Frühling in Berlin – eine Pfütze, ein Roboter und ein Nashorn entzücken

Fahnen der ITB

Farbenfroh wehen die Fahnen der ITB auf dem Messegelände in Berlin. © Foto: Meike Nordmeyer

Vor dem knatschblauen Himmel von Berlin machen sich die gelb- und orangefarbenen Fahnen der ITB besonders gut. Es ist Mittwochmorgen, die am Vortag schon eröffnete Messe beginnt nun mit dem ersten kompletten Fachbesuchertag. Auf geht’s also wieder zu drei intensiven, vielfältigen und immer auch sehr anstrengenden Tagen auf der weltgrößten Reisemesse. Es ist noch kalt an diesem Morgen in Berlin, aber strahlend schön. Doch davon bekomme ich schon bald nichts mehr mit. Denn ich eile im Laufschritt durch die Messehallen, von einer Pressekonferenz, einem Gesprächstermin, einem Empfang, einem Get-Together oder Was-auch-immer-Treffen zum nächsten. Meistens folgen die Termine dicht aufeinander, also muss ich durch die Hallen flitzen. Und wenn mal etwas mehr Zeit ist, dann kann ich – wie schön! – kurz stehenbleiben, wenn ich wieder ein bekanntes Gesicht erblicke. Ein kurzer Plausch, an der nächsten Ecke noch einer – und dann doch wieder rennen. Von dem Wetter, das da draußen irgendwo stattfindet, bemerke ich nichts mehr.

Um so unangenehmer erwischt mich die Überraschung, als ich aus der Messe rauskomme und der Abend mich mit Schneeregen empfängt. „Das ist unfair, es ist doch schon März“, schimpfe ich vor mich hin, während ich zur S-Bahn laufe. Ich fahre ins Hotel in der Nähe vom Ku’damm, um mich schnell etwas frisch zu machen und dann noch einmal zu einem Abendempfang in der Nähe aufzubrechen. Zum Glück wird die nass-kalte Überraschung die einzige Flockenattacke dieser Art während der ITB-Tage bleiben. Für das Wochenende sind Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen von bis zu 15 Grad für Berlin angesagt. Fantastisch! Denn ich habe auch dieses Jahr wieder das Wochenende drangehängt und fahre erst Sonntagnachmittag zurück, damit ich nach den drei Tagen in den Messehallen noch etwas von der Stadt sehe und Berliner Luft und Atmosphäre schnuppern kann.

Schöne Pfütze - Frühling in Berlin

Plötzlich Frühling in Berlin, und so eine große Pfütze hat ihren ganz besonderen Reiz. © Foto: Meike Nordmeyer

Und dann ist tatsächlich plötzlich Frühling in Berlin! Der Wetterbericht hat nicht zu viel versprochen. Am Wochenende gibt es  herrlich sonnige und verblüffend warme Stunden geschenkt. Ich will am Samstag einfach nur bummeln. Ziellos schlendern, das ist mein Plan. Ich fahre mit der S-Bahn zum Hackeschen Markt, denn am Samstag gibt es dort zahlreiche Verkaufsstände mit schönen und originellen Dingen, handgefertigte Täschchen und andere Dinge aus bunt gemusterten Stoffen, Schmuck, fantasievolle Stofftiere oder auch aus altem Silberbesteck zusammengebogene Kerzenständer. Dazu gesellen sich diverse Buden mit Leckereien, mehrere Stände mit türkischen Gerichten, auch Biokäse oder frische gefüllte Pasta werden angeboten. Ich habe es auf einen frisch gepressten Granatapfelsaft abgesehen. Ich wusste schon, dass es den hier gibt und der hat mich angelockt. Die dunkelrote Vitaminpower kann ich nach den Messetagen gut gebrauchen.

Dann schlendere ich weiter, gehe durch den Brückenbogen unter der S-Bahn-Linie hindurch und weiter in Richtung Spree. Auf der Wiese vor dem Ampelmann-Restaurant haben es sich schon viele Besucher in den Liegestühlen bequem gemacht. Sie genießen die Sonne und den schönen Blick auf die Museumsinsel. Wolldecken liegen auch für sie bereit. Das ist an diesem Frühlingstag Anfang März auch gut so, denn natürlich kann es einem noch schnell kalt werden, wenn man länger ruhig sitzt. Kleine Kinder haben hingegen gar keine Lust auf dieses Stillsitzen der Erwachsenen, sie laufen lieber fröhlich quietschend durch die Gegend und steuern mit Begeisterung die langgestreckten Pfützen auf dem breiten Gehweg am Flussufer an. Pfützen sind bei Kindern immer beliebt. Und so manch eine dieser Wasserflächen hat mit ihrer Spiegelung auch für die Erwachsenen einen besonderen Reiz. Denn es gibt Pfützen, die können richtig gut berlinern.

Roboter an der Wand

Roboter an der Wand – diesen kleinen Gesellen habe ich am Savignyplatz in Berlin entdeckt. © Foto: Meike Nordmeyer

Es sind die kleinen Fundstücke am Rande, mit denen so ein entspannter, zielloser Bummel durch die Stadt belohnt wird. Zuvor habe ich schon am Savignyplatz eine besondere Entdeckung gemacht. Dort bin ich den Else-Ury-Bogen entlang gelaufen, der vom S-Bahnhof auf den Platz führt und einige schöne Cafés und Läden bietet. Da bemerke ich plötzlich unten, knapp über dem Boden, einen kleinen Gesellen. Ich gehe in die Hocke und betrachte das Wesen genauer. „Kleiner Roboter an der Wand, was machst Du denn da?“, frage ich leise. Er lächelt freundlich, bleibt aber verschlossen. Es hat ihn wohl noch niemand etwas gefragt.

Auf dem Weg nach Kreuzberg drängt sich später eine ganz andere Kreatur aus dem Mauerwerk heraus in mein Blickfeld. Im Durchgang der großen, imposanten Oberbaumbrücke, die über die Spree von Friedrichshain nach Kreuzberg führt, scheint ein kunterbuntes Nashorn seinen großen Kopf weit aus der Wand hervorzustrecken. Ein feines Stück Streetart, das hier offenbar in jüngster Zeit auf Papier an der Backsteinwand angebracht wurde. Das sind genau diese Art von bunten Entdeckungen, nach denen mir an diesem sonnigen, entspannten Frühlingstag der Sinn steht. Berlin, bitte mehr davon! Ach, und Du weißt ja, ich kann von Dir gar nicht genug bekommen.

Streetart: buntes Nashorn

Buntes Nashorn auf Backstein – Streetart im Durchgang der Oberbaumbrücke, die über die Spree von Friedrichshain nach Kreuzberg führt. © Foto: Meike Nordmeyer

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Was ich am Abend dieses schönen Tages noch gemacht habe? Das und noch viel mehr könnt Ihr bei Reisebloggerin Elke in ihrem Artikel „Verwirrt in Neukölln“ nachlesen.

Ich habe hier noch zwei Hoteltipps für Berlin:
Ein Zimmer am Ku’damm – das Hotel und Hostel Aletto
Charmant, türkis und online – Motel One in Berlin

Ein schönes Stück Streetart entdeckte ich vor zwei Jahren während der ITB in Berlin:
Sei stolz auf Dich – das Posting mit der Maus

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Zum Weiterlesen

Meike Nordmeyer

Über Meike Nordmeyer

Hier bloggt Meike Nordmeyer, freie Journalistin aus Wuppertal. Auf ihrem Reiseblog meikemeilen schreibt sie über ihre Reisen rund um die Welt, und ihre liebsten Themen sind dabei Kultur und Genuss.
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6 Antworten auf Frühling in Berlin – eine Pfütze, ein Roboter und ein Nashorn entzücken

  1. Elke sagt:

    Danke, liebe Meike! Das Nashorn ist übrigens der Hit, es wirkt geradezu 3D, als würde es gerade mit dem Kopf um die Ecke schwenken. :-) Liebe Grüße und bis hoffentlich bald!!! Elke

  2. nordicfamily sagt:

    Liebe Meike, wie treffend beschrieben. Manchmal wünsche ich mir, dass die ITB an einem anderen Ort ist als Berlin, damit ich auch mal zur ITB reisen kann… so bin ich meistens zu Hause und fahre nur mal schnell mit der S-Bahn zur Messe. Danke für den frischen Blick auf Details dieser Stadt :)
    Geertje

  3. Schöner Artikel, sage ich mal so als Wahlberlinerin. Super Bilder. Das Nashorn kannte ich noch gar nicht! Liebe Grüße und bis hoffentlich bald mal wieder!

  4. Britta Schmidt sagt:

    Wirklich gelungene Berlin Eindrücke!

  5. Danke für den frischen Blick auf Details dieser Stadt. :) Jorgen

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