Segelschiffe – Gedicht von Joachim Ringelnatz erzählt vom Fernweh

Segelschiffe auf dem Meer
Segelschiffe auf der Nordsee – sie sind gerade aus dem Hafen von Scheveningen ausgefahren und ziehen nun weit hinaus aufs Meer. © Foto: Meike Nordmeyer

Der November gibt sich diesmal nicht so grau und trüb wie sonst, sondern spendiert immer wieder blauen Himmel und Sonnenschein. Und trotzdem oder gerade deshalb und überhaupt – die Reiselust und das Fernweh juckt und zwickt. Auf und hinaus in die weite Welt, neue Gefilde entdecken, an einen schönen Strand mit rauschender Brandung oder noch besser: Leinen los, hinaus aufs Meer, in die Ferne ziehen und auf zu neuen Ufern – das wär’s jetzt!
Manchmal ist es nur wie ein Windhauch, doch dann tritt es in Wellen auf, manchmal auch als Sturm – das Fernweh. Der Dichter Joachim Ringelnatz (1883-1934) hat solche Anfälle von Fernweh auch gekannt, da bin ich mir sicher. Es wehte ihm gerade durch die Seele, als er sein sehnsuchtsvolles Gedicht über Segelschiffe schrieb.

SEGELSCHIFFE

Sie haben das mächtige Meer unterm Bauch
Und über sich Wolken und Sterne.
Sie lassen sich fahren vom himmlischen Hauch
Mit Herrenblick in die Ferne.

Sie schaukeln kokett in des Schicksals Hand
Wie trunkene Schmetterlinge.
Aber sie tragen von Land zu Land
Fürsorglich wertvolle Dinge.

Wie das im Winde liegt und sich wiegt,
Tauweb überspannt durch die Wogen,
Da ist eine Kunst, die friedlich siegt
Und ihr Fleiß ist nicht verlogen.

Es rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. –
Natur gewordene Planken
Sind Segelschiffe. – Ihr Anblick erhellt
Und weitet unsre Gedanken.

Joachim Ringelnatz

Segelschiffe im Hafen von Scheveningen
Jede Menge hohe Masten sind da zu sehen – im Hafen von Scheveningen liegen die Großsegler, die zur “Sail op Scheveningen” im Juni 2019 gekommen sind. 24 prächtige Großsegler aus 10 verschiedenen Ländern haben sich zu dieser Veranstaltung eingefunden. Ich habe zufällig genau an diesem Wochenende einen Kurzurlaub in Scheveningen verbracht und konnte so die beeindruckenden großen Segelschiffe ausgiebig bewundern. Was für ein Glücksfall! Das Foto ganz oben zu Beginn des Artikels ist bei der Ausfahrt der Schiffe, einer großen Parade zum Abschluss der Veranstaltung entstanden. © alle Fotos: Meike Nordmeyer

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Die Fotos sind während eines privaten Aufenthaltes, eines Kurzurlaubs in Scheveningen entstanden, den ich komplett selbst finanziert habe.

Nicht nur über Segelschiffe, auch über eine Fahrt mit der Schwebebahn hat Joachim Ringelnatz ein Gedicht geschrieben.

Geschichten vom Reisen auf dem Wasser – ob Kreuzfahrten, Fährfahrten oder eine Tour mit dem Hausboot –  gibt es in der Rubrik meikeknoten zu lesen.

meikeknoten

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