sehend Erlebten bleibt einem für immer“, so fasst er es zusammen.

Damit sind es mehrere Perspektiven, die diese Ausstellung so interessant machen. Sie thematisiert die weite Reise als eine besonders prägende Zeit des Malers und lässt damit wichtige Einflüsse auf sein Werk nachvollziehen. Zugleich bietet die Schau eine künstlerische Sicht, einen Blick zurück auf eine ursprüngliche und als solche heute zum großen Teil verlorene Welt in der Ferne.

Blick in den Raum

Blick in die Nolde-Ausstellung in der Reithalle. Alle gezeigten Werke sind Leihgaben der Nolde Stiftung Seebüll. © Foto: Meike Nordmeyer

Emil Nolde und seine Frau Ada

Emil Nolde und Ada, 1909, © Nolde Stiftung Seebüll

Neben den Werken von Nolde sind außerdem auch noch eine Reihe von Fotografien ausgestellt. Besonders berührend ist die Aufnahme von 1909, die Emil Nolde und seine Frau Ada in zärtlicher Verbundenheit zeigt. Ein Foto, das in Erinnerung bleibt. Ich freue mich nun, dass ich noch eine weitere Exkursion zu Nolde vorhabe. Im Anschluss an meinen Besuch in Schleswig geht es weiter nach Seebüll, um dort das Wohn- und Atelierhaus von Nolde und den von ihm so geliebten Garten kennenzulernen. Da werde ich die Gelegenheit haben, noch viel mehr Werke im Original von ihm zu sehen.

Der Gottorfer Globus

Beeindruckend: Der Gottorfer Globus in Schleswig. Im Globushaus, das im Barockgarten von Schloss Gottorf steht, ist der Nachbau des begehbaren Riesenglobus‘ aus dem 17. Jahrhundert zu besichtigen. © Foto: Meike Nordmeyer

Doch auch hier in Schleswig wäre noch so viel zu besichtigen. Problemlos ließen sich damit noch mehrere Tage füllen. Wer nach der intensiven Nolde-Ausstellung noch mehr Kunst besichtigen möchte, hat dazu jedenfalls reichlich Gelegenheit. Die Galerie der Klassischen Moderne ist in einem eigenem Gebäude untergebracht. Sie beherbergt auch die Sammlung der Stiftung Rolf Horn. Auf der gesamten Schlossinsel lassen sich zudem mehr als 50 Skulpturen entdecken, die der Zeit seit dem späten 19. Jahrhundert entstammen. Im Schlossgebäude selber befindet sich das Archäologische Landesmuseum und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

Zudem lohnt sich ein Spaziergang in den weiter hinter dem Schloss gelegenen Barockgarten. Dort sollte man auf keinen Fall versäumen, das Globushaus zu besuchen. Es beherbergt den Gottorfer Globus, eine Rekonstruktion eines riesigen, begehbaren Globus‘ aus dem 17. Jahrhundert. Dieser war damals weltberühmt, denn er war das erste Planetarium der Welt. Auf seinen Innenwänden zeigt er den Sternenhimmel und bildet diesen somit als dreidimensionales Modell ab, das auf modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit beruhte. Erstaunlich dabei ist: Die Positionierung der Sterne gilt bis heute als nahezu korrekt. Dazu sind die Sternenbilder auf künstlerische Weise aufgemalt auf dem blauen Grund des Himmels. Damals wurde das Innere des Globus‘ mit Kerzenschein, heute wird es mit LED fein beleuchtet. Die Besucher können auf einer umlaufenden Sitzbank Platz nehmen, der Himmel dreht sich dann um sie herum, und so können sie den Lauf der Gestirne bei einer achtminütigen Fahrt beobachten. Über den Audioquide laufen Erläuterungen, und begleitend dazu ist Barockmusik zu hören. Zu diesen glänzenden, so vortrefflich passenden Klängen in der so bedeutenden und schön gestalteten Himmelskugel zu sitzen – das ist ein großartiges Erlebnis, das mich sehr beeindruckt hat.

Der Kreuzgang des Doms

Schön schiefer Schleswiger Schwahl: Der Kreuzgang des Doms, der nach einem Wort aus dem Niederdeutsch-Dänischen Schwahl genannt wird. © Foto: Meike Nordmeyer

Die Vielfalt auf dem Schlossgelände ist immens, ein Besichtungstag also viel zu kurz. Wer kann und mag, der plane also mehr Zeit dafür ein. Eine Gelegenheit zur Stärkung mit Kaffee, Kuchen oder Mittagessen – dafür ist zum Glück auch gesorgt. Im Kellergewölbe des Schlosses  ist eine Brasserie untergebracht, das Occo, das vom Besitzer des anfangs erwähnten Restaurants Odins Haddeby betrieben wird und ebenfalls zu empfehlen ist. Dort kommt eine Stärkung genau recht, denn schließlich soll es nach den Besichtigungen rund ums Schloss noch weitergehen ins Zentrum von Schleswig. Dort will ich durch die Altstadtgässchen bummeln, die alte Fischersiedlung Holm anschauen und natürlich auch den Dom. In diesem lohnt  besonders ein Blick in den Kreuzgang, der im 14. Jahrhundert an den Dom angebaut wurde. Der Kreuzgang trägt den Namen „Schwahl“, ein Wort aus dem Niederdeutsch-Dänischen, das bedeckter, kühler Gang bedeutet. Im Deckengewölbe sind große Teile der Fresken aus der Entstehungszeit des Schwahls erhalten, an den Wänden finden sich alte Rötelzeichnungen. Im Laufe der Jahrhunderte ist der Kreuzgang herrlich schief geworden und strahlt auch damit eine ganz besondere Atmosphäre aus. Es gibt so viel zu entdecken in Schleswig. Wie gut, dass mich Nolde hierher gelockt hat. Und beim nächsten Mal sind die Wikinger dran.

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Zum 150. Geburtstag des Malers Emil Nolde im Jahr 2017 zeigen das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und die Stiftung Rolf Horn in Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll die Ausstellung „Nolde in der Südsee“ in Schleswig. Mehr als 150 Werke – Gemälde, Aquarelle und Pastelle – werden in der Reithalle und in der Sammlung Rolf Horn auf dem Gelände des Gottorfer Schlosses gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. September 2017 zu sehen.

Auf der Webseite des Gottorfer Schlosses finden sich auch noch mehr Infos zum Gottorfer Globus.

Dieser Beitrag wurde gefördert von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Zu der Tour erst nach Schleswig, dann weiter nach Seebüll und List auf Sylt bin ich eingeladen worden. In Schleswig habe ich im Rahmen der Einladung im Hotel F.Ritz garni gewohnt.

Mehr über Emil Nolde auf meikemeilen lesen:
Seebüll: Von Noldes Garten in den Malkurs

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Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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Eine Antwort auf In Schleswig mit Nolde in die Südsee reisen

  1. Sabine Nagl sagt:

    Noch ein Grund nach Schleswig zu fahren :-)

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