Käse, Eis und Design – genussvolle Tour durch Nordbrabant

Windmühle in Hapert in Nordbrabant
Gleich zu Beginn der Radtour gibt es erstmal einen Fotostopp, denn am Rand des Ortes Hapert in Nordbrabant steht diese schmucke Windmühle. © Foto: Meike Nordmeyer

Weit bin ich nicht gekommen. Gerade mal 2 Kilometer bin ich mit meinem Leihfahrrad unterwegs, da muss ich schon wieder absteigen. Denn vor mir präsentiert sich eine prächtige alte Windmühle. Sie steht am Rande des Ortes Hapert in der niederländischen Provinz Nordbrabant. So ein schmuckes Bauwerk! Da muss ich natürlich anhalten und ein paar Fotos schießen. Ich bin auf Genusstour in Nordbrabant unterwegs, genauer gesagt in der Region Brabanter Kempen. Gestartet bin ich am Mittag in Bladel, das liegt rund 30 Kilometer von Eindhoven entfernt. Beim Fahrradverleih Van der Mierden, der in einem schönen alten Bauernhof untergebracht ist, stelle ich mein Auto ab und erhalte mein E-Bike für die Halbtagestour. Drei besondere Genuss-Stationen werde ich heute Nachmittag ansteuern. Ein Radwegenetz mit sogenannten Knotenpunkten durchzieht die Landschaft. Diese sind durchnummeriert und gut ausgeschildert. Das macht es leicht, die mir vorgegebene Tour zu fahren, die einfach aus einer Zahlenfolge besteht. Radeln nach Zahlen, lautet also das Motto.

Schon bald schwinge ich mich also an der Windmühle wieder in den Sattel. Knapp 7 Kilometer gilt es jetzt bis zu meiner ersten Station, der Käserei De Ruurhoeve in Hoogeloon, zu radeln. Das ist an sich kein Problem. Doch leider finde ich den nächsten Knotenpunkt nicht. Denn die Straße im Zentrum von Hapert, durch die meine Strecke führt, ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Da ist kein Durchkommen, auch nicht mit einem Fahrrad, die Straße ist komplett aufgerissen, die Fahrbahndecke wird offenbar erneuert. Eine Umleitung ist ausgewiesen, die ist auch schnell gefahren, doch nun finde ich keinen Hinweis mehr auf meinen nächsten Knotenpunkt. So ein Mist! Da irre ich also eine ganze Weile umher. Schließlich frage ich einen Anwohner, der auch erstmal überlegen muss. „Ich kenne mich hier ja aus, daher fahre ich nie nach diesen Schildern“, sagt er. Aber intutiv weist er mir doch den richtigen Weg und schon bald bin ich wieder auf meiner Piste und erspähe die übernächste Zahl. Das war natürlich Pech für meine Tour gleich zu Beginn. Doch es bleibt das einzige Problem mit der Ausschilderung. Ohne störende Baustelle ist es wirklich spielend leicht, der Strecke anhand der Knotenpunkt-Schilder zu folgen.

Käseteller
Liebevoll angerichteter Probierteller in der Käserei De Ruurhoeve Hoogeloon. © Foto: Meike Nordmeyer

In der Käserei De Ruurhoeve in Hoogeloon werde ich schon erwartet. Inhaberin Erica Beerens-Ansems hat einen Probierteller für mich vorbereitet, der samt Blumendekoration nicht nur wunderbar aussieht, sondern auch duftet. Hausgemachter Biokäse nach Art von Gouda liegt in kleinen Würfeln darauf. Eine Sorte präsentiert sich pur, dazu gibt es Versionen mit Brennnesseln und mit Trüffeln. Herrlich cremig und aromatisch schmecken alle drei Sorten. Die mit Trüffeln mundet mir dabei besonders.

Im Käselager
Im Lager der Käserei De Ruurhoeve: Inhaberin Erica Beerens-Ansems präsentiert stolz einen Käselaib vor den vollen Regalen. © Foto: Meike Nordmeyer

Beerens-Ansems berichtet mir unterdessen von ihrem Hof. 60 Kühe und 60 Kälber gehören derzeit dazu. „Wir gehen mal rüber und schauen nach ihnen“,  sagt sie und springt auf. „Die Kälber bleiben nach der Geburt erstmal 100 Tage lang bei ihrer Mutter“, erzählt sie mir auf dem Weg in den Stall. Das ist ihr wichtig. Auch Schweine gibt es auf dem Gelände, die gehören einem anderen Bauern. Familien mit Kindern können den Bauerhof besichtigen. Und es gibt auch Käse-Workshops. „Einen halben Tag dauert das, dann hat jeder einen kleinen Käse gemacht. Das ist eine tolle Erfahrung für die Teilnehmer“, sagt die Inhaberin. „Bei uns kann man sehen, wie die Tiere leben und erfahren, wie der Käse produziert wird. Wir haben keine Geheimnisse“, ergänzt sie. Und natürlich gibt es auch eine Verkaufstheke, an der die Besucher diverse Käsesorten zum MItnehmen kaufen können. Der köstliche Käse war auf jeden Fall ein genussvoller Auftakt und eine gute erste Stärkung auf meiner Tour. Mich zieht es nun wieder weiter. Ich schaue noch schnell auf meinen Plan und dann steuere ich die nächsten Zahlen an. Weiter geht es nun etwa 16 Kilometer bis nach Bergeijk.

Design von Gerrit Rietveld in Bergeijk

Dort am Streekrestaurant De Hofkaemer angekommen fallen mir gleich die offenbar selbstgezimmerten bunten Holztische und Bänke im Mondrian-Stil auf. „Ja, Bergeijk ist eine Designstadt, da habe ich mir diese Möbel dazu selbst ausgedacht“, sagt Geert Braks.

Das Streekrestaurant De Hofkaemer in Nordbrabant
Das Streekrestaurant De Hofkaemer in Bergeijk. © Foto: Meike Nordmeyer
Ein Probierteller mit regionalen Speisen im Streekrestaurant De Hofkaemer in Bergeijk. © Foto: Meike Nordmeyer

Mit seiner Frau Marnetta serviert er in seinem Restaurant Gerichte aus Lebensmitteln, die im Umkreis von etwa 50 Kilometern auf den zahlreichen Bauernhöfen produziert werden. „Rund 80 Prozent der Lebensmittel, die wir verwenden, kommen direkt aus dem Umfeld. Viele hochwertige Erzeugnisse gibt es hier in der Region und deshalb biete ich die auch so gerne an“, erzählt Braks lächelnd. Ich bekomme eine gemischte Platte mit den verschiedenen Spezialitäten serviert. All das schmeckt betörend frisch und aromatisch. Auch der Käse von De Ruurhoeve ist dabei.

Nachdem ich meine gemischte Platte verputzt habe, lässt es sich Braks nicht nehmen, mit mir durch den Ort zu radeln und mir zu zeigen, was Bergeijk zur Designstadt macht. Nicht Piet Mondrian, sondern der Künstlerkollege Gerrit Rietveld schuf mehrere Werke für die Stadt. Rietveld gehörte ebenso wie Mondrian der Künstlergruppe „De Stilj“ an. Von Rietveld zu sehen sind in Bergeijk eine Stadtuhr und ein Wartehäuschen für eine Bushaltestelle. Für die Weberei De Ploeg gestaltete der Architekt und Designer zudem 1958 ein Fabrikgebäude mit markantem Sägezahndach. Heute ist darin ein Besucherzentrum mit Ausstellungen zu modernem Design und Kunst untergebracht. Leider habe ich auf meiner Tour keine Zeit für eine Besichtigung. Die ist auf jeden Fall ein Grund, nochmal wiederzukommen.

Design von Gerrit Rietveld in Bergeijk
Klare Linien und Formen – geniales Design von Gerrit Rietveld in Bergeijk: Ein Wartehäuschen für eine Bushaltestelle, eine Stadtuhr und ein Fabrikgebäude. © Fotos: Meike Nordmeyer

Für mich geht es nun zurück zum Fahrradverleih. Ich radel also wieder durch die schöne Landschaft, vorbei an Feldern, alten Bauernhöfen und immer wieder durch Waldstücke. Allmählich lässt die Hitze des Sommertages etwas nach, das ist zum Radeln durchaus angenehm. Auch weil ich mich schon wieder beeilen muss, denn durch die interessanten Gespräche und die Zeit für Genuss und Besichtigung bin ich ziemlich im Zeitverzug. Ich will ja noch zum Eis-Bauernhof Fabor in Reusel. Wie gut, dass mir das E-Bike hilft, schnell voranzukommen.

Zum Dahinschmelzen: eine große Waffel mit der Bio-Eiscreme von Fabor. © Foto: Meike Nordmeyer

Eigentlich wollte ich zu diesem dritten Genusspunkt auch hinradeln, denn mit etwa 4,5 Kilometern vom Fahrradverleih aus ist es nicht so weit. Aber da ich spät dran bin, holt Rian Fabrie mich netterweise mit dem Auto am Verleih ab. Ihr Eis-Bauernhof ist sehr beliebt in der Gegend. „Viele Leute legen ihre Fahrradtour extra immer wieder so, dass sie bei uns vorbeikommen. Na klar, so ist es ja auch gedacht“, sagt sie und lacht. Rund 220 Kühe gehören zum Hof und aus der tagesfrischen Milch stellt das Fabor-Team das cremige Bio-Eis her. Bei dem schönen Wetter verspeisen die Ausflügler das Eis auf den Holzbänken, die draußen vor dem Eingang stehen. Doch Fabor bietet auch schöne, große Innenräume, ein gemütlich eingerichtetes Café, in dem die Besucher bei kühleren Wetter oder Regen verweilen und ihr Eis oder auch einen Kaffee ganz in Ruhe genießen können. Ich stehe nun vor der großen Vitrine und entscheide mich für Erdbeer- und Vanilleeis in einer großen Waffel, garniert mit frischen Erdbeeren – das schmeckt wunderbar nach einer Fahrradtour an einem heißen Sommertag.

Unterkunft im Landhausstil mit besonderem Flair

Zurück beim Fahrradverleih steige ich wieder in mein Auto um und fahre nun zu meiner Unterkunft. Ich quartiere mich im B&B Landrop in Hoogeloon ein. Das liegt idyllisch im Grünen, ist liebevoll eingerichtet und erinnert dabei auch an englischen Landhausstil. In meinem Zimmer hockt ein Kuscheltier auf dem Bett – es ist vermutlich ein Hund. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht. Das berührend blasse Stofftier lehnt sich an die Kissen mit Rüschen, eins in Pastellgrün, andere mit Blumenmuster, die auf der fliederfarbenen Überdecke drapiert sind. Nach dem Blick in meine schöne Kammer führt mich Inhaber Jack Heijkoop noch weiter herum und zeigt mir auch ein Zimmer unterm Dach, das durch die schrägen Wände besonders gemütlich wirkt. Im Frühstücksraum steht ein Grammophon und hängt ein kleiner Kristalleuchter. Es ist alles sehr stilvoll ausgestattet und das macht das B&B zu einer ganz besonderen Unterkunft.

Landrop B&B in Hoogeloon
Liebevoll eingerichtet – das Landrop B&B in Hoogeloon ist eine Unterkunft mit besonderem Flair. © Fotos: Meike Nordmeyer
Feine Speise im Restaurant Crijns
Da stimmt auch das Design auf dem Teller – feine Kompositionen gibt es im Restaurant Crijns in Bladel. © Foto: Meike Nordmeyer

Doch dann müssen wir auch schon wieder los. Ja, noch mehr Genuss steht auf dem Programm. Jack Heijkoop bringt mich mit dem Auto zum nahegelegenen Gourmet-Restaurant Crijns. Es hat Auszeichnungen von Gault Millau und Michelin inne und ist in einem alten, schön restaurierten Bauernhof eingerichtet. Dort darf ich die Kreationen von Chefkoch Marc Crijns speisen, während ich im schönen Garten seines Hauses sitze. Im Nordbrabant lässt es sich wirklich den ganzen Tag genießen, ob tagsüber Käse oder Eiscreme direkt auf dem Bauernhof oder am Abend ein anspruchsvolles Menü mit passenden Weinen dazu. Und dann komme ich am Ende des Tages auch nochmal zum Thema Käse zurück. Denn besonders stolz ist Marc Crijns auf seine Käsekammer, in die er seine Gäste einlädt und gemäß ihren Vorlieben und seinen Empfehlungen einen feinen Teller mit verschiedenen Sorten zusammenstellt. Ich nippe schließlich noch einmal ganz versonnen an einem Dessertwein und dann werde ich wieder in meine Unterkunft gebracht. Was für ein intensiver Tag war das! Voller Eindrücke und ziemlich geschafft sinke ich ins Bett. Das geheimnisvolle Stofftier hockt jetzt ganz lässig auf dem Sessel, blickt zu mir herüber und hat wohl eine Ahnung, wie ich den Tag verbracht habe.

Waldspaziergang im Landgoed de Utrecht
Schöner Spaziergang im Landgoed de Utrecht auf der Kunstroute Andreas Schotel – an dem kleinen Moorsee sind drei Badende zu sehen. © Foto: Meike Nordmeyer

Am nächsten Tag geht meine Tour noch weiter, doch nun zunächst mit dem Auto. Ich fahre etwa 11 Kilometer weiter in das Naturschutzgebiet „Landgoed de Utrecht“, das bei Lage Mierde liegt und sich bis zur belgischen Grenze zieht. Dort wurde mir für eine kleine Wanderung die „Andreas Schotel Kunstroute“ empfohlen. Andreas Schotel (1896-1984) fertigte Radierungen von dem zu seiner Zeit zunächst noch ursprünglichen, doch bald sich auch wandelnden Landleben in Nordbrabant an. Von diesen Werken hat sich der aus der Gegend stammende Künstler Hannes Verhoeven (*1984) anregen lassen und darauf bezogene Skulpturen geschaffen, die an verschiedenen Punkten in der Landschaft platziert sind. Das macht den Spaziergang in dem Waldgebiet noch reizvoller. Ich laufe um einen kleinen Moorsee herum und bin fast alleine dort. Nur zwei Hundebesitzer mit ihren vierbeinigen Kameraden begegnen mir und eine Joggerin läuft an mir vorbei. Ein Stück entfernt in den hohen Gräsern am Seeufer sind drei badende Frauen zu sehen. Es sind Skulpturen von Verhoeven. Die Figur, die am nächsten am Wasser steht, spiegelt sich zauberhaft im Wasser.

Gasthaus De Buitenman in Nordbrabant
Das Gasthaus De Buitenman in Lage Mierde serviert hauseigene und andere regionale Speisen. Auch einen Hofladen gibt es. © Fotos: Meike Nordmeyer

Anschließend fahre ich weiter zum Gasthaus De Buitenman in Lage Mierde, auch das ist ein Bauernhof, der eigene Bioprodukte und weitere aus der Region serviert. Zum Mittagessen bekomme ich auch hier eine üppige gemischte Platte zubereitet. Eine besondere Spezialität sind die hausgemachten Bitterballen mit Spargel-Creme als Füllung. Die Ballen werden handgerollt, wie ich später noch sehen kann, als ich in den Hofladen gehe. Denn das Gute ist, die Bitterballen gibt es auch zum Mitnehmen. Spargel, Rindfleisch und Brot vom eigenen Hof gibt es zu kaufen und noch vieles mehr, auch von anderen Betrieben der Region wie beispielsweise Gemüse, Käse und Milch, Honig, Marmelade oder Bier. Da decke ich mich gerne ein bisschen ein. Nach viel Genuss, Natur- und Kulturerlebnissen mache ich mich nun auf den Heimweg. Zurück in meine Heimatstadt Wuppertal ist es nicht weit, in knapp 2 Stunden bin ich zu Hause. Gut zu wissen: Die Genussregion Nordbrabant ist nicht weit entfernt. Da lässt sich ein Ausflug dorthin bald mal wiederholen, um noch mehr zu entdecken und zu genießen.

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Zum Weiterlesen über Nordbrabant
Zu Beginn meiner Tour in Nordbrabant habe ich einen Tag im nahegelegenen Nuenen verbracht und bin auf den Spuren von Vincent van Gogh gewandelt. Mehr dazu:
Wo Van Gogh die Mühlen malte – ein Besuch in Nuenen

Ich habe diese Genusstour in den Brabanter Kempen auf Einladung von Visit Brabant unternommen. In diesem Rahmen wurde ich zur Übernachtung im B&B Landrop eingeladen, ebenso zur Fahrradtour und zu den Speisen an den beschriebenen Genuss-Stationen.

Reisen in Zeiten von Corona
Die Genusstour habe ich im vergangenen Spätsommer unternommen, also noch lange vor Beginn der Corona-Pandemie. Daher thematisiere ich diese im Artikel nicht und erzähle von der Tour so, wie ich sie seinerzeit ganz unbeschwert erlebt habe. Erst die Anreise mit dem Auto ins nahe der deutschen Grenze gelegene Nordbrabant und dann dort eine Fahrradtour – das ist eine Art der Reise, die sich je nach aktueller Situation auch in Pandemie-Zeiten recht gut mit genügend Abstand und Vorsicht realisieren lässt. Das B&B Landrop informiert auf seiner Webseite (Stand 31.7.2020), dass es auf Corona-Schutzmaßnahmen geprüft und daher geöffnet ist. Auch die anderen Betriebe und Restaurants sind wieder geöffnet. Workshops werden bei der Käserei De Ruurhoeve jedoch nach derzeitigem Stand erst wieder im September angeboten. Wer während Corona-Zeiten in die Region reisen möchte, erkundigt sich am besten vorher ganz aktuell über die Situation bei den Betrieben und was sie anbieten. Die entprechenden Links habe ich hier zusammengestellt.

Mehr Infos zu den besuchten Stationen

Fahrrad- und Tandemverleih Van der Mierden in Bladel

Restaurant Crijns in Bladel

Käserei De Ruurhoeve in Hoogeloon

B&B Landrop in Hoogeloon

Streekrestaurant De Hofkaemer in Bergeijk

Eisbauernhof Fabor in Reusel

Gasthaus De Buitenman in Lage Mierde

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